PfadnavigationHomeSportFußballWMWM-Teamquartier„Hatten nicht die beste Werbung“ – die neue Nachbarschaft der NationalmannschaftStand: 09:44 UhrLesedauer: 5 MinutenDas ist das Quartier des DFB-Teams bei der WM: Kurze Wege, moderne Trainingsplätze und Rückzugsorte sollen optimale Bedingungen für ein erfolgreiches Turnier schaffen. „Das ist uns mit diesem Base-Camp geglückt“, sagt Bundestrainer Julian Nagelsmann.Die Nationalmannschaft hat ihr WM-Quartier bezogen. Für Sicherheit und gute Bedingungen ist gesorgt. Trotz Einschränkungen freuen sich die Nachbarn in Winston-Salem über die prominenten Gäste.Der Ton ist bestimmend. Die Sicherheitskraft, die in der Mittagshitze vor dem Eingang des Hotels „The Graylyn Estate“ bei Winston-Salem steht, ist dennoch freundlich. „Hier geht es für Sie nicht weiter“, sagt der Mann mit den breiten Schultern und der Sonnenbrille und bittet darum, den Einfahrtsbereich mit dem Auto wieder zu verlassen. Wer nicht zum Tross der deutschen Nationalmannschaft gehört, hat an diesem Tag keinen Zutritt mehr. Ein Polizeiauto parkt am Haupteingang der schlossähnlichen Luxusanlage an der Reynolda Road. Normalerweise heiraten in diesem Hotel US-Paare und feiern ihren besonderen Tag. Jetzt dreht sich hier alles um Fußball.Das ehemalige Privatanwesen, das sich auf dem Gelände der Wake Forest University befindet, gehört seit Beginn dieser Woche für die kommenden Wochen exklusiv dem Deutschen Fußball-Bund (DFB): 55 Hektar, 85 Zimmer und eine Ritterrüstung in der Lobby – hier werden die deutschen Nationalspieler während der WM wohnen, trainieren, und regenerieren. Österreichs Nationalspieler Konrad Laimer vom FC Bayern hatte zuletzt gescherzt, das deutsche Team sei „in Hogwarts“.Nach sechs Tagen Chicago (2,7 Millionen Einwohner) ist nun Winston-Salem (250.000 Einwohner) das Zuhause für das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann. WELT hat sich rund um das Quartier umgesehen. Ruhe statt Großstadtlärm, Idylle statt Hektik. Direkt gegenüber der Hotelzufahrt erstreckt sich ein großer Park. Rentner spazieren am Vormittag mit ihren Hunden hindurch. Ein Weg führt zu einem der bekanntesten Museen von Winston-Salem, dem Reynolda House Museum of American Art. Das Museum wurde 1917 von Katharine Smith Reynolds und ihrem Ehemann R. J. Reynolds, dem Gründer der R. J. Reynolds Tobacco Company, erbaut und zeigt eine Sammlung amerikanischer Kunst von der Kolonialzeit bis zur Moderne. Lesen Sie auchEin weiterer Weg, auf dem zu Beginn ein Hinweisschild mit einem DFB-Logo angebracht ist, führt direkt hinüber zum weitläufigen Gelände der Wake Forest University. In Chicago stand die deutsche Auswahl auf der Fahrt zum Training mit dem Bus oft im Stau, 45 Minuten dauerte die längste Fahrt – in Winston-Salem sind es sechs, sieben Minuten mit dem Fahrrad zum Trainingsgelände. Rundherum gibt es einen Sichtschutz, auf dem der Verband in großen Lettern der Gastgeberstadt dankt. Und was die Fahrtzeiten betrifft: Zum Privatflughafen „Smith Reynolds“, von dem der DFB-Tross zu den Spielen fliegt, sind es mit dem Bus nur zehn Minuten.Deutsches Teamhotel zwischen Basketballkörben und viel GrünWer von der Hotelzufahrt rechts herausfährt und gleich wieder rechts abbiegt, um einmal um das Teamquartier herumzufahren, erreicht den Coliseum Drive. Es ist eine ruhige, gehobene, sehr grüne Wohngegend. Links und rechts stehen Einfamilienhäuser, an jedem zweiten weht eine US-Flagge, ab und zu ist auch eine Regenbogenfahne zu sehen. Basketballkörbe und Autos stehen in den Auffahrten. Was auffällt: Kaum ein Haus ist eingezäunt. Dafür parkt am ersten Seiteneingang des „The Graylyn Estate“ ein Sicherheitsfahrzeug.Vom Coliseum Drive geht es in die Vernon Avenue, danach rechts auf den Marguerite Drive. Kurz bevor dieser in die Reynolda Road mündet, harkt Jaci Hayden in ihrem Garten ein paar Blätter und Äste zusammen. „Herzlich willkommen in Winston-Salem“, entgegnet sie lächelnd den WELT-Reportern und erzählt, wie schön es sei, dass sich der deutsche Verband für ihren Wohnort entschieden habe. Sie kommt ursprünglich aus Houston/Texas, wohnt seit vielen Jahren mit ihrem Mann und den drei Töchtern in Winston-Salem. „Wir freuen uns auf die WM. Mal sehen, wie es wird. Ich denke, es ist eine gute Sache für die USA. Wir hatten in den vergangenen Monaten nicht die beste Werbung für unser Land“, sagt Jaci Hayden. „Vielleicht trägt die WM dazu bei, dass der Blick auf uns wieder etwas positiver wird.“ Lesen Sie auchSie bittet ihre mittlere Tochter, elf Jahre alt, die neben ihr steht, ihren Vater aus dem Haus zu holen. „Er ist großer Fußball-Fan!“ Seth Hayden kommt dazu: Polohemd, Shorts, fester Händedruck. Er ist Professor, arbeitet an der gegenüberliegenden Universität. Auch er ist gespannt, was die WM für das Land bringen wird. Er habe sich das Testspiel der USA gegen Deutschland (1:2) im Fernsehen angeschaut, erzählt Hayden. Der Mann ist skeptisch mit Blick auf das US-Team, aber dennoch hoffnungsvoll. Angesprochen auf die prominenten Nachbarn sagt er, dass für die deutsche Mannschaft alles vorbereitet sei. Es sei sehr viel investiert und dafür getan worden, dass es den Deutschen gut gehe. Sie freuen sich über die neuen, wenn auch nur vorübergehenden Nachbarn. Dafür nehmen die Anwohner sogar in Kauf, dass sie die Parkanlage des „The Graylyn Estate“ in den kommenden Wochen nicht betreten dürfen. Sonst, erzählt Hayden, würden sie dort ab und an mal spazieren – und auch mal den groß angelegten Pool benutzen. Der gepflegte Garten der Familie liegt zum Hotel hin.Zurück auf der Reynolda Road sticht unmittelbar neben dem Teamquartier ein großer Stier ins Auge. Aus Pappmaché errichtet, steht er am Eingang von „Fratellis Italian Steakhouse“. Von 16 bis 22 Uhr ist es täglich geöffnet. Ob sich dort auch mal der eine oder andere Vertreter aus der deutschen Delegation blicken lässt? Kaum vorstellbar, der DFB hat in Anton Schmaus seinen eigenen Koch dabei.Rund acht Minuten sind es vom Teamquartier der deutschen Mannschaft bis ins kleine Stadtzentrum von Winston-Salem, in dem knapp 110 deutsche Medienvertreter ebenfalls Quartier bezogen haben. In vielen Restaurants, Bars und Cafés hat die Stadtverwaltung Aufkleber mit einem QR-Code angebracht, um Informationen über die Kleinstadt im Bundesstaat North Carolina zu bekommen. Einer Stadt, die vielleicht keine Schönheit und auch sehr überschaubar ist, aber die mit dem „The Graylyn Estate“ möglicherweise den Grundstock für eine erfolgreiche WM legen kann. Wie wichtig ein gutes Quartier und eine gute Umgebung sein können, hat sich bei der WM 2014 in Brasilien gezeigt. Vom Campo Bahia schwärmen die Spieler von damals noch heute, während „Watutinki“ bei der WM 2018 in Russland und das „Zulal Wellness Resort“ in Katar 2022 eher in schlechter Erinnerung geblieben sind. Wenn Sie hier klicken, können Sie sich den Gruppenspielplan der WM als PDF herunterladen. Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit einer Woche sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die WM-Vorbereitung der deutschen Auswahl.