Es ist 1:43 Uhr in der Nacht zum Montag, als in Reutlingen das Licht ausgeht. Sekunden später, um 1:45 Uhr, klingelt das erste Telefon in der Integrierten Leitstelle: Im Umspannwerk Reutlingen-West brennt es. Während die Feuerwehr durch die menschenleeren Straßen am Fuß der Schwäbischen Alb rast, sitzen Zehntausende bereits im Dunkeln. Im Klinikum springt das Notstromaggregat an, in einem Geflügelhof am Stadtrand kämpfen Mitarbeiter um die Lüftungen ihrer Ställe, im Klärwerk drohen die Pumpen stillzustehen.
Erst gegen 3:30 Uhr ist das Feuer gelöscht – doch da hat es längst eine zweite Anlage in Mitleidenschaft gezogen. Der Kreisbrandmeister ruft um 4:45 Uhr die „Außergewöhnliche Einsatzlage“ für den gesamten Landkreis aus. Rund 100 Feuerwehrleute und weitere 100 Kräfte des Bevölkerungsschutzes sind im Einsatz.
Was die Ermittler in den Ruinen der Schaltanlage finden, lässt Sicherheitsbehörden in Stuttgart, Berlin und Karlsruhe aufhorchen: Reste eines möglichen Brandbeschleunigers. Ein Brandmittelspürhund schlägt an. Inzwischen ermitteln der Staatsschutz und das Antiterrorzentrum beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe. Innenminister Manuel Hagel (CDU) versprach am Montagabend in Reutlingen, man werde „jeden einzelnen Stein umdrehen“ – auch die Frage, ob ein „terroristischer Akt“ dahinterstecke, sei offen. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach im ZDF von einem wahrscheinlichen Brandanschlag. Rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen waren ohne Strom, der Schaden geht in die Millionen.










