In der Nacht zum Montag kam es durch den Brand von Transformatoren eines Umspannwerks gegen 1.40 Uhr in der baden-württembergischen Stadt Reutlingen zu einem folgenreichen Stromausfall. 7600 Haushalte und etwa 30.000 Menschen konnten auch am Montagmittag noch nicht wieder mit Strom versorgt werden. Für die Bürgerinnen und Bürger in der Kernstadt Reutlingens war die Stromversorgung am frühen Morgen allerdings schon wieder hergestellt worden. In Betzingen, Ohmenhausen, Wannweil und Kirchentellinsfurt war die Stromversorgung hingegen länger unterbrochen. Reutlingen hat knapp 120.000 Einwohner und liegt am Rande der Schwäbischen Alb.Nach den neuesten Erkenntnissen vermuten die Ermittler „vorsätzliche Brandlegung und Störung öffentlicher Betriebe“, erklärte der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) am Montagabend in Reutlingen. Der Staatsschutz und das Antiterrorzentrum des Landeskriminalamts hätten die Ermittlungen übernommen: „Wir werden die Täter mit aller Härte zur Rechenschaft ziehen“, sagte Hagel weiter. Es sei eine Ermittlungsgruppe „Fischer“ gegründet worden. Für eine endgültige Bewertung sei es jedoch noch zu früh. Dabei werde auch geklärt, ob wirklich „ein Brandanschlag oder gar ein terroristischer Akt vorliegt“. Das Landeskriminalamt Stuttgart teilte mit, Anzeichen für die Verwendung von Brandbeschleuniger gefunden zu haben. Nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen könnte der Brand gezielt gelegt worden sein. Die Vorgehensweise deute auf linksextremistische Täter hin und weise nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur Parallelen etwa zu entsprechenden Taten in Berlin auf.Am Montagvormittag war nach Informationen des Polizeipräsidiums Reutlingen zunächst weniger klar, ob es sich bei der Brandursache um einen technischen Defekt oder Brandstiftung handeln könnte. Der SWR und der „Reutlinger Generalanzeiger“ berichten bereits im Tagesverlauf, dass Mitarbeiter der Netzbetreiber Indizien für eine Brandstiftung registriert hätten. Auf dem Gelände des Umspannwerks seien drei Brandstellen identifiziert worden, außerdem stellten Mitarbeiter der Betreiberfirma eine Beschädigung eines Zauns fest. Seit den frühen Morgenstunden waren 195 Feuerwehrleute im Einsatz, wegen des großflächigen Stromausfalls kam es zu fünf Folgeeinsätzen.Auch Klinik von Stromausfall betroffenDas Klinikum Reutlingen mit 760 Betten und etwa 2600 Mitarbeitern musste wegen des nächtlichen Stromausfalls sofort auf die Notstromversorgung umstellen, das Klinikpersonal kümmerte sich vor allem um Patienten, die in ihren privaten Wohnungen oder Häusern beatmet werden. Gegen 6 Uhr verfügte die Klinik erstmals wieder über Strom aus dem Netz, weil es aber bei der Zuschaltung des Stroms kurzfristig zu Spannungsspitzen kam, mussten nach Angaben von Klinikgeschäftsführer Dominik Nusser 400 medizinische Geräte geprüft werden. Die Ärzte mussten zehn geplante Operationen verschieben. Um 10 Uhr sei die Klinik wieder regulär mit Strom aus dem Netz versorgt worden, sagte Nusser.In Reutlingen und in einigen vom Stromausfall betroffenen kleineren Gemeinden richteten die Bürgermeister Verwaltungsstäbe ein; sie sollen die Hilfe in der derzeitigen Notsituation organisieren und zum Beispiel die Stromversorgung für Pflegeheime sicherstellen oder den Betrieb von Kläranlagen kontrollieren, damit Schäden für die Umwelt vermieden werden. Die Mitarbeiter des Netzversorgers Netze BW arbeiten im Schichtbetrieb. Bei der Wiederherstellung der Stromversorgung wird darauf geachtet, dass zunächst Privathaushalte versorgt werden, und an zweiter Stelle die Gewerbebetriebe.Der Stromausfall in Reutlingen und die Frage, ob der Brand durch einen möglicherweise politischen motivierten Anschlag verursacht wurde, brachten die württembergische Großstadt am Montag auch bundesweit in die Schlagzeilen. Der Grund hierfür ist der mutmaßlich linksextremistische Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin im Januar: Am 3. Januar war durch einen Anschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde der längste Stromausfall in der Berliner Nachkriegsgeschichte verursacht worden; 45.000 Haushalte und 2200 Betriebe im Südwesten Berlins konnten im kalten Winter und über mehrere Tage nicht mit Strom versorgt worden. Die Behörden hatten ein Bekennerschreiben der linksextremistischen „Vulkangruppe“ ausgewertet.Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), war durch die sogenannte Tennisplatz-Affäre und durch sein mangelhaftes Krisenmanagement in die Kritik geraten. Wegner hatte die Krisenlage zunächst nicht aus dem Roten Rathaus, sondern – nach einem Besuch auf dem Tennisplatz – aus seinem privaten Büro zu managen versucht. Vermutlich auch deshalb und zur Abgrenzung von den Berliner Zuständen lobte Landrat Ulrich Fiedler am Montag ausdrücklich die „exzellente Zusammenarbeit“, die in Reutlingen auf „unterschiedlichen Ebenen“ geleistet worden sei.
Stromausfall in Reutlingen: Ermittler vermuten Brandstiftung als Ursache
Der Stromausfall in Reutlingen weckt Erinnerungen an jenen in Berlin. Das Landeskriminalamt in Stuttgart findet Hinweise auf Brandbeschleuniger. Am Montagmittag waren noch 30.000 Menschen ohne Strom.












