Die Probleme begannen mitten in der Nacht. Gegen 1.30 Uhr, so die Vermutung, könnten sich Täter Zugang zum Umspannwerk Reutlingen-West verschafft haben. Von drei Brandstellen berichtet der Netzbetreiber Netze BW. Ausgerechnet der Chef der Stadtwerke Reutlingen wurde zum Augenzeugen. Er sei um 1.40 Uhr aufgewacht und habe gesehen, dass der Strom weg sei, schildert Jens Balcerek am Vormittag danach. „Ich bin dann auf den Balkon gegangen und hab dann nur filmen können von vier Kilometern Entfernung, wie das Umspannwerk abgebrannt ist.“Die Folgen reichten weit. Am Vormittag waren noch 7600 Haushalte – und damit etwa 30 000 Menschen – von dem Stromausfall betroffen. Zwar gelang es den Netzbetreibern einen Teil wieder ans Netz zu bringen, darunter auch eine Klinik. Für andere aber liefen die Vorbereitungen für weitere 48 Stunden ohne Strom.Es brannte offenbar an drei Stellen gleichzeitigSicherheitsbehörden sind wegen des Vorfalls alarmiert. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung gehen die Behörden dem Verdacht nach, dass sich mit der Tat eine Serie mutmaßlich linksextremer Brandanschläge auf die Stromversorgung in Deutschland fortsetzt. Hinweise auf Drahtzieher im Ausland gebe es dagegen bislang nicht.Noch befänden sich die Ermittlungen im frühen Stadium, heißt es. Auch ein Defekt an der Anlage sei als Ursache weiterhin möglich. Doch der Vorfall erinnert stark an die beiden Anschläge von Berlin am 9. September des vergangenen und am 3. Januar dieses Jahres. Im ersten Fall ging nach einem Anschlag auf zwei Strommasten für 50 000 Menschen und mehrere Unternehmen das Licht aus. Im zweiten Fall kam es nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke zum größten Blackout in der Geschichte der Hauptstadt. Fast 100 000 Menschen hatten bei eisigen Temperaturen keinen Strom, weswegen auch viele Heizungen nicht mehr liefen.Nach Angaben des Netzbetreibers gibt es in Reutlingen erste Hinweise auf eine Brandstiftung. Es seien drei Brandstellen gefunden worden, außerdem seien der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt, sagte ein Sprecher von Netze BW am Montag. Spezialisten des Landeskriminalamts (LKA) untersuchten am Montag den Brandort.Sollte sich der Verdacht erhärten, gerieten die Ermittler in größere Erklärungsnot. Unter Verdacht stehen in Berlin die linksextremen Vulkangruppen, die bereits vor 15 Jahren erste Taten verübt haben sollen. Dennoch gibt es bislang keine Festnahmen. Die Hinterleute der Anschläge von Berlin spielten zu Jahresbeginn mit Bekennerschreiben auf linksextremistischen Webseiten im Netz immer wieder Katz und Maus mit den Fahndern.Das Stuttgarter Innenministerium hielt sich mit einer Bewertung im aktuellen Fall noch zurück. Man ermittle in jegliche Richtung, sagte Tina Rempfer vom Polizeipräsidium Reutlingen während einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Reutlinger Rathaus. „Alle Möglichkeiten werden in Betracht gezogen: Absicht, Fahrlässigkeit oder ein technischer Defekt.“ Nach SZ-Informationen gestaltete sich die Spurensicherung infolge des Brandes zunächst schwierig.Nach dem Brand in dem Reutlinger Umspannwerk könnte es bis zu zwei Tage dauern, ehe die volle Stromversorgung wieder hergstellt ist. Christoph Schmidt/dpaWichtig sei es vor allem, die Bevölkerung wieder mit Strom zu versorgen, sagte der Stadtwerke-Geschäftsführer Balcerek. Bis zu einer Vollversorgung könne es allerdings gut 48 Stunden dauern. Für die Nacht werde deshalb ein Notfalltreffpunkt eingerichtet, sagte Bürgermeister Roland Wintzen. Dort sollen Menschen ihr Handy laden oder Babynahrung erwärmen können. Auch das Reutlinger Kreisklinikum war von dem Stromausfall betroffen, weshalb zehn Operationen verschoben wurden. Allerdings war das Klinikum am Vormittag bereits wieder am Netz, es seien auch sofort die Notstromaggregate angesprungen, hieß es.