PfadnavigationHomePolitikAuslandIran-Krieg„Du solltest besser vorsichtig sein“ – Trump warnt Netanjahu vor AlleingangStand: 06:46 UhrLesedauer: 4 MinutenDer Sicherheitsexperte Nico Lange analysiert die fragile Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA, die Rolle der Hisbollah und den Einfluss von Donald Trump auf Israels Politik. „Wir könnten noch sehr lange in dieser Zwischenphase bleiben.“Die jüngste Runde der Angriffe zwischen Israel und dem Iran ist zwar beendet, Donald Trump spricht aber dennoch eine Warnung an Benjamin Netanjahu aus. Bei einem erneuten Krieg könnte Israel auf sich allein gestellt sein.US-Präsident Donald Trump warnt den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor einem erneuten Krieg gegen den Iran. Sollte es zu einem neuen Konflikt kommen, könnte Israel auf sich allein gestellt sein, sagte Trump in einem Interview des US-Nachrichtenportals Axios. „Ich habe gesagt: ‚Bibi (Netanjahu), du solltest besser vorsichtig sein, oder du wirst sehr bald auf dich allein gestellt sein‘“, zitiert das Portal den US-Präsidenten. Von derselben Botschaft berichtete Trump auch beim israelischen TV-Sender N12.Schon im Zuge der gegenseitigen Angriffe zwischen dem Iran und Israel in der Nacht zu Montag hatte Trump dem israelischen Ministerpräsidenten eine Ansage gemacht. Netanjahu müsse ein künftiges Abkommen zwischen den USA und dem Iran akzeptieren. „Ich habe das Sagen. Ich habe das alleinige Sagen“, sagte Trump der „Financial Times“. Trump strebt ein Abkommen an, um den Konflikt langfristig zu beenden. Der iranische UN-Botschafter Amir Saeid Iravani nannte am Montag (Ortszeit) dafür den Zeitraum bis Ende Juni. Der Botschafter sagte, die USA und der Iran „stellen ihre Standpunkte bereit und tauschen sie aus, um zu einem Abschluss zu gelangen“ – unter Vermittlung Pakistans. „Wir haben noch kein endgültiges Dokument erhalten, aber wir arbeiten daran, es zu bekommen“, sagte er der AP. Ob er glaube, dass dies bis Ende dieses Monats geschehen werde? „Wir hoffen es. Wir hoffen es“, antwortete Iravani. Die Verhandlungen waren durch die jüngsten Angriffe zwischen Iran und Israel bedroht worden. Iran und Israel hatten die ersten gegenseitigen Attacken seit Beginn einer Waffenruhe Anfang April am Montag vorerst wieder eingestellt. Der Iran habe Israel eine „schmerzhafte Antwort“ gegeben, und „dementsprechend ist hiermit die Einstellung der Armee-Einsätze verkündet“, erklärte die iranische Armee am Montag im Staatsfernsehen. Kurze Zeit später teilte auch Netanjahu mit, dass die Kämpfe ruhten. Beide Seiten drohten jedoch mit einer Wiederaufnahme der Kämpfe, sollte die jeweils andere Seite erneut angreifen.Lesen Sie auch„Nachdem wir das Terrorregime in Teheran angegriffen haben, hat es aufgehört, uns zu attackieren“, sagte Netanjahu in der Fernsehansprache. Er drohte jedoch mit neuen Attacken, sollte der Iran „den Fehler begehen, die Angriffe gegen uns wieder aufzunehmen“. Netanjahu betonte, er habe Trump mitgeteilt, dass Israel „ein uneingeschränktes Recht auf Selbstverteidigung hat und wir dieses Recht nach Bedarf ausüben“.Auch die iranische Armee drohte mit noch „härteren und vernichtenderen Maßnahmen“, falls Israel die Angriffe auf den Süden des Libanon fortsetzt. Genau dies hatte Israel jedoch ungeachtet der iranischen Drohungen angekündigt. Tatsächlich kam es nach libanesischen Angaben am Montagabend auch zu einem israelischen Angriff mit fünf Toten und acht Verletzten – darunter vier Sanitäter des Roten Kreuzes.Die israelische Armee meldete gleichzeitig die Sichtung eines „verdächtigen“ Flugobjekts aus dem Jemen. Dieses sei am frühen Dienstagmorgen abgefangen worden, erklärte die Armee. Es habe keine Verletzten gegeben. Vom Jemen aus feuerten die von Teheran unterstützten Huthi-Rebellen seit Beginn des Iran-Krieges immer wieder Raketen auf Israel ab. Iranische Raketen als AuslöserDer Iran hatte mit der Abfeuerung von Raketen auf Israel – erstmals seit Inkrafttreten einer brüchigen Waffenruhe Anfang April – die ereignisreichen Stunden ausgelöst. Als Grund gaben die iranischen Revolutionsgarden israelische Luftangriffe auf Viertel von Beirut im Libanon an, die als Hochburgen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz gelten.Am Montagmorgen folgten nach israelischen Angaben weitere iranische Raketensalven. Die israelische Armee erklärte, die Luftabwehr sei im Einsatz gewesen, um „die Bedrohung abzufangen“. Der Iran feuerte nach den Angaben der israelischen Armee in der Nacht fast 30 Raketen auf Israel ab.Israel griff als Reaktion auf die iranischen Raketenangriffe militärische Ziele im Iran an. Das iranische Staatsfernsehen berichtete von „mehreren“ Explosionen in der Hauptstadt Teheran sowie in den Städten Täbris und Isfahan. Mit den Angriffen setzte sich Israel auch über die Aufforderung von US-Präsident Trump hinweg, von Vergeltungsmaßnahmen für den Raketenbeschuss aus Teheran abzusehen.Teheran machte die USA für das vorübergehende Wiederaufflammen der Kampfhandlungen mitverantwortlich. Israel ergreife keine Maßnahmen „ohne vorherige Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten“, sagte Außenministeriumssprecher Esmaeil Bakaei. Die indirekten Gespräche mit den USA unter Vermittlung Pakistans würden fortgesetzt, auch wenn die Verhandlungen durch die jüngsten Angriffe auf sein Land „beeinträchtigt“ würden.Der Iran, der die Hisbollah im Libanon politisch und finanziell unterstützt, besteht darauf, den Libanon in ein mögliches Abkommen mit den USA zur Beendigung des Krieges einzubeziehen. Die Hisbollah hatte in der vergangenen Woche einen neuen Vorstoß Israels und des Libanon für eine Waffenruhe abgelehnt.lay/luwi/säd/sebe mit dpa/rtr/AFP