Eine 35-jährige Bürgermeisterin im japanischen Yawata schreibt mit der Geburt ihres Kindes Geschichte. Shoko Kawata, Bürgermeisterin der rund 70.000 Einwohner zählenden Stadt Yawata in der Präfektur Kyoto, wird nach Angaben der japanischen Gouverneursvereinigung und kommunaler Verbände die erste amtierende Bürgermeisterin Japans sein, die Mutterschutz in Anspruch nimmt. Das berichtete etwa die japanische Tageszeitung Asahi Shimbun.Kawata erwartet ihr erstes Kind Mitte September und will insgesamt rund 16 Wochen pausieren – sechs bis acht Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt.

Kontroverse Debatte in Japan

Kawatas Ankündigung sorgte landesweit für Diskussionen. In sozialen Medien gab es laut CNN Kritik, die Abwesenheit einer Amtsträgerin sei eine „Verschwendung von Steuergeldern“. Persönliche Reaktionen aus Verwaltung und Bevölkerung seien dagegen unterstützend ausgefallen, sagte Kawata dem Sender: „Sie sagen mir ohne zu zögern, ich solle einfach eine Pause machen.“

Miho Konishi von der Denkfabrik Tokyo Foundation sagte ABC News, in Japan herrsche ein „tief verwurzelter Druck, wonach man umso weniger Anspruch auf Elternzeit habe, je höher man in der Hierarchie stehe“. Dass eine Bürgermeisterin in einer schwer zu ersetzenden Rolle zeige, dass eine Organisation dies bewältigen könne, sende ein Signal weit über die Kommunalverwaltung hinaus – auch in die Privatwirtschaft. Konishi warnte zugleich, eine mutige Einzelentscheidung dürfe nicht den fehlenden strukturellen Rahmen überdecken. Japan brauche „nicht den Anschein außergewöhnlicher Einzelpersonen, sondern Systeme, die dies für alle ermöglichen“.