Die Frankfurter Eintracht steht nach der Sommerpause vor einer Saison der Wahrheit. Nicht nur, was das Sportliche betrifft. Gelingt es, das schlingernde Schiff wieder auf Kurs nach Europa zu bringen, oder ereilt die Eintracht das Schicksal von Borussia Mönchengladbach, das nach einer ersten Krise seit einigen Jahren nur noch durch mittlere und hintere Gestade der Liga schippert?Noch wichtiger aber für die Zukunft des hessischen Traditionsklubs wird sein, wie das neue Sicherheitskonzept im Stadion durchgesetzt und angenommen wird. Dass es kommen wird, ist unabdingbar, nachdem im letzten Bundesligaspiel der abgelaufenen Spielzeit gegen den VfB Stuttgart drei Personen durch Pyrotechnik verletzt wurden. Der Präzedenzfall ist eingetreten, die Behauptung der organisierten Fanszene widerlegt, dass Pyro beherrschbar ist, wenn sie nicht die Hand verlässt, und deshalb ein tolerierbarer Teil der Fankultur sei.Vorstand und Spielorganisatoren droht persönliche HaftungEine Behauptung, der die Eintracht-Führung gerne Glauben schenkte, weil auch sie in der Kurve groß wurde und die Fanszene als ein Teil der Eintracht-Identität betrachtet. Nun aber droht, dass der Vorstand und die Spielorganisatoren persönlich haftbar gemacht werden, wenn sie es versäumen, durch geeignete Maßnahmen Schäden von den Kunden abzuwenden.Die Vorstände Philipp Reschke und Axel Hellmann berichten von großer Einsicht in der organisierten Fanszene. Die Opfer sind aus ihrem Kreis. Ob das aber so bleiben wird, wenn das Ausmaß der Maßnahmen beschlossen ist und das Ereignis verblasst, weiß niemand. Reschke hat schon erwähnt, dass die Führung der Fanszene an der Ausarbeitung des neuen Sicherheitskonzeptes beteiligt sein werde, denn es müsste mit Augenmaß gestaltet werden, damit es auch von der Klientel der Nordwestkurve akzeptiert wird. Für Anhänger von Law und Order ein schwer verdaulicher Satz.Aber die Beispiele in Italien und Frankreich haben gezeigt, je konsequenter die Stadien dort zu einem Fort Knox ausgebaut worden waren, desto mehr Randale veranstalteten die Chaoten unter den Anhängern. Mehr Restriktion bringt nicht mehr Sicherheit, jedenfalls nicht proportional und unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit.Die Ultras als Speerspitze der organisierten Frankfurter Fanszene sind mittlerweile auch eine sportpolitische Kraft der Eintracht mit Delegierten im Präsidium, Verwaltungsrat, Wahlausschuss und Ehrenrat. Ob der Einfluss ihrer Abgeordneten in den Gremien weiter wächst oder ob sie zu Außenseitern werden, wird weitgehend davon abhängen, wie sehr sie das weitere Verhalten der Hardcore-Fans an ihrer Basis beruhigen können. Ignorieren und Kleinreden funktionieren nicht mehr, das gilt bei diesem Thema für alle bei der Eintracht.