Seit Jahren ist der italienische Bankenmarkt in Aufruhr. Doch ein Akteur schaute sich das Gewusel immer von der Seitenlinie an: Intesa Sanpaolo. Die von dem gewieften Manager Carlo Messina angeführte Bank ist der italienische Marktführer mit der höchsten Bilanzsumme des Landes, auch wenn ihn die Unicredit mit ihren Nettogewinnen und ihrer Marktkapitalisierung überholt hat. Der angegebene Grund war immer die hohe Marktmacht von Intesa in Italien, die Zukäufe unmöglich erscheinen ließ, doch das war teilweise nur eine Ausrede. Messina wartete lediglich auf die richtige Gelegenheit. Die sieht er nun gekommen, denn Monte dei Paschi (MPS), die älteste Bank der Welt, hat sich selbst in eine unmögliche Lage manövriert und damit zum Übernahmeziel gemacht.MPS hat sich in eine Zwickmühle manövriertDie einstige Krisenbank ist mit viel italienischem Steuergeld aufgepäppelt worden, dann verkaufte die Regierung erhebliche Anteile an zwei branchenfremde Investoren. Mit der Übernahme der Investmentbank Mediobanca gelang MPS ein Überraschungscoup, doch damit hat sich die Bank wohl überhoben. Der 71 Jahre alte MPS-Vorstandsvorsitzende Luigi Lovaglio wurde vom Verwaltungsrat vor die Tür gesetzt, dann kam er mit dem Votum der Hauptversammlung wieder zurück. All das ist das Gegenteil von Stabilität. So hat am Sonntag zuerst die drittgrößte Bank Italiens, BPM, eine Fusion mit MPS vorgeschlagen, um wenige Stunden später von Intesa Sanpaolo übertrumpft zu werden. Wenn Intesa sein Angebot durchsetzt, entstünde nach Marktkapitalisierung die zweitgrößte Bank des Euroraumes nach dem spanischen Finanzkonzern Santander.Abzuwarten bleibt freilich die Reaktion der Kartellwächter und der italienischen Regierung. Intesa will einen Großteil der MPS-Filialen und die Marke an die italienische Versicherung Unipol weiterverkaufen; den Marktführer interessieren vor allem das Vermögensverwaltungsgeschäft, die Investmentbank Mediobanca und deren 13-Prozent-Anteil am Versicherer Generali. Finanzminister Giancarlo Giorgetti hatte die Übernahme von BPM durch Unicredit im vergangenen Jahr mit fadenscheinigen Argumenten faktisch untersagt. Unicredit muss sich auf jeden Fall wärmer anziehen. Der italienische Markt ist im Reich von Andrea Orcel trotz aller Auslandsexpansion immer noch die größte Umsatz- und Gewinnmaschine. Künftig dürfte er daheim mit härterer Konkurrenz konfrontiert sein – wenn er nicht noch selbst ins Geschehen eingreifen sollte.