Es ist ein Satz, der hängenbleibt. „Wir werden eher technokratisch wahrgenommen“, sagt Bärbel Bas am Sonntagabend bei Caren Miosga, und es klingt, als habe sie gerade selbst etwas entdeckt, was eigentlich seit zwanzig Jahren jeder weiß, der sich für die Sozialdemokratie auch nur am Rande interessiert. „Wir sind nicht mehr als die Partei der Arbeit wahrgenommen worden.“ Und, fast schon entwaffnend: „Wir haben uns vielleicht auch in der Vergangenheit um viele andere Themen gekümmert.“ Pause. Schnitt. Applaus. Eine SPD-Vorsitzende, die im Talk der besten Sendezeit ihre eigene Partei seziert – und dabei aussieht, als habe sie damit nichts zu tun.
Genau das ist das Faszinierende und das Ärgerliche an diesem Auftritt zugleich. Bärbel Bas, die Tochter eines Duisburger Busfahrers, die Frau mit Hauptschulabschluss im Akademikerzirkus des Koalitionsausschusses, die Bundesarbeitsministerin mit dem „größten Batzen Geld im Haushalt“, liefert eine Diagnose der SPD, die präzise ist – und folgenlos bleiben wird. Wieder einmal.
Die Choreografie der Selbstkritik
Man muss Bas zugutehalten: Sie spricht klarer als die meisten ihrer Vorgänger. „Was fehlt in dieser Bundesregierung? Ich will das mal offen sagen, das ist ein Plan eigentlich. Wo wollen wir in 20, 30 Jahren sein?“ Das ist, als amtierende Ministerin gesagt, bemerkenswert. „Wenn es nach der SPD und nach mir persönlich geht, fassen wir das Thema Arbeitszeit gar nicht erst an“ – ein offener Bruch mit dem eigenen Koalitionsvertrag, geadelt mit der rhetorischen Frage: „Holen wir damit die Wirtschaft aus der Flaute, wenn wir eine Stunde länger arbeiten?“











