Es werde bei den geplanten Reformen keinen „Big Bang“ geben, kündigt Kanzler Friedrich Merz (CDU) schon einmal vorsorglich an. Viele in der Union lasten das insbesondere der SPD an. Wie reformbereit sind die Sozialdemokraten tatsächlich? Dazu äußerte sich die SPD-Co-Chefin Bärbel Bas am Sonntagabend bei „Caren Miosga“. Die ARD-Sendung in der TV-Kritik. Die Gäste Bärbel Bas, Arbeits- und Sozialministerin sowie SPD-Co-ChefinDaniel Friedrich Sturm, Leiter des Tagesspiegel-HauptstadtbürosMoritz Schularick, Ökonom und Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft Bemerkenswert unkritisch Man kann Caren Miosga normalerweise nicht vorwerfen, die Konfrontation mit ihren Gästen zu scheuen. An diesem Abend aber muss man es. Miosgas Fragen an Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) fallen stellenweise bemerkenswert unkritisch aus, bisweilen umschmeichelt sie die Geladene sogar.Alles beginnt damit, dass Bas berichtet, die Anfeindungen gegen sie hätten „sehr zugenommen“. Vornehmlich in den sozialen Medien werde sie angegangen, „auch als Frau, auch persönlich“. Man behaupte ja immer, man stecke das alles weg, sagt die SPD-Vorsitzende. Ernüchtert stellt sie aber fest: „Das stimmt nicht.“„Das stimmt natürlich nicht“, stimmt ihr Miosga zu. So viel Empathie muss erlaubt sein. Doch anstatt diesen ehrlichen Moment einfach wirken zu lassen, zieht die Moderatorin sogleich eine Parallele zwischen den Anfeindungen gegen Bas und dem Gelächter, das die Arbeitsministerin beim Arbeitgebertag im vergangenen Jahr ausgelöst hatte. „Männer in Maßanzügen“ hätten dort über sie gelacht, beklagte die SPD-Chefin im Nachhinein.„Kann es etwas damit zu tun haben, dass diese Männer in Maßanzügen die Bärbel Bas, die eben nicht aus dieser Welt der Maßanzüge kommt, nicht so ernst nehmen?“, möchte Miosga nun wissen. Nicht nur schlägt sich die Moderatorin mit dieser Frage eindeutig auf die Seite ihres Gastes. Indem sie einen Gegensatz öffnet zwischen den wohlsituierten Anzugträgern und der SPD-Politikerin mit Aufsteigerbiografie, liefert sie Bas zugleich eine Steilvorlage.Denn im Gelächter auf dem Arbeitgebertag sieht Bas tatsächlich nicht bloß eine inhaltliche Ablehnung ihrer Politik, sondern „möglicherweise“ auch einen persönlichen Angriff. Sie komme nun mal „aus normalen Verhältnissen“ und setze sich für jene Menschen ein, „die keine großen Lobbygruppen haben“, sagt die SPD-Chefin. In diese Rolle der Anwältin der einfachen Leute wird sie die gesamte Sendung über immer wieder schlüpfen. Die Bärbel aus Duisburg Dabei wird sie von Miosga tatkräftig unterstützt. Ausführlich bespricht die Moderatorin den Werdegang bis zur Ministerin und SPD-Co-Chefin an der Seite von Lars Klingbeil. Es geht um Bas‘ Herkunft aus Duisburg, ihren Hauptschulabschluss, ihre Ausbildungen und ihren langen Weg nach oben. Sie sind aber die Bärbel aus Duisburg geblieben, oder?Caren Miosga, TV-Gastgeberin, zu Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD)Mit zahlreichen Wohlfühlfragen macht Miosga Bas eine Freude. Ob sie den Akademikern, mit denen sie im Koalitionsausschuss sitze, manchmal Duisburg-Walsum zeigen wolle? „Ja, manchmal will ich sagen, kommt ihr mal in meine Stadt, und dann reden wir noch mal genauer über das, was die Menschen bewegt“, antwortet Bas. Auch Altkanzler Gerhard Schröder habe sich hochgearbeitet, stellt Miosga fest. „Sie sind aber die Bärbel aus Duisburg geblieben, oder?“ Bei solchen Fragen braucht es eigentlich keine Antwort mehr.Zwischendurch hakt Miosga zwar so energisch nach wie gewohnt. Ob sich Bas als SPD-Chefin wohler fühle als als Arbeits- und Sozialministerin, möchte sie beispielsweise wissen, und warum sich die Ministerin von der Regierung distanziere, der sie selbst angehöre.Aber schon in der Schnellfragerunde ist wieder alles eitel Sonnenschein. Bas darf erzählen, welches Brettspiel sie gerne mit Gerhard Schröder spielen würde, ob sie Wolfgang Kubicki die Rettung der FDP zutraut und welche drei Dinge für sie bei der WM nicht fehlen dürfen (Deutschlandfahne, Trikot und Bier). Menschen statt Theorie Umso härter prasselt die Kritik auf die Arbeits- und Sozialministerin ein, als die beiden anderen Gäste zur Sendung hinzustoßen. Daniel Friedrich Sturm, Leiter des Tagesspiegel-Hauptstadtbüros, kritisiert Bas für ihre Äußerungen zur Flexibilisierung der Arbeitszeit scharf. Die Sozialministerin hatte kürzlich gesagt, nach ihrem Willen würde an der Arbeitszeitregelung gar nichts geändert werden. Aber das Vorhaben sei eben im Koalitionsvertrag vereinbart. „Wenn die Arbeitsministerin, die dafür zuständig ist, sich so äußert, ist das ja eine Delegitimierung der eigenen Politik“, sagt Sturm. Es zeige sich, dass die SPD „zu einer Bewahrerin des Status quo geworden“ sei. Wir, die wir hier sitzen, müssen uns um die Rente keine Sorgen machen.Bärbel Bas (SPD), Arbeits- und Sozialministerin, bei „Caren Miosga“Er und der Ökonom Moritz Schularick sind sich darin einig, dass die Lebensarbeitszeit an die Lebenserwartung geknüpft werden müsse. In den vergangenen dreißig Jahren sei die Bezugsdauer der Rente um fünf Jahre gestiegen, das Renteneintrittsalter nur um ein Jahr, sagt Schularick: „Das kann nicht funktionieren, das wissen wir.“Bas bringt sich dagegen erneut als Anwältin der einfachen Leute in Stellung. „Wir, die wir hier sitzen, müssen uns um die Rente keine Sorgen machen“, sagt sie. Ihre Aufgabe aber sei es, „nicht nur darüber zu philosophieren, was alles theoretisch schön ist“. Sie müsse alle Arbeitnehmer im Blick haben, auch diejenigen mit körperlich anstrengenden Berufen und geringer Lebenserwartung.Schon jetzt deutet Bas an, dass es in der Regierung „Diskussionsbedarf“ geben könnte, wenn die Rentenkommission im Lauf des Monats ihre Vorschläge präsentiert – und zwar, falls diese keinen einheitlichen Beschluss vorlege. Es wird also, so viel steht bereits fest, wohl nicht die letzte Reform-Talkshow gewesen sein. Motorrad-Rowdy Bas? So zaghaft die Arbeitsministerin auch an die Reformen herangeht, so draufgängerisch ist sie offenbar im Straßenverkehr unterwegs. Zumindest, wenn man sich anhört, was Bas über ihre Leidenschaft, das Motorradfahren, erzählt.„Gehören Sie eigentlich zu diesen Motorradfahrerinnen, die beim Stau sich durch die Autoschlange durchschlängeln?“, fragt Miosga. „Ja, das muss man“, behauptet Bas, ganz zum Erstaunen der Moderatorin. „Das darf man doch nicht“, widerspricht die. Bas erwidert, sie brauche Fahrtwind, damit das Motorrad nicht heißlaufe. „Deswegen: Jeder Autofahrer, bitte Platz machen, wenn Motorradfahrer kommen.“ Das Publikum im Studio lacht.„Ich dachte, das sei nicht erlaubt“, versucht es Miosga noch einmal. „Doch“, antwortet Bas, um dann zuzugeben: „Ich weiß es nicht.“ Der ADAC stellt auf seiner Webseite übrigens fest: „Durchschlängeln ist verboten.“
Arbeitsministerin Bas bei „Caren Miosga“: Wohlfühlfragen für „die Bärbel aus Duisburg“
Bei „Miosga“ präsentiert sich Bärbel Bas als Anwältin der einfachen Leute – und wird von der Moderatorin geradezu umschmeichelt. Nebenbei entpuppt sich die SPD-Chefin als Motorrad-Rowdy.










