Am Sonntagabend feuerte Iran nach eigenen Angaben mehrere Raketensalven auf Israel ab. Das israelische Militär teilte mit, die Luftabwehr sei aktiviert worden, um die Geschosse abzufangen. Damit gilt die im April vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel, den USA und Iran als endgültig gescheitert.Ende Februar hatten die USA und Israel gemeinsam Iran angegriffen. Iran reagierte mit Angriffen auf Israel sowie auf arabische Verbündete in den Golfstaaten und legte die Straße von Hormus lahm, was die Weltwirtschaft erschütterte. Anfang April vereinbarten die drei Staaten eine fragile Waffenruhe.Der Angriff vom Sonntagabend reiht sich in die Zuspitzung der vergangenen Tage ein: Zwischen Iran und den USA kam es wiederholt zu militärischen Zwischenfällen in der Golfregion. Zugleich griff die Hisbollah Israel mit Drohnen und Raketen an, Israel kündigte eine deutliche Ausweitung seiner Offensive in Libanon an und griff am Sonntagnachmittag erstmals seit Längerem wieder die südlichen Vororte Beiruts an. Das Gebiet gilt als Hochburg der von Iran unterstützten Hisbollah, ist jedoch auch dicht von Zivilisten besiedelt. Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz begründeten den Angriff mit anhaltenden Hisbollah-Angriffen auf israelisches Gebiet.Eine Ausweitung des Krieges könnte Netanjahu bei den kommenden Wahlen behilflich seinIran erklärte, die Raketensalven seien eine direkte Reaktion auf die Luftschläge gegen den Süden Beiruts gewesen. In einer Erklärung hieß es, die Waffenruhe Anfang April sei unter der Prämisse ausgehandelt worden, dass der Konflikt „an allen Fronten“ eingestellt werde. „Doch wie immer hielten sich die USA und das zionistische Regime nicht an ihre Verpflichtungen“. Die Revolutionsgarden bezeichneten die Angriffe als „Warnung“ und kündigten an, sollte der Krieg erneut in vollem Umfang ausbrechen, würden die Antworten „umfassender“ ausfallen und auch „amerikanisch-zionistische Ziele“ in der Region einschließen. Angesichts der anhaltenden israelischen Angriffe in Libanon in den vergangenen Wochen pochte Teheran immer wieder auf eine Waffenruhe an allen Fronten. Die Waffenruhe zwischen den USA und Iran schließe Libanon mit ein, bekräftigte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi erst Anfang der Woche in einem Beitrag auf X.Innenpolitisch könnte Netanjahu der Krieg nutzen: In Israel wird im Herbst gewählt, und zuletzt wuchs die Kritik, der Regierungschef lasse sich in der Iran- und Libanonpolitik zu stark von den USA beeinflussen. Zugleich dringen Teile des rechten Regierungslagers auf eine Fortsetzung des Krieges. Ein Ende der Operation, so das Argument, könne als Kapitulation ausgelegt werden.In den vergangenen Wochen versuchte US-Präsident Donald Trump, mit iranischen Unterhändlern eine Vereinbarung zu erreichen, um den Krieg zu beenden. Gleichzeitig sendete Trump widersprüchliche Signale über den Stand der Gespräche, während Israels Premierminister Benjamin Netanjahu zuletzt zunehmend entschlossen wirkte, die militärische Eskalation in der Region wieder voranzutreiben. Am Sonntagabend sagte Trump in einem Interview mit Fox News, er sei „nicht glücklich“ über Israels Angriffe auf Ziele in Beirut, die nicht mit den USA abgesprochen gewesen seien. Zugleich forderte er Iran auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Was ich Iran raten würde: Ihr habt eure Raketen abgefeuert, das reicht. Kehrt an den Verhandlungstisch zurück und schließt ein Abkommen“, sagte Trump.Er habe erwartet, dass bereits in den kommenden Tagen eine Vereinbarung mit Teheran unterzeichnet werden könne. Dem Nachrichtenportal Axios sagte Trump, es gebe nach seinen Informationen keine Verletzten, er hoffe, dass Israel nicht mit Gegenschlägen reagiere, da man kurz vor einer Einigung stehe. Israelischen Medien zufolge sagte Trump zudem Channel 12, er werde Netanjahu anrufen, um ihn von Vergeltungsschlägen gegen Iran abzuhalten. Der israelische Sender Kan berichtete ebenfalls, dass Israel nach Trumps Willen nicht auf die Angriffe reagieren solle. „Israel hat genug reagiert“, sagte Trump demnach. Doch die Nachrichtenseite Haaretz berichtet, Israel plane bereits Vergeltungsschläge gegen Iran. Der rechtsextreme israelische Sicherheitsminister erklärte derweil auf X: „Heute Nacht muss Teheran brennen.“
Iran, Israel und die USA: Die Waffenruhe ist gescheitert
Iran feuert wieder Raketen auf Israel. US-Präsident Trump ruft beide Seiten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.














