PfadnavigationHomePolitikAuslandKrieg in NahostReaktion auf Raketenangriffe – Israel greift Ziele im Iran anStand: 03:55 UhrLesedauer: 6 MinutenFragment einer abgefangenen iranischen Rakete im Norden IsraelsQuelle: Rami Shlush/AP/dpaIranische Streitkräfte haben erstmals seit April Raketen auf israelisches Staatsgebiet geschossen. Israel reagiert noch in der Nacht mit eigenen Angriffen. Donald Trump hatte zuvor zur Zurückhaltung aufgerufen.Israel Luftwaffe hat als Reaktion auf iranische Raketenangriffe militärische Ziele in der islamischen Republik angegriffen. Das teilte das israelische Militär in den frühen Morgenstunden auf der Plattform X mit. Die Ziele würden sich demnach im Westen und Zentrum des Landes befinden. Das iranische Staatsfernsehen berichtete von Explosionen in der Hauptstadt Teheran sowie in den Städten Täbris und Isfahan. US-Präsident Donald Trump hatte Israel eigentlich zur Zurückhaltung aufgerufen.Israels Armeechef Ejal Samir hatte eine harte Reaktion auf die iranischen Raketenangriffe aber angekündigt. Die israelischen Streitkräfte würden die Islamische Republik „mit aller Härte angreifen, sobald grünes Licht gegeben“ werde, erklärte Samir bei einer Lagebesprechung.Zuvor hatte der Iran Raketen auf Israel gefeuert. Am späten Sonntagabend meldeten Staatsmedien der Islamischen Republik mehrere Raketensalven. Israelischen Medienberichten zufolge feuerte der Iran rund zehn Wellen an Raketen ab. Laut dem israelischen Militär wurden alle Raketen der ersten Wellen abgefangen. Gleichzeitig habe man weitere Raketenangriffe identifiziert.Nach Angaben des israelischen TV-Senders N12 schlugen Raketentrümmer im Norden Israels ein, unter anderem nahe der Stadt Tiberias. Im Norden und im Zentrum Israels, darunter in den Städten Haifa, Caesarea und Hadera, wurde Luftalarm ausgelöst. Zunächst war von einer Verletzten in Israel die Rede. Unterricht in allen Schulen Israels wurde laut dem Zivilschutz für Montag abgesagt. Der internationale Flughafen bei Tel Aviv blieb nach Medienberichten zunächst geöffnet. Die Grenzübergänge in den Gazastreifen wurden dagegen geschlossen. Dabei handele sich um eine „Sicherheitsmaßnahme“, hieß es in einer Mitteilung der zuständigen israelischen Cogat-Behörde. Einige der Raketen sind bei den iranischen Angriffen auch in Jordaniens Luftraum eingedrungen, teilte ein Sprecher der jordanischen Regierung mit. Mehrere Raketen hätten Jordaniens Luftraum bei der „erneuten Eskalation“ verletzt, teilte der Sprecher mit. Die jordanischen Streitkräfte würden die Situation genau beobachten. „Jordanien wird nicht zulassen, dass sein Gebiet oder sein Himmel in ein Schlachtfeld für irgendwen verwandelt werden.“ Ein jordanischer Fernsehsender veröffentlichte Videos eines großen Trümmerteils von einer Rakete, die nahe der Stadt Irbid im Norden niederging.Irans zentrales Militärkommando bestätigte die Raketenangriffe. In einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung begründeten die iranischen Streitkräfte die Attacke mit „wiederholten Verstößen“ der israelischen Armee gegen die Waffenruhe im Libanon. Teheran hatte Israel bereits mit Angriffen gedroht und will damit die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon unterstützen.Das iranische Militär warf Israel vor, mit seinem jüngsten Angriff auf Beirut „alle roten Linien überschritten“ zu haben. Die israelische Armee müsse ihre Angriffe auf den Süden des Libanon und die Vororte stoppen, forderte Armeekommandeur Ali Abdollahi. „Wenn sie ihre Angriffe in dieser Region ausweitet oder auf die Aktionen des Iran antwortet, wird es noch verheerendere und bedauerlichere Rückschläge erleiden“, sagte er, ohne die Raketensalven zu erwähnen.Lesen Sie auchKonkret reagierte der Iran mit seiner Attacke auf neue Angriffe Israels in Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut am Sonntag, trotz einer von US-Präsident Donald Trump verkündeten Waffenruhe. Laut des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei einem israelischen Luftangriff zwei Menschen getötet und 20 weitere verletzt. Der Luftangriff habe dem Gebiet Mreijeh am südlichen Stadtrand von Beirut gegolten, teilte das Ministerium mit. Die Armee habe in Beirut „Terroristen-Hauptquartiere“ als Reaktion auf vorherigen Beschuss Israels durch die Hisbollah angegriffen, teilten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz mit. Die israelische Armee erklärte, sie werde die Militäreinsätze im Libanon fortführen und die Einsätze gegen die Hisbollah verstärken. „Wir haben in Beirut als Reaktion auf die unerbittlichen Angriffe der Hisbollah auf die Gemeinden im Norden Israels zugeschlagen“, sagte Militärsprecher Effie Defrin in einer TV-Ansprache.Die Hisbollah ist der wichtigste nichtstaatliche Verbündete des Irans. Teheran hatte zuvor gewarnt, dass weitere israelische Angriffe auf den Großraum Beirut als neuer Eskalationsschritt in der regionalen Konfrontation gewertet würden.Israel hält Beratungen über weiteres Vorgehen abSprecher Defrin sagte in einer Video-Ansprache, der Iran habe mit den neuen Raketenangriffen auf Israel einen „schweren Fehler begangen“, indem er erneut „den Weg des Terrors“ gewählt habe. Der israelische Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir schrieb auf X: „Heute Nacht muss Teheran brennen!“Die zivile Luftfahrtbehörde des Iran sperrte bis auf Weiteres den Luftraum im Westen des Landes, wie die iranische Nachrichtenagentur Irna meldete. Der Flugbetrieb am Flughafen in Teheran sei laut örtlichen Medienberichten teilweise eingestellt worden. Die zivile Luftfahrtbehörde habe die Aussetzung aller eintreffenden Flüge zu diesem Flughafen „bis auf Weiteres“ mitgeteilt, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Mehr. Auch der Irak und Syrien gaben die vorübergehende Sperrung ihres Luftraums bekannt. US-Präsident Donald Trump zeigte sich nicht glücklich mit den jüngsten Angriffen Israels auf Beirut. Gleichwohl forderte er den Iran auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Er sei eigentlich davon ausgegangen, dass eine Vereinbarung mit dem Iran am Montag, Dienstag oder Mittwoch unterzeichnet werden könne, sagte er Fox News. Trump hatte in der Vergangenheit schon wiederholt eine kurzfristige Einigung mit dem Iran in Aussicht gestellt, was dann aber nicht passierte. Das Portal „Axios“ berichtete, dass Trump mit Netanjahu telefoniert habe. Dabei habe er den israelischen Ministerpräsidenten aufgefordert, sich mit Gegenschlägen zurückzuhalten, da man kurz vor einer Vereinbarung mit dem Iran stehe. Das Portal beruft sich dabei auf einen hochrangigen US-Beamten sowie eine israelische Quelle. Beide werden nicht namentlich genannt. Netanjahu habe sich zwar zunächst gewährt, dann aber zugestimmt. Die israelischen Angriffe sprechen allerdings eine andere Sprache. Schon vor dem Telefonat hatte Trump gesagt: „Israel hat seinen Angriff durchgeführt, und der Iran hat seinen Angriff durchgeführt. Wir brauchen keinen weiteren Angriff.“Trump machte Netanjahu eine neue Ansage: Dieser werde ein künftiges Abkommen der USA mit dem Iran akzeptieren müssen, sagte Trump der „Financial Times“. „Er wird keine Wahl haben“, zitierte die Zeitung den US-Präsidenten aus einem Interview. Trump machte darin deutlich, wer bei den Verhandlungen die Bedingungen diktiert: „Ich habe das Sagen. Ich habe absolut das Sagen. Er hat nicht das Sagen.“ Netanjahu müsse sich jedem Deal beugen, den die USA mit der Führung in Teheran aushandeln, berichtete das Blatt weiter.Auf die Frage, was passieren würde, wenn ein Abkommen scheitern sollte, sagte Trump der Zeitung: „Erstens würde es bedeuten, dass wir möglicherweise einmarschieren und uns um den Rest des Landes kümmern, um den wir uns militärisch noch nicht gekümmert haben. Oder es würde einfach bedeuten, dass wir die Blockade gegen den Iran aufrechterhalten, da die Blockade wahrscheinlich wirkungsvoller war als jeder Angriff, der jemals auf dieses Land verübt wurde.“Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.lay/luwi mit dpa/rtr/AFP