Israel schlägt nach Irans Raketenangriff zurück: Der Krieg kehrt in den Nahen Osten zurückIsrael greift militärische Ziele und Energieinfrastruktur an, während Iran am Montagmorgen weitere Raketen auf Israel abgefeuert und die Huthi mobilisiert hat. Donald Trump hält derweil weiter an Verhandlungen mit Teheran fest – und bringt gleichzeitig den Einsatz von Bodentruppen ins Spiel.08.06.2026, 10.13 Uhr4 LeseminutenEin Israeli steht neben einem Raketenfragment, das nach Angriffen aus dem Iran aus dem Boden ragt.Ammar Awad / ReutersDie ohnehin schon brüchige Waffenruhe im Nahen Osten gilt nicht mehr: Nachdem Iran am Sonntagabend erstmals seit dem 8. April Raketen auf Israel abgefeuert hatte, schlug der jüdische Staat in der Nacht auf Montag zurück. Iranische Medien meldeten Explosionen in Teheran, Isfahan und Tabriz. Israels Armee teilte mit, militärische Ziele im Westen Irans und im Zentrum des Landes bombardiert zu haben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dem iranischen Angriff war ein israelischer Luftschlag in der libanesischen Hauptstadt Beirut vorausgegangen, bei dem der jüdische Staat laut eigenen Angaben ein Kommandozentrum der Hizbullah-Miliz ins Visier genommen hatte.Gleichzeitig zogen noch weitere Verbündete Irans an der Seite Teherans in den Krieg. Die israelische Armee meldete am frühen Montagmorgen einen Raketenabschuss aus Jemen in Richtung Israel. Die jemenitischen Huthi hatten sich zuvor während des Iran-Kriegs weitgehend aus den Kämpfen herausgehalten.Die Spirale aus Schlag und Gegenschlag dreht derweil in immer höherer Geschwindigkeit weiter. Am Montagmorgen feuerte Teheran weitere ballistische Raketen auf Israel ab. Israels Luftwaffe vergalt diese Angriffe nahezu umgehend. Gegen acht Uhr Ortszeit teilten die israelischen Streitkräfte mit, eine petrochemische Anlage im Südwesten Irans bombardiert zu haben.Ein zerstörtes Haus im Süden von Beirut: Als Reaktion auf diesen israelischen Angriff gegen ein mutmassliches Hizbullah-Hauptquartier feuerte Iran ballistische Raketen in Richtung Israel.Abbas Salman / EPADonald Trump droht mit Bodentruppen in IranDie USA versuchen derweil ihren Verbündeten zu bremsen – offenbar erfolglos. Laut Medienberichten soll Donald Trump Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu dazu gedrängt haben, auf eine militärische Antwort vorerst zu verzichten. Die beiden Regierungschefs hatten am späten Sonntagabend miteinander telefoniert.Die Ereignisse seit Sonntag zeigen: Exakt zwei Monate nachdem sich Iran und die USA am 8. April auf eine Feuerpause geeinigt hatten, versinkt der Nahe Osten wieder in einem Raketenhagel – obwohl der amerikanische Präsident nach wie vor auf eine diplomatische Einigung pocht.Trump versuchte in der Nacht auf Montag den Raketen im Nahen Osten mit einer Flut von Medieninterviews zu begegnen. In Telefongesprächen mit mehreren Journalisten wiederholte Trump seine Überzeugung, dass eine Übereinkunft mit Iran kurz bevorstehe. «Ich glaube, das Abkommen wird zustande kommen», sagte der US-Präsident etwa der «Financial Times». «Wir werden sehen, was passiert.» Er gehe jedoch davon aus, dass der iranische Angriff am Sonntag eine Einigung nicht gefährde.Sollte ein Abkommen nicht zustande kommen, zieht Trump sogar den Einsatz von Bodentruppen in Iran in Betracht. Falls die Verhandlungen scheiterten, «würde es erstens bedeuten, dass wir möglicherweise einmarschieren und uns um den Rest des Landes kümmern würden, um den wir uns militärisch noch nicht gekümmert haben», sagte Trump der britischen Zeitung. Alternativ würden die USA die Blockade iranischer Häfen aufrechterhalten.Trotz dieser Drohungen scheint Washington allerdings weiterhin nicht an einer Eskalation interessiert zu sein. Ein amerikanischer Regierungsmitarbeiter sagte dem Nachrichtenportal Axios nach Israels Vergeltung, dass die Angriffe «relativ begrenzt» gewesen seien. Donald Trump appellierte im Gespräch mit dem Fernsehsender Fox News für eine Rückkehr zu Gesprächen: «Was ich Iran raten würde: Ihr habt eure Raketen abgefeuert, das reicht. Kehrt an den Verhandlungstisch zurück und schliesst ein Abkommen ab.»Irans «neue Gleichung»Irans Führung gibt sich jedoch angriffslustig und scheint derzeit nicht daran interessiert, weiter zu verhandeln. Die iranischen Revolutionswächter erklärten, ihre Attacke sei «kein einmaliges Ereignis, sondern der Beginn einer ganzen Woche ununterbrochener Angriffe.»Irans direkter Angriff auf Israel als Reaktion auf die israelische Attacke in Dahiye, der südlichen Vorstadt von Beirut, zeugt von einem neuen Selbstverständnis der Islamischen Republik. Bisher hatte Teheran auf israelische Angriffe gegen einen iranischen Verbündeten in einem anderen Land nicht mit direkten Raketenangriffen auf Israel reagiert. Israels Militärsprecher Effie Defrin warnte in einer Fernsehansprache bereits vor diesem Vorgehen. Der jüdische Staat werde es nicht zulassen, dass Iran eine «neue Gleichung» in Libanon etabliere.Laut dem iranischen Geschichtswissenschafter Rouzbeh Parsi ist die Eskalation um Libanon ein Instrument für Irans Führung, um Donald Trump zu testen. «Für die iranische Führung ist es momentan das Wichtigste, herauszufinden, wie sehr Trump Israel kontrollieren kann», sagt der Historiker von der Universität Lund im Gespräch. «Denn falls Trump die Israeli nicht kontrollieren kann und Israel nach einem Abkommen mit den USA Iran wieder angreift, ist diese Übereinkunft mit den Amerikanern wertlos.» Teheran hat seit Beginn der Verhandlungen darauf bestanden, dass ein Waffenstillstand auch Libanon einschliessen müsse und Israel seine Angriffe gegen den Hizbullah einstelle.Werden die Huthi Schiffe im Roten Meer angreifen?Irans Vorgehen sowie der Raketenabschuss der Huthi zeigt zudem, dass Teheran auch weiterhin eisern an seinem Netzwerk aus islamistischen Milizen festhält. Das Regime versucht, eine «Einheit der Fronten» zu demonstrieren: Wird ein Akteur angegriffen, gilt der Angriff der gesamten «Achse des Widerstands».Die Huthi kündigten bereits ein «vollständiges Verbot der israelischen Schifffahrt» im Roten Meer an. Alle «feindlichen Bewegungen» würden als legitime militärische Ziele angesehen werden. Sollten die jemenitischen Gotteskrieger ihre Angriffe auf Schiffe an der Meerenge von Bab al-Mandab im Roten Meer wieder aufnehmen, träfe dies die ohnehin schon angeschlagene Weltwirtschaft noch härter: das Rote Meer ist die wichtigste Alternativroute für Erdöl aus den Golfländern, die zuvor die Strasse von Hormuz genutzt hatten.Noch ist dieser Ernstfall nicht eingetreten. Doch es ist möglich, dass die globalen Energiemärkte bald noch weiter durcheinandergewirbelt werden. Denn seit Sonntagabend stehen die Zeichen im gesamten Nahen Osten auf Eskalation.Passend zum Artikel