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Altersvorsorge: DGB-Vorstoß entfacht Streit über Betriebsrente Der DGB fordert eine verpflichtende Betriebsrente für alle Beschäftigten. Unterstützung kommt aus der SPD. Doch der Unions-Wirtschaftsflügel warnt vor neuen Lasten zur Unzeit.
Dietmar Neuerer 07.06.2026 - 15:45 Uhr Artikel anhörenDie Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Yasmin Fahimi, fordert den Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge. Foto: dpaBerlin. Wenige Tage vor einem Spitzentreffen im Kanzleramt mit Sozialpartnern ist ein Streit über die Zukunft der Betriebsrente entbrannt. Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Yasmin Fahimi, fordert eine verpflichtende Betriebsrente für alle - als zusätzliche Alterssicherung neben der gesetzlichen Rente, die von Arbeitgebern mindestens mitfinanziert werden soll. Die Bundesvorsitzende der Mittelstandsunion, Gitta Connemann (CDU), weist den Vorschlag zurück.Die betriebliche Altersvorsorge sei eine Erfolgsgeschichte und stärke die Altersabsicherung von Millionen Beschäftigten. „Aber sie lebt von Akzeptanz, nicht von Zwang“, sagte Connemann dem Handelsblatt. Der Vorstoß des DGB gehe deshalb „in die falsche Richtung“. „Eine verpflichtende Betriebsrente für alle und zusätzliche Finanzierungspflichten für Arbeitgeber bedeuten vor allem eines: neue Belastungen für unsere Betriebe, und das zur Unzeit.“Fahimi begründete ihren Vorstoß damit, dass rund 20 Millionen Beschäftigte in Deutschland keine betriebliche Altersvorsorge hätten, häufig, weil sie in Betrieben ohne Tarifbindung arbeiten. Die Gewerkschaften seien bereit, dies kollektiv für alle Beschäftigten zu regeln, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Grundlage sollten Tarifverträge sein. Bei Unternehmen ohne Tarifbindung sei denkbar, Beschäftigte in bestehende Modelle aufzunehmen.Am Mittwoch will die Regierung im Kanzleramt mit Spitzenvertretern von Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden über die anstehenden Sozialreformen beraten, die bis Anfang Juli beschlossen werden sollen.Fahimi will Details ihres Vorstoßes Ende des Monats präsentieren. Offen ist demnach auch noch, wer genau für die Altersvorsorge bezahlen soll. Fahimi machte indes klar, dass die Betriebsrentenpflicht „nicht einseitig zulasten der Arbeitnehmer“ gehen dürfe. Sie lehne es ab, die Beschäftigten „in die Arme der Versicherungswirtschaft zu treiben“.Connemann wies indes darauf hin, dass die Unternehmen schon heute einen „erheblichen Teil der Kosten“ der betrieblichen Altersvorsorge trügen. Sie kämpften zugleich mit steigenden Lohnnebenkosten, Überregulierung und einem harten internationalen Wettbewerb. „Wer jetzt weitere Pflichten schafft, gefährdet Investitionen, Arbeitsplätze und Wachstum“, sagte die CDU-Politikerin. „Gerade der Mittelstand braucht Luft zum Atmen und keine neuen Lasten aus Berlin oder den Tarifzentralen.“Klingbeil-Berater unterstützt DGB-VorstoßUnterstützung für den DGB-Vorstoß kommt dagegen vom Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke. Es gebe bereits funktionierende Modelle in der Chemieindustrie und anderen Tarifbereichen, „die sicher für andere geöffnet werden könnten“, sagte er den Funke-Medien. „Die betriebliche Altersversorgung verpflichtend für alle zu machen, ist daher ein richtiger Schritt.“Auch in der SPD stößt der Vorschlag auf Zuspruch. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Sebastian Roloff, sagte dem Handelsblatt: „Betriebsrenten sollten in Zukunft eine noch stärkere Rolle bei der Altersvorsorge spielen, allerdings nicht zulasten des Sicherungsniveaus der gesetzlichen Rentenversicherung.“ Jede Maßnahme, „die für Betriebe zu stemmen sei“, sei grundsätzlich interessant.Betriebliche Altersvorsorge Diese Zusatzrenten bieten Deutschlands wertvollste Unternehmen Auch Jens Südekum, Berater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, zeigte sich offen für den DGB-Vorstoß. „Im Zuge der anstehenden Rentenreform geht es um den Aufbau einer verpflichtenden, kapitalgedeckten Betriebsrente, für die sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber ihren Beitrag leisten“, sagte der Wirtschaftsprofessor dem Handelsblatt. Die Forderung Fahimis gehe „in die richtige Richtung“.Scharfe Kritik kommt von der FDP. Parteichef Wolfgang Kubicki sprach von einer „Schnapsidee“. „Wer die Wirtschaft jetzt mit zusätzlichen Belastungen bedroht, weiß nicht, was die Stunde geschlagen hat“, sagte Kubicki.Connemann schlug vor, mehr betriebliche Altersvorsorge über Anreize statt durch Zwang zu ermöglichen, etwa durch weniger Bürokratie. „Wer die betriebliche Altersvorsorge stärken will, muss Hürden abbauen und nicht neue errichten“, sagte sie. Dafür biete das Sozialpartnermodell Chancen. „Es ermöglicht attraktive und renditestarke Vorsorge für Beschäftigte und Arbeitgeber“, sagte sie. Jetzt komme es darauf an, den Zugang insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen „deutlich“ zu erleichtern. Verwandte Themen Yasmin FahimiCDUBerlinSPDDeutschlandWolfgang KubickiYasmin Fahimi „Massive Angriffe auf den Sozialstaat“: Gewerkschaften formieren sich gegen Sozialabbau Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich unterdessen zuversichtlich, dass seiner Regierung Sozialreformen gelingen. Beim CDU-Landesparteitag am Samstag in Mecklenburg-Vorpommern bekannte er sich zu einem verlässlichen Sozialstaat, sagte er, die Koalition in Berlin habe die Kraft und die notwendige Geschlossenheit. „Wir schaffen das, wir können das schaffen.“Beim geplanten Spitzengespräch am Mittwoch sollen gemeinsame Vorstellungen ausgelotet werden. Eine neue „konzertierte Aktion“ nach dem Vorbild des früheren Kanzlers Olaf Scholz (SPD), der 2022 Regierung, Arbeitgeber, Gewerkschaften und Bundesbank zur Abstimmung über die Folgen der hohen Inflation zusammenbrachte, werde es nicht geben. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! 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