Wann durfte erstmals eine Frau ein Spiel einer Fußballweltmeisterschaft der Männer pfeifen, und wie heißt sie? Wer gilt als der erste Popstar unter den Profifußballern, ohne jemals für sein Land an einer WM teilgenommen zu haben? Wieso konnte ein in Afrika geborener Mann das Turnier in England 1966 als Torschützenkönig beenden, obwohl es alle afrikanischen Teams boykottierten? Welche Rolle spielte seinerzeit ein Hund für die Übergabe des Pokals an den neuen Weltmeister? Und welche Spieler bekamen Feinrippunterwäsche als Anerkennung für ihren WM-Sieg?Diese fünf Fragen finden sich nicht in einem Ratespiel zur Weltmeisterschaft in Nordamerika, sie ergeben sich vielmehr aus dem neuen Buch von Andreas Matlé. Der Autor aus der Wetterau bereichert mit „Tore, Träume und Triumphe“ die Fülle an Schriften rund um das am 11. Juni beginnende Großereignis.Matlé verdient sein Geld als Pressesprecher des Regionalversorgers Oberhessische Versorgungsbetriebe AG (OVAG) mit Sitz in Friedberg. Für seinen Arbeitgeber hat er die so international wie hochkarätig besetzte jährliche Varieté-Reihe aufgebaut und zudem die Serie Leseland Oberhessen. Der Versorger gilt als größter Kulturförderer zwischen Frankfurt, Gießen und dem Vogelsberg.Auf Geschehnisse neben dem Platz geschautMatlé beschäftigt sich darüber hinaus journalistisch mit Themen abseits seines Berufs. So hat er etwa die deutsch-vietnamesische Schauspielerin Mai Duong Kieu in einem Buch porträtiert und mit „Deutsche Dinge“ eine etwas andere Geschichte der Bundesrepublik Deutschland vorgelegt. Der Autor blickt darin anhand von 75 Alltagsgegenständen auf die Zeit seit 1949 zurück. Dabei verwebt er deren Rolle und historische Ereignisse überraschend, erhellend und vergnüglich. Dieser Dreiklang gelingt ihm auch in seinem neuen Buch.Der Verlag kündigt einen Streifzug durch die Geschichte der Fußballweltmeisterschaft an – allerdings nur der Männer, die Frauen spielen ihre Weltmeister erst seit 1991 aus. „Die Chronik lässt die ikonischen Momente lebendig werden, die zu nationalen Mythen wurden“, heißt es vollmundig. Und das zu Recht. Matlé hat sich nicht nur in die Archivarbeit begeben, er hat zudem auf Geschehnisse neben dem Platz geschaut und würdigt den Werdegang einzelner Fußballer, einschließlich der schicksalhaften Momente.Jedes Kapital eine „Spielminute“: Andreas Matlés neues Buch zum Schmökernthwi.Diesen Ansatz hat er zwar nicht exklusiv, allerdings besticht seine Systematik zusammen mit seiner Art des Erzählens. Der Direktor des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund bescheinigt Matlé wunderbar recherchierte Geschichten und ein sicheres Gespür für den Informationsgehalt auch von kleinen Nachrichten.Getreu dem Motto „Ein Spiel dauert 90 Minuten“ teilt der Autor die bisher 22 Weltmeisterschaften seit 1930 in 90 Kapitel auf. Jeder Abschnitt ist mit „Spielminute“ überschrieben. In der Regel umfasst jede Spielminute drei Seiten. Sie zu lesen, dauert zwar länger als 60 Sekunden, dennoch liegt die Würze in der Kürze.Zu Beginn schildert er die für die Anreise zur ersten WM in Uruguay fällige Überseefahrt auf wenigen Zeilen. Er lässt dabei aber das Geschehen an Bord vor dem geistigen Auge des Lesers ebenso lebendig werden wie das Erscheinungsbild des damaligen „Kicker“-Reporters in Samtweste, Jackett und Knickerbockerhosen nebst Schirmmütze. Matlé packt den Leser durch bildhaftes Erzählen und mit Details wie etwa dem späteren Schicksal des Schiffs, das die jugoslawische Mannschaft nach Uruguay brachte.Dieses Strickmuster zieht sich durch das gesamte Buch mit seinen 350 Seiten. Illustriert ist es mit den WM-Plakaten von 1930 bis 2022 und Fotos, die selbst Fußballgeschichte geworden sind. „Tore, Träume und Triumphe“ ist im Verlag Droemer-Knaur erschienen und für 26 Euro erhältlich und richtet sich nicht nur an Fußballfans. Es eignet sich gut zum Einstimmen auf die WM, liegt aber auch danach auf dem heimischen Büchertisch oder dem Nachtschränkchen zum Schmökern richtig. Während des Turniers kann es langatmige Phasen von Spielen versüßen, wie es sie immer gibt.