Sind Sie schon in Vorfreude auf die Fußball-Weltmeisterschaft? Wir sind sicher: Selbst wenn das der Fall sein sollte, ist Ihre Vorfreude nicht so groß wie diejenige der Schwester von Christina Hecke. „Sind Sie schon in Vorfreude auf die Fußball-Weltmeisterschaft?“, will „Bunte“ von der Schauspielerin wissen, und diese antwortet: „Ich habe eine Schwester, die im Trikot vor dem Fernseher sitzt. Das deckt sozusagen die Fußballfanschaft in der Familie ab.“ Dass ihre Schwester bereits im Trikot vorm Fernseher sitzt, als „Bunte“ Hecke diese Frage stellt, also mehr als eine Woche vor Beginn des Turnieres, das ist ohne Frage wahre Leidenschaft. Hoffentlich bringt ab und an jemand aus der Familie der armen Schwester Getränke und was zum Knabbern vorbei.Unsere eigene Vorfreude ist nicht ganz so groß, wie kennen nicht mal die Namen aller deutschen Spieler. Das haben wir bemerkt, als wir die Statistik studierten, die „Bild“ zum Testspiel gegen Finnland veröffentlicht hat: „Wechsel Deutschland: 61. Beier (3) für Undav, 73. Woltemade (3) für Wirtz, 73. Sané (3) für Karl, 83. Amiri (-) für Nmecha, xx. Name (x) für Name.“ Von einem Spieler namens Name hatten wir noch nie gehört, von zweien schon mal gar nicht: Brüder wahrscheinlich. Eine Kollegin, die sich besser auskennt, sagt allerdings, es habe sich um einen Fehler der „Bild“-Zeitung gehandelt, das sei ein Platzhalter gewesen. Von diesem Spieler hatten wir auch noch nichts gehört.Wird jetzt nach jedem Treffer gebusselt?Ein Spieler, den wir kennen, hat seine Videokolumne bei „Bild“ gestartet: „Lothar legt los“. Erstes großes Thema: die „zärtlichen Küsse“, die laut „Bild“ Julian Namensmann, äh, Nagelsmann nach dem Spiel mit Gattin Lena austauschte. „Konntest du das selbst auch noch sehen im Stadion?“, will der Moderator von Lothar Matthäus wissen, was dieser verneinen muss – bevor er die Situation dann fachmännisch einordnet: „Das sollte genau der Zusammenhalt sein, den sie jetzt hier dem breiten Publikum gezeigt haben, was die Mannschaft braucht während der Weltmeisterschaft. Zusammenhalt ist jetzt wichtig.“ – „Zusammenhalt und Zärtlichkeit, kann man sagen“, flankiert der „Bild“-Mann, und Matthäus lobt: „Sie gehen vorbildlich voran.“Wenn jetzt aber die Mannschaft vorbildlich hinterhergeht und sich nach jedem Treffer zärtlich busselt und streichelt, ist sicher wieder die Hölle los: alle viel zu woke und weichlich. Wenigstens für den Bundestrainer und seine Frau aber dürfte „Bild“ rasch einen Knutsch-Ticker einrichten, der uns über ihren zärtlichen Zusammenhalt auf dem Laufenden hält: „Links angetäuscht, doch jetzt wählt er die andere Seite, ein faires Tackling – und dann ist er drin! Eiskalt eingenetzt, mit ganz viel Gefühl.“Wer ist der starke Mann an Kubickis Seite?Genug jetzt vom Fußball, wechseln wir zur Politik. Robert Habeck, berichtet „Bunte“, habe an sich selbst die „Deformation von Politikern“ beobachtet: „‚Es habe Momente am heimischen Esstisch gegeben, in denen er ein Gespräch unterbrochen und Kompromisse vorgeschlagen habe. ,Was laberst du denn hier?‘, habe seine Familie getadelt.“ Vermutlich hat Habeck mit einem Ordnungsruf reagiert und mit Saalverweis gedroht.Bei einer Überschrift ein paar Seiten weiter – „So tickt der starke Mann an Kubickis Seite privat“ – haben wir zuerst an ein spätes Coming-out gedacht. Gemeint ist aber Kubickis politischer Partner, sein Parteivize Henning Höne. Wenn der nun als „starker Mann“ neben ihm vorgestellt wird, soll das heißen, Kubicki selbst ist weniger stark? Gut, als Mann von Mitte siebzig darf man das ja auch sein.Stark und weniger weniger stark: Henning Höne und Wolfgang KubickidpaWie unverändert groß die Nachwirkung Angela Merkels ist, zeigt die Selbstverständlichkeit, mit der es die Abwandlung ihres bekanntesten Ausspruchs als Überschrift auf die Kosmetikseiten des „Goldenen Blatts“ geschafft hat: „Wir straffen das“, steht über einem Text zum Thema Hautglätte. Das soll ihr Merz erst mal nachmachen. „Wir verschönern das Stadtbild“ als Titel einer „Das goldene Blatt“-Modestrecke? Schwerlich vorstellbar.Mitrechnen an der SupermarktkasseMit 83 Jahren noch voll im Saft präsentiert sich Schlagersänger Frank Schöbel, welcher der „Aktuellen“ erzählt: „Ich bin immer noch interessiert, wach, führe viele Gespräche und nehme alles gerne auf!“ Ob die Vorliebe, alles aufzunehmen, ein Überbleibsel seiner DDR-Vergangenheit ist? Dabei ist Schöbel gar nicht bei der Stasi gewesen.Eine andere Marotte pflegt der Schauspieler Hendrik Duryn, der „Gala“ offenbart, dass er an der Supermarktkasse „im Kopf als Gedächtnistraining mitrechne“. Verblüffend – hat er dann vorher die Preise aller angebotenen Produkte auswendig gelernt? Weil auch unser eigenes Erinnerungsvermögen bedenklich schwächelt, haben wir Hendrik Duryns Idee jedenfalls übernommen. Noch sind wir längst nicht so versiert wie er, doch das Mitrechnen im Kopf trainiert nicht nur das Gedächtnis, es entschleunigt auch unseren Alltag. Und den der Leute hinter uns in der Schlange. Mist, jetzt müssen wir noch mal von vorn beginnen, tut uns leid. Was kosteten gleich die Litschis?