PfadnavigationHomeSportTennisFrench OpenFrench OpenAlexander Zverev, der Krönung so nahVon Sebastian KayserStand: 07:14 UhrLesedauer: 5 MinutenAlles ist angerichtet für Alexander ZverevQuelle: AFP/JULIEN DE ROSAAlexander Zverev kann als erster Deutscher nach 89 Jahren die French Open gewinnen. Er selbst würde sich damit den ersehnten Traum vom Grand-Slam-Titel erfüllen. Dafür muss er einen Freund besiegen.Alexander Zverev kann sich nicht daran erinnern, er war 1996 noch nicht einmal geboren. Es war das Jahr, als Boris Becker seinen sechsten und letzten Grand-Slam-Sieg feierte, im Januar bei den Australian Open in Melbourne. Dass dies bis heute der letzte Triumph eines Deutschen bei einem Major-Turnier bleiben sollte, war nicht abzusehen. Einerseits, weil Becker noch ein paar Jahre aktiv war, andererseits, weil schon fünf Monate später Michael Stich, der 1991 Wimbledon gewonnen hatte, im Finale der French Open stand, wo er dem Russen Jewgeni Kafelnikow aber in drei Sätzen unterlag.Am 20. April 1997, elf Monate später, erblickte dann Zverev in Hamburg das Licht der Welt. „Du wirst der nächste männliche deutsche Grand-Slam-Sieger“, wird damals keiner zu dem Baby gesagt haben, auch wenn Papa Alexander senior und Mutter Irina beide Tennisprofis waren. An diesem Sonntagnachmittag aber kann genau das passieren – und laut Experten sowie Statistiken wird es auch so kommen. Gegen den Italiener Flavio Cobolli ist Zverev in seinem vierten Grand-Slam-Finale der klare Favorit.Lesen Sie auchDie ersten drei hat er verloren: 2020 in New York gegen den Österreicher Dominic Thiem, 2024 in Paris gegen Carlos Alcaraz aus Spanien und 2025 in Melbourne gegen den Italiener Jannik Sinner. Diesmal aber scheint alles angerichtet wie noch nie, das Silbertablett mit dem Coupe des Mousquetaires steht imaginär bereit.Zverev: Paris liegt ihm, besonders der Court Philippe ChatrierGegen Thiem war Zverev gerade mal zwei mickrige Punkte vom Sieg entfernt, ehe er doch noch verlor. Gegen Alcaraz führte er nach Sätzen 2:1, ehe er einbrach. Von Sinner wurde er vorgeführt. Nun aber heißt der Gegner Cobolli, die Nummer 14 der Welt. Einer, der ihm keine Angst machen muss und wird. Zweimal standen sich beide dieses Jahr schon auf Sand gegenüber. Der Italiener siegte im Halbfinale von München locker, die Nummer drei der Welt revanchierte sich nur Tage später im Viertelfinale von Madrid ebenso klar. In der Gesamtbilanz führt der Deutsche 3:1.Dass es ein Duell zweier Freunde ist, ficht Zverev nicht an. „Er ist ein großartiger Spieler und ein toller Mensch. Ich mag ihn. Auch seinen Vater mag ich sehr. Für mich sind das zwei wirklich großartige Menschen“, beschreibt er das Verhältnis zu den Cobollis. „Wir sind uns beim Laver Cup 2024 in Berlin nähergekommen. Damals hat sich unsere Beziehung vertieft. Ich freue mich darauf, im Finale gegen ihn zu spielen. Es ist sein erstes, daher freue ich mich für ihn, dass er es erreicht hat. Er ist einfach ein netter Mensch. Er hat ein gutes Herz. Ich kann nur beeinflussen, dass ich selbst gutes Tennis spiele. Ich werde versuchen, mein Leistungsniveau abzurufen und die richtigen Dinge zu tun. Das ist das Einzige, was für mich zählt.“Sechsmal hat das bei diesem Turnier schon geklappt, Zverev gab dabei nur zwei Sätze ab. Paris liegt ihm, besonders der Court Philippe Chatrier, auf dem er all seine Matches bestreiten durfte. Fünf Halbfinals spielte er hier in den vergangenen sechs Jahren, 2024 und diesmal ging es sogar einen Schritt weiter ins Endspiel. Es wird Zeit für die Krönung. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, lautet die allgemeine Stimmungslage unter Freunden und Gegnern, unter Laien und Experten. Für den langersehnten Grand-Slam-Titel, der nach dem Olympiasieg 2021 und den WM-Titeln 2018 und 2021 noch zur Vollendung der Karriere fehlt.Letzter Paris-Sieg eines Deutschen? 1937Als zum letzten Mal ein Deutscher die French Open gewann, war noch nicht mal Zverevs Oma Natalia Fateeva geboren, die in seiner Box sitzt und ausgelassen jeden Punkt feiert. 1937 war es Henner Henkel, der sechs Jahre später im Russland-Feldzug starb, als er in einem Lazarett bei Woronesch den Folgen eines Oberschenkeldurchschusses in der Schlacht um Stalingrad erlag. Mit 27 Jahren. Nach Henkel und Gottfried von Cramm, der 1934 und 1936 die French Open gewann, wäre Zverev erst der dritte deutsche Paris-Sieger.Lesen Sie auchNatalia Fateeva ist 78 Jahre alt. Die Mutter von Zverevs Mama Irina ist sowas wie sein Glücksbringer hier. Das betrifft nicht nur die eigenen Spiele, sondern auch den Verlauf des Turniers insgesamt. Alcaraz verletzt gar nicht erst dabei, Sinner und Novak Djokovic früh raus, das Tor zum Grand-Slam-Traum plötzlich weit offen. Da stört es auch nicht, dass Cobolli vier Tage frei hatte, weil er kampflos das Finale erreichte – seinen Landsmann Matteo Arnaldi ereilte ein Virus, er konnte nicht zum Halbfinale antreten. Aber das stört Zverev nicht weiter. „Ich fühle mich gut. Ich hatte keine extrem langen Matches. Ich habe das Gefühl, ich könnte jetzt schon wieder spielen“, sagte er nach dem Sieg über den Tschechen Jakub Mensik im Halbfinale am Freitag, bei dem Stich übrigens auf der Tribüne saß.Zverev: „Mein Handy ist aus. Ich lese nichts“Dass er plötzlich Grand-Slam-Sieger sein könnte, weiß Zverev, aber er schert sich nicht weiter darum. Die Abläufe sind die gleichen wie immer: lange schlafen, Mario Kart spielen mit Kumpel Marcelo Melo, das tägliche Training und essen, weil es sein muss, nicht weil er gern isst. Was in Deutschland passiert, was Experten sagen, welchem Druck er ausgesetzt ist, all das will er nicht mitbekommen. „Mein Handy ist aus. Ich lese nichts. Ich konzentriere mich nur auf das nächste Match“, wiederholt er seit fast zwei Wochen gebetsmühlenartig.Lesen Sie auchTatsächlich begann vor 14 Tagen die sportliche Reise seines Lebens mit dem Sieg über den Franzosen Benjamin Bonzi. Heute soll sie mit unbändigem Jubel enden. Den zeigte Zverev bislang nicht, weder beim Einzug ins Halbfinale, noch bei dem ins Endspiel. Vielleicht hat er sich ihn ja für den möglicherweise größten Moment seiner sportlichen Karriere aufgehoben.
French Open: Alexander Zverev, der Krönung so nah - WELT
Alexander Zverev kann als erster Deutscher nach 89 Jahren die French Open gewinnen. Er selbst würde sich damit den ersehnten Traum vom Grand-Slam-Titel erfüllen. Dafür muss er einen Freund besiegen.
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