«Alle hassen Israel.» – Donald Trump spricht aus, was viele in Amerika denken. Verliert Israel nun auch noch die Unterstützung des engsten Verbündeten?In den USA wird Israel selbst bei Republikanern immer unbeliebter, wie Umfragen zeigen. Dabei geht es um viel mehr als die stockenden Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Libanon.Andreas Mink07.06.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenEine israelische Flagge steckt in einem komplett zerstörten Haus in Libanon.Ariel Schalit / APEs war ein bemerkenswertes Telefonat, das diese Woche weltweit Schlagzeilen machte. Donald Trump stauchte den israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu zusammen: «You're fucking crazy! Du wärst im Gefängnis ohne mich. Ich rette deinen Arsch. Jeder hasst dich. Jeder hasst Israel.» Netanyahu wollte den Krieg in Libanon mit einem grösseren Bombenangriff eskalieren lassen, der amerikanische Präsident hielt ihn davon zurück. Es war aber nicht einfach einer von Trumps Wutanfällen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Hass mag ein starker Ausdruck sein. Aber der amerikanische Präsident kennt die Stimmung in seinem Land: Laut einer Umfrage des renommierten Pew Institute vom April sehen 60 Prozent der Amerikaner Israel inzwischen negativ. In beiden Parteien, also auch bei den Republikanern, hat mehr als die Hälfte der unter 50-Jährigen eine schlechte Meinung über Israel. Bei demokratischen und unabhängigen Wählern liegt der Anteil sogar bei 80 Prozent.Lange Zeit war die Unterstützung Israels durch die USA fast schon ein ungeschriebenes Gesetz. Die Wende kam mit der brutalen Attacke der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und vor allem mit der verheerenden Reaktion Israels. Viele haben sich durch den langwierigen Krieg in Gaza und wegen der rechtsextremen Kräfte in der Regierung von Israel entfremdet.Für viele Amerikaner ist aus dem einstigen, von feindlichen Arabern belagerten tapferen David ein entfesselter Goliath geworden: ein Land, das «ohne Gnade Städte und Häuser in Schutt bombt, Unschuldige und Kinder tötet oder schwer verletzt und die Infrastruktur vollkommen zerstört – keine Bauernhöfe, keine Lebensmittelgeschäfte, keine organisierte Gesellschaft mehr.» So hat die Republikanerin Marjorie Taylor Greene im vergangenen Jahr die Kriegsführung Israels in Gaza beschrieben.Schon damals ging ein Beben durch die Maga-Bewegung, vor allem als die USA dann gemeinsam mit Israel zwölf Tage lang Iran bombardierten. Wichtige rechte Stimmen der «Make America great again»-Szene wie der frühere Chefberater von Trump, Steve Bannon, oder der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson kritisierten, dass Israel Amerika in endlose Kriege hineinzöge.Mit dem neuerlichen Krieg in Iran, der seit Monaten läuft und bei dem kein einfacher Ausweg in Sicht ist, erheben in den USA noch mehr Vertreter von rechts ihre Stimme gegen Israel. «Niemand weiss, was wir in Iran überhaupt machen», sagt die Podcasterin Megyn Kelly. Entschieden worden sei der Angriff sowieso «von unserem geheimen Präsidenten Benjamin Netanyahu». Auch Carlson sagt: «Das ist Israels Krieg, das ist nicht der Krieg der USA.» Die rechte Medien-Ikone hatte Anfang Jahr noch versucht, Trump von einem Angriff auf Teheran abzuhalten, wie er erzählt. Doch Trump hörte auf Netanyahu, er glaubte an einen raschen Sieg und einen Eintrag in die Geschichtsbücher.Seither hat Carlson öffentlich mit Trump gebrochen. Trump habe sein Versprechen von «America first» verraten und schicke «junge Amerikaner für die Interessen eines fremden Landes in den Tod», sagt er. Inzwischen schlägt auch Amerikas populärster Podcaster in die gleiche Kerbe: Joe Rogan ist von Trump enttäuscht, nennt den Krieg «total verrückt» und gibt sich überzeugt: «Dieser Konflikt wird für Israel geführt.»Ben Shapiro, ein Vertreter der Maga-Bewegung, der hinter Israel steht, hat derweil rasant an Publikum verloren. Shapiros Plattform «The Daily Wire» hat mehrfach Angestellte entlassen und steht womöglich vor dem Aus.Etwas Fundamentales scheint zu bröckeln in der «special relationship», der «in Eisen geschmiedeten Freundschaft» Amerikas mit dem jüdischen Staat, wie dies noch der frühere Präsident Joe Biden nach dem 7. Oktober beschworen hatte.Eine Abkehr Amerikas von Israel wäre für das Land gefährlich. Israel ist nicht erst seit dem Angriff auf Iran oder dem Gaza-Krieg existenziell auf Amerika angewiesen. Insgesamt hat Washington den jüdischen Staat von der Gründung an direkt mit Waffen und Finanzhilfen im Wert von 300 Milliarden Dollar unterstützt. Seit 1999 laufen auf zehn Jahre angelegte Abkommen über inzwischen 3,8 Milliarden Dollar pro Jahr.Allein zwischen Oktober 2023 und Oktober 2025 kamen 22 Milliarden Dollar in Form von Waffen und Munition dazu. Truppen und Flugzeugträger wurden in die Region verlegt und fangen für Israel Drohnen und Raketen der Iraner und der Huthi-Rebellen in Jemen ab. Amerika hat sich gesetzlich verpflichtet, die militärische Überlegenheit Israels in Nahost zu garantieren. Dazu kommen zivile Aspekte, angefangen bei Investitionen in Staatsanleihen (Israel Bonds) oder die Steuerbegünstigungen für amerikanische Stiftungen, die Siedlungen im Westjordanland unterstützen.Donald Trump behauptet von sich, am meisten für Israel getan zu haben. Und das mag wohl auch stimmen. Nicht bloss, weil er Iran angegriffen hat. Trump verlegte in der ersten Amtszeit die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Er trat aus dem Atomabkommen mit Iran aus und anerkannte die syrischen Golanhöhen als «Teil des Staates Israel». Unter Trump wurde die Hilfe für das Uno-Hilfswerk für Palästinenser UNRWA reduziert, und die USA dulden die Siedlergewalt im Westjordanland.Die Partnerschaft mit Israel geht weit zurück und war im Interesse der amerikanischen Aussenpolitik: Israel wurde strategischer Partner im Kalten Krieg, dann Verbündeter gegen feindselige Regionalmächte wie die Islamische Republik Iran oder den Irak unter dem Diktator Saddam Hussein. Dazu kommen die Sympathien fundamentalistischer Christen in den USA für Israel. Und Israel hat einflussreiche Freunde in den USA.Unter ihnen sind wichtige Wahlkampfspender wie die aus Israel stammende Kasino-Unternehmerin Miriam Adelson, die Trump nach eigenen Angaben allein im Wahlkampf 2024 mit insgesamt 250 Millionen Dollar unterstützt hat.Das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC), das sich für eine starke Partnerschaft zwischen Israel und den USA einsetzt, ist eine der mächtigsten parteiübergreifenden Lobbyorganisationen in den Vereinigten Staaten. Es fällt auf, dass AIPAC seit 2020 immer offener und kräftiger mit der Unterorganisation United Democracy Project direkt in Vorwahlkämpfe eingreift, um die amerikanische Politik zu beeinflussen. Für die laufenden Zwischenwahlen hat das UDP bereits 100 Millionen Dollar gesammelt und etwa in Illinois den Demokraten Daniel Biss angegriffen, weil sich der Nachkomme von Holocaust-Überlebenden für eine Zweistaatenlösung im Palästina-Konflikt ausgesprochen hatte.Häufig erwähnen Wahl-Clips des UDP und Verbündete wie die von Adelson mitfinanzierte Republican Jewish Coalition (RJC) das Thema Israel aber nicht, sondern greifen Kandidaten aus anderen Gründen an. So bezeichnete die Gruppe Biss als «Lügner» oder den demokratischen Kongressabgeordneten Tom Malinowski in New Jersey als grossen Befürworter der in Verruf geratenen Migrationspolizei ICE.Dieses Spiel mit verdeckten Karten zeigt, dass Sympathien für Israel bei den Demokraten inzwischen politisch tabu sind. Die meisten demokratischen Politiker meiden heute die «offizielle Pro-Israel-Lobby».Anders war es allerdings im Wahlkampf von Tom Massie bei republikanischen Vorwahlen in Kentucky. Hier brachten jüdische Organisationen rund 10 Millionen Dollar auf und spannten mit Trump zusammen, der den America-First-Politiker loswerden wollte. Als es gelang, ihn abzuwählen, verkündete AIPAC umgehend auf X: «Pro Israel zu sein, ist politisch richtig – und politisch klug!» Der RJC-Vorsitzende Matt Brooks legte nach: «Wenn jemand ständig die Unterstützung für Israel untergräbt, . . . dann muss es dafür Konsequenzen geben.»Congratulations to US Navy SEAL Ed Gallrein for defeating anti-Israel incumbent Thomas Massie!Pro-Israel Americans are proud to back candidates who support a strong 🇺🇸🇮🇱 alliance and help defeat those who work to undermine it.Being pro-Israel is good policy and good politics! https://t.co/uAQurHtvOH— AIPAC 🇺🇸🇮🇱 (@AIPAC) May 19, 2026
Das Ende der «special relationship»? Eine Mehrheit der Amerikaner sieht Israel negativ
In den USA wird Israel selbst bei Republikanern immer unbeliebter, wie Umfragen zeigen. Dabei geht es um viel mehr als die stockenden Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Libanon.















