Ich sehe Deutschland oft wie im Stroboskoplicht: in abgehackten, grellen Momentaufnahmen. Da ich in England lebe und arbeite, bin ich meist auf kurzen Reisen in meiner Heimat unterwegs. Ich fahre mit dem Zug, komme mit Menschen ins Gespräch, beobachte. Dabei sieht man keine durchgehende Entwicklung, keine vollständige Szene. Stattdessen blitzen immer wieder einzelne Bilder auf. Aber das kann manchmal helfen, die Dinge klarer zu sehen.
Auf meiner jüngsten Lesereise durch Deutschland habe ich mit Unternehmern, Rentnern, Angestellten und Kulturschaffenden gesprochen. Die Themen wechseln, die Orte auch. Was aber konstant blieb, war ein Stimmungsbild, das längst über bloße Unzufriedenheit hinausgeht, ein weitverbreitetes Gefühl, dass diejenigen, die politische Verantwortung tragen, die Sorgen vieler Bürger nicht verstehen oder gar nicht erst verstehen wollen.
Natürlich ist das eine Binsenweisheit. Der Vorwurf, Politiker hätten den Kontakt zur Lebenswirklichkeit verloren, gehört zu jeder Stammtischdiskussion. Doch wenn man ihn immer wieder quer durch das Land hört – und zwar von Menschen mit völlig unterschiedlichen Hintergründen und Anliegen –, dann sollte man ihn ernst nehmen.
Das sind keine „Wutbürger“, deren Frust sich da Bahn bricht, sondern ganz normale Leute, die das Gefühl haben, dass in Deutschland einiges aus dem Ruder läuft und niemand etwas dagegen tut. Diese wachsende Kluft zwischen einer politischen Klasse, die über das Land spricht, und den Menschen, die in ihm leben und arbeiten, ist ein ernsthaftes Problem für die Demokratie, die schließlich immer alle retten wollen.









