Wo gibt es eigentlich noch einen echten Markt? Energie, Landwirtschaft, Lebensmittel und Pharma etwa sind stark reguliert und subventioniert. Automobil, Maschinenbau oder Rohstoffe durch Zölle oder Subventionen verzerrt. Manche Märkte wie Verkehr, Recycling oder viele Bereiche im Dienstleistungssektor gäbe es ohne staatliche Unterstützung oder diverse Förderprogramme gar nicht.Dennoch hört man gerne von Unternehmern oder Politikern, dass man hier oder dort nicht in den „Markt“ eingreifen solle – je nachdem, wie es eben gerade opportun ist. Ist der Staat zu übergriffig geworden? Oder die Lobbyisten? Oder ist das alles über die Jahre organisch gewuchert? Die Staatsquote, also die anteiligen staatlichen Ausgaben an der deutschen Wirtschaftskraft, liegt bei mehr als 50 Prozent. Wie finden wir wieder zu mehr Marktwirtschaft zurück? Wir haben mit Tim Krieger dazu gesprochen, einem echten ordoliberalen Ökonomen.
„Schwierig, wenn der Staat versucht, alles zu regeln“
Der Staat beschützt uns. Er ist überall, er regelt alles. Wenn der Benzinpreis zu hoch ist, steht er bereit. Wenn die Mieten zu hoch sind, will er helfen. Kann das gut gehen, Herr Professor Krieger?
Also, schwierig wird es, wenn der Staat versucht, alles zu regeln. Gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen er Dinge regeln muss. Märkte sind nie frei von staatlichen Regeln und Einfluss. Das ist höchstens in einem volkswirtschaftlichen Proseminar der Fall. Aber in den letzten Jahren wird der Wunsch des Staates immer größer, alle Sorgen und Nöte, die mit marktwirtschaftlichem Handeln zu tun haben, in irgendeiner Form abzudämpfen. Es gilt, eine Grenze zu ziehen zwischen dem, was zwingend nötig ist – wie etwa die Sicherung von Eigentumsrechten, Vertragsfreiheit oder Wettbewerbsregeln –, und dem überbordenden Staat, der weit darüber hinausgeht und alles im Detail regeln möchte.






