Wenn Philosophen über Staaten sprechen, dann heißt es über liberale Demokratien wie Deutschland oft, dass diese kein umfassendes Konzept vom guten Leben hätten. Theoretisch sagt einem der Bundeskanzler also deutlich seltener als etwa ein Ayatollah, was wir konkret zu tun haben. Praktisch kommt es zwar gar nicht so selten vor, dass Friedrich Merz sagt, was die Bürger seines Landes tun sollen, aber nun ja, das ist vielleicht ein Friedrich-Merz-Problem, und keins der Staatsform liberale Demokratie. Fakt ist, klare Ansagen zur Lebensführung sind in Deutschland verpönt. Fakt ist aber auch, dass Deutschland durchaus eine Meinung dazu hat, wie Bürger leben sollten, was sie tun und was sie lassen sollten. Nur geht es dabei weniger um gottgegebene Regeln, sondern um den Staatserhalt. Und – noch ein Unterschied – Deutschland bedient sich zur Durchsetzung dieses Willens weniger Ge- und Verboten mit drakonischen Strafen, sondern setzt lieber auf finanzielle Anreize, neudeutsch Incentives.