Wenige Tage erst ist es her, dass Lukas Podolski seine Karriere offiziell beendet hat. Gerade 41 Jahre alt geworden, verabschiedet sich einer der letzten großen Publikumslieblinge der deutschen Weltmeistermannschaft von 2014 endgültig von der Bühne. Fast parallel dazu wurde Manuel Neuer, der im März seinen 40. Geburtstag feierte, nicht ganz überraschend, aber dennoch umstritten noch einmal für eine Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada nominiert.

Der deutsche Fußball hat den Neuanfang verpasst

Während Podolski das Turnier mit den bislang meisten Mannschaften und Spielen der WM-Geschichte aus dem sportlichen Ruhestand verfolgen wird, soll Neuer erneut der Rückhalt einer deutschen Nationalmannschaft sein, die ihren letzten wirklich glanzvollen Moment – den Gewinn des Confederations Cup 2017 einmal ausgeklammert – mit dem Weltmeistertitel 2014 erlebte. Dass Deutschland zwölf Jahre später wieder auf Manuel Neuer setzt, erzählt deshalb weniger von dessen außergewöhnlicher Karriere als vielmehr von der verpassten Chance des deutschen Fußballs zum echten Neuanfang.

Manuel Neuer und Lukas Podolski waren Teil jener deutschen Nationalmannschaft, die unter Bundestrainer Joachim Löw im Sommer 2014 auf Jahre beinahe unschlagbar schien. Nachvollziehbar, wenn man Gastgeber Brasilien im Halbfinale mit einem historischen 7:1 demütigt hat und wenige Tage später gegen Argentinien Weltmeister wird. Der Triumph von Rio de Janeiro veränderte den Blick auf die deutsche Mannschaft nachhaltig. Deutschland wirkte plötzlich nicht mehr wie eine effiziente Turniermannschaft, sondern eher wie die modernste Fußballnation, die spielerische Qualität, Mentalität und internationale Strahlkraft miteinander verband.