Eigentlich sollte der älteste deutsche Fußball-Nationalspieler am Freitag in Chicago im Fokus stehen. Doch von Manuel Neuer, der nach wie vor unter den Folgen seiner Wadenprobleme leidet, war im Stadion Soldier Field nichts zu sehen, zumindest nicht in dem Teil des Abschlusstrainings, das auch für Journalisten geöffnet war.Danach absolvierte der Torwartrückkehrer eine individuelle Einheit vor dem Testspiel an diesem Samstag (20.30 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zu DFB-Länderspielen und bei RTL) gegen die USA. Und er wird auch dann nicht spielen. „Ihm geht’s gut“, sagte der Bundestrainer zwar. „Aber wir haben entschieden, auch morgen kein Risiko einzugehen.“Plötzlich aber stand im kleinen, warmen Pressekonferenzraum im Bauch des weitläufigen Stadions nicht mehr der älteste, sondern der jüngste deutsche Nationalspieler im Kader für die Weltmeisterschaft im Fokus, auch wenn Julian Nagelsmann dessen Namen gar nicht komplett aussprach.Er nannte ihn nur „Lenny“ – und hatte unvermittelt schlechte, womöglich gar richtig schlechte Nachrichten dabei. „Lenny hat sich leider verletzt“, sagte Nagelsmann über das Abschlusstraining, das erst kurz zuvor im Stadion beendet worden war. „Das sah, ehrlich gesagt, nicht so gut aus.“ Details verriet der Bundestrainer nicht, weder über die Art der Verletzung noch über das Zustandekommen in der Einheit.DFB gibt weitere Informationen zu Karl nach DiagnoseNicht nur die Worte vermittelten den Eindruck, dass es sich um keine Lappalie handelt, auch die Miene des Bundestrainers bedeutete, dass die Blessur womöglich gravierend sein könnte: „Er fährt jetzt ins Krankenhaus, da wird ein Bild gemacht. Wir müssen erstmal die Situation verarbeiten, er auch.“ Dafür brauche es eine Diagnose. „Dann schauen wir, ob wir wen nachnominieren.“ So spricht man eher nicht über eine kleine Blessur.Und diese Aussicht könnte nun genauso schnell schon vor Turnierstart wieder zerstört worden sein. Erst nach der Diagnose wird der Deutsche Fußball-Bund Informationen zum Gesundheitszustand und den möglichen weiteren Schritten geben. „Aber alles in Ruhe“, sagte Nagelsmann.Dass Neuer in Chicago auch nicht spielen wird, verkam durch die Personalie Karl auf einmal zur Randnotiz, dabei könnte die schleppende Genesung der Wade für den WM-Start Folgen haben. „Er ist auf dem Weg zu bester Fitness“, sagte Nagelsmann und prognostizierte, dass Neuer zum Turnierstart „topfit sein und nächste Woche ins Mannschaftstraining einsteigen“ werde.Oliver Baumann wird Neuer, wie schon in Mainz im Tor vertreten. Nach dem USA-Spiel bleibt eine Woche bis zum WM-Start. Auch Deniz Undav, der gegen Finnland angeschlagen ausgewechselt werden musste, danach Entwarnung gab, hatte noch mit den Problemen am Gesäß zu kämpfen. „Er wird auf jeden Fall nicht länger als 30 Minuten spielen können morgen, weil wir da nichts riskieren wollen“, sagte Nagelsmann. Kai Havertz beginnt als Sturmspitze.Ob der akuten Personalien rückte die historische Erinnerung an Chicago vor der Generalprobe ein wenig in den Hintergrund am Freitagmittag im Soldier Field, in dem die deutsche Mannschaft 1994 als Weltmeister das Weltturnier eröffnete durch ein 1:0 gegen Bolivien. Torschütze: Jürgen Klinsmann.Auch danach siegte die Auswahl von Berti Vogts in zwei weiteren Partien in Chicago, direkt am Lake Michigan gelegen. Doch selbst der 38 Jahre alte Bundestrainer hatte daran kaum Erinnerungen. Und es spielte, nach der schlechten Nachricht um Lennart Karl, auch keine große Rolle mehr.