PfadnavigationHomeSportFußballWMAuftakt in Winston-SalemNeuers Comeback und der Realismus des Leon GoretzkaStand: 07:32 UhrLesedauer: 3 MinutenDie Nummer eins ist zurück: Manuel Neuer im Training der Nationalelf in Winston-SalemQuelle: IMAGN IMAGES via Reuters/CHUCK BURTONDie Nationalmannschaft bezieht ihr WM-Quartier. Bei einem ersten Training in North Carolina begeistert sie tausende US-Fans. Von Torwart Manuel Neuer gibt es rund um die Einheit eine positive Nachricht.Die neue Woche begann mit einem Umzug. Montag reiste die Fußball-Nationalmannschaft aus ihrem WM-Trainingslager in Chicago in ihr Turnier-Quartier nach Winston-Salem in North Carolina. Auf dem Rollfeld des Smith Reynolds Airport wurde ihre Maschine mit Fontänen der Flughafen-Feuerwehr begrüßt. Beim Check-in im Hotel „The Graylyn Estate“ gab es anschließend einen Empfang mit schwarz-rot-goldenen Cheerleader-Pompons, Bundestrainer Julian Nagelsmann und seine Spieler liefen durch ein Spalier des Personals. Auf Schildern stand „Viel Erfolg“ und „Auf geht’s Deutschland“. Rekordtorwart Manuel Neuer filmte die Willkommens-Zeremonie sichtlich erfreut mit seinem Smartphone.Danach stand am späten Nachmittag ein öffentliches Training an. Rund 3000 Zuschauer kamen in das Spry Stadium, um die Mannschaft zu sehen. Der Weltverband Fifa verlangt von jedem der 48 Turnier-Teilnehmer eine Übungseinheit vor Fans. Beim Training herrschte Volksfeststimmung. Bereits eine Stunde vor Beginn hatte sich vor dem Stadion eine über 200 Meter lange Menschenschlange gebildet. Der Parkplatz auf dem Campus der Wake Forest University war voll. Einige waren mit dem Auto aus umliegenden Städten und Gemeinden gekommen und mitunter 90 Minuten mit dem Wagen gefahren, um die deutschen Spieler zu sehen.Diszipliniert und geduldig standen die Menschen an, viele Familien waren gekommen. Sie holten sich an Ständen kleine Souvenirs der Nationalmannschaft, kalte Getränke und Chips. Ein Mann trug ein T-Shirt: „Ich bin nicht laut – ich bin Deutscher.“ Viele hatten Deutschland-Trikots an. Eine Frau trug ein Baby im deutschen Dress, US-amerikanische Jungs postierten sich grinsend in der ersten Reihe der Zuschauertribüne und riefen die Namen ihrer Idole: „Rüdiger! Musiala!“Ein Stadionsprecher kündigte zu Beginn der Einheit dann Neuer an. Die Zuschauer begrüßten den Nationaltorwart mit lautem Applaus. Es war ein besonderer Nachmittag: Neuer trainierte erstmals nach wochenlangen Waden-Problemen mit der Mannschaft. Lesen Sie auchEr hechtete nach dem Ball, absolvierte alle Übungen und machte einen fitten Eindruck. Jetzt deutet alles darauf hin, dass der 40-Jährige im ersten Gruppenspiel der deutschen Mannschaft am Sonntag (19 Uhr MESZ, ARD, MagentaTV und Liveticker auf WELT) gegen Curacao in Houston spielen kann.Bernd Neuendorf bedankt sich bei North CarolinaDie Stadionregie spielte auf einer Videowand die Nominierungsvideos der Spieler ein. Und Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hielt über das Mikrofon eine Rede, in der er sich für die Gastfreundschaft der Menschen in North Carolina bedankte. Das Publikum quittierte seine Rede mit Applaus.Es war ein fröhlicher und gelungener Auftakt der kommenden Wochen in Winston-Salem. Die Spieler machten während der Übungseinheit zunächst ein Kreisspiel. Nach dem rund einstündigen Training gaben sie Autogramme.Lesen Sie auchSamstag reist die Mannschaft nach Houston. Nach dem Spiel gegen Curacao geht es wieder zurück nach Winston-Salem.Leon Goretzka betonte in einem Fifa-Interview die Erwartungshaltung nach dem frühen WM-Scheitern 2018 und 2022. Deutschland schied jeweils in der Vorrunde aus. „Das möchte man natürlich geraderücken“, sagte der Mittelfeldprofi. Als ersten Anwärter auf den WM-Sieg sieht der 31-Jährige die deutsche Elf aber nicht. „Ich habe jetzt nicht das Gefühl, dass wir im Kreise der Top-Favoriten dazugehören. So ehrlich müssen wir sein. Trotzdem gibt es natürlich zu Recht eine sehr hohe Erwartungshaltung an uns als Fußballnation.“Er selbst wäre „lieber Topfavorit“, sagte Goretzka: „Das kenne ich aus dem Verein gut. Und dann sind die Chancen am höchsten, dass man es auch zieht. Trotzdem wäre das einfach aufgrund der letzten Jahre nicht angebracht, sich da jetzt selber als Favorit auf den WM-Titel zu bezeichnen.“Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit einer Woche sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die WM-Vorbereitung der deutschen Auswahl.