Es geht los. Wie zu erwarten, beginnt die Pharma-Lobby nun die geplante Gesundheitsreform zu torpedieren. Während im Hintergrund die Verbände im Bundestag lobbyieren, setzen parallel die Mitgliedsunternehmen der Branche über die Medien die Politik unter Druck. Boehringer-Ingelheim (28 Milliarden Euro Jahresumsatz) und Eli Lilly (56 Milliarden) machen den Anfang: „Die nächste Innovation geht nach Lage der Dinge aktuell nicht nach Deutschland“, sagte Médard Schoenmaeckers, Deutschlandchef von Boehringer Ingelheim, dem Handelsblatt. Und Dave Ricks, der Chef von Eli Lilly: „Deutschland wird bei der Unterstützung unserer Industrie auf den letzten Platz der europäischen Märkte fallen.“

Für Schoenmaeckers seien demnach die Sparpläne der Bundesregierung bei den Gesundheitsausgaben mit entscheidend; Ricks nannte die geplante Gesundheitsreform ein „schreckliches Signal“. Eli Lilly und Ricks wollen demnach in ihren neuen Standort im rheinland-pfälzischen Alzey nur noch die Hälfte der angeblich rund zwei Milliarden Euro investieren. Die Drohungen zeigten sofort Wirkung: Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) hat „umgehend Kontakt mit den Unternehmen“ aufgenommen und wolle im laufenden Gesetzgebungsverfahren in Berlin „vermitteln“. Auch der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete Jan Metzler kündigte gleich Unterstützung für die Pharma-Konzerne an. Die allzeit gut geölte Lobby-Maschinerie hat ihre Arbeit aufgenommen.