Am Sonntag wählt Armenien ein neues Parlament. Nichts geringeres als der geopolitische Kurs des kleinen Südkaukasuslandes steht auf dem Spiel. Premierminister Nikol Paschinjan und seine Partei Bürgervertrag wollen den Spagat zwischen Moskau und Brüssel halten, dürften in der Praxis aber die Annäherung an die Europäische Union fortsetzen. Russland reagiert mit offenem Druck, während sich US-Präsident Donald Trump demonstrativ hinter Paschinjan stellt.
Kremlchef Wladimir Putin erklärte Ende Mai, eine EU-Annäherung müsse den armenischen Interessen dienen, und deutete an, dass Gas in Europa rund 600 Euro koste, Armenien aber nur etwa 150 zahle – ein unüberhörbarer Hinweis darauf, dass sich dieser Preis in Zukunft ändern könne.
Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP stellte Putin für den Fall eines Austritts aus der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 14 Prozent in den Raum. Belarus-Präsident Alexander Lukaschenko wurde in der staatlichen Agentur Belta noch direkter. Er warnte die Armenier davor, den „ukrainischen Weg“ zu wiederholen. Vor wenigen Tagen berief Moskau seinen Botschafter Sergej Kopyrkin zu Konsultationen zurück – ausdrücklich wegen der EU-Annäherung Jerewans.












