Kürzlich auf dem Heimweg von der Ostsee zurück nach Berlin geschah etwas Eigenartiges im ICE der Deutschen Bahn. Es war spät am Abend. Auch war schon klar, dass ich nicht wie geplant um 23.50 Uhr in Neukölln eintreffen würde – sondern erst um 1.17 Uhr. Insofern könnte man als zynisch gewordener Bahnkunde fast sagen: business as usual. Doch dabei blieb es nicht.Ich ging auf die Toilette. Wie man das als Humanoid, der noch nicht zum Cyborg umgebaut wurde, eben (leider) manchmal tun muss. Sogar in der Deutschen Bahn. Nur kurze Zeit später hämmerte jemand penetrant an der Tür. Vermutlich musste jemand anderes auch dringend mal aufs Klo. So weit, so gut. Allerdings war dieser ICE zu diesem Zeitpunkt dermaßen leer, dass ich fast drauf hätte wetten können, dass ein Dutzend anderer Toiletten zeitgleich frei waren. „Nur eine Minute“, schrie ich. Doch das Hämmern hörte einfach nicht mehr auf. Nach dem Händewaschen (bekanntlich ein Abenteuer für sich im ICE) öffnete ich die Tür.
„Haben Sie etwa geraucht?“, fragte mich die Schaffnerin mit der Strenge einer Lungenärztin. Ich war ganz perplex. Erst nach ein paar Sekunden verstand ich: Da hatte gar kein Fahrgast gehämmert. Sondern die Schaffnerin persönlich. Ich war von der Unterstellung dermaßen überrumpelt, dass ich womöglich erst recht schuldig auf sie wirkte. Sie betrat dann sogar die Toilette wie eine Schnüfflerin: „Ja, ganz klar, hier riecht es doch nach Zigarettenqualm.“








