PfadnavigationHomeGeschichteZweiter WeltkriegTechnikgeschichteDer Renault FT war der Durchbruch des modernen PanzersVon Johann AlthausVeröffentlicht am 22.05.2026Lesedauer: 4 MinutenDer erste moderne Kampfpanzer mit Turm: Ein Renault FT im Ersten WeltkriegQuelle: picture-alliance/Mary Evans/Robert Hunt CollectioUm das Patt des Stellungskrieges aufzuheben, entwickelten Militärs im Ersten Weltkrieg neuartige Kampffahrzeuge. Ein leichtes Modell aus Frankreich wurde zum Vorbild der meisten Main Battle Tanks.Beinahe friedlich wirkt das hoch gewachsene Weizenfeld. Wenn da nicht die mehr als drei Dutzend graugrünen Stahlkolosse wären, die in Reih und Glied bereitstehen auf dem Feld in Langres in Nordostfrankreich. Der aufgemalte weiße Stern weist sie als Fahrzeuge der US-Army aus, und ihr Befehlshaber ist ein 32-jähriger Offizier, der in ihnen die wichtigste militärische Innovation des Krieges erkennt. Man schreibt das Jahr 1917, und Oberstleutnant George S. Patton ist gerade zum Befehlshaber der ersten Panzerschule der US Army ernannt worden.27 Jahre später wird derselbe Offizier, inzwischen Dreisternegeneral, mit amerikanischen Panzern durch Nordostfrankreich gen Osten rollen. In der Schlacht um Metz erzwingt er mit seiner 3. US-Armee gegen erbitterten Widerstand der Wehrmacht den Durchbruch nach Lothringen.Die furchterregenden Maschinen, auf denen Pattons Blick ruht, waren leichte Panzer des französischen Typs Renault FT. Sie sind hierzulande und in angloamerikanisch geprägten Ländern heute weitgehend vergessen – dort denkt man, wenn es um Panzer aus dem Ersten Weltkrieg geht, fast ausschließlich an die großen britischen Tanks mit den asymmetrisch um den Rumpf laufenden Ketten.Dabei war der FT, fälschlich oft auch FT-17 genannt, eigentlich viel moderner als die Ungetüme von der Insel, die Marine- und Munitionsminister Winston Churchill nicht zufällig als „Landschlachtschiffe“ bezeichnet hatte. Der Renault-Panzer war bewusst als leichter Kampfwagen mit unter sieben Tonnen Gewicht konzipiert, dafür bereits mit dem später für jeden Panzer typischen Drehturm. Und er erreichte mit seinen 35 PS auf befestigten Fahrwegen bis zu 20 Stundenkilometer; selbst im schweren Gelände kam ein FT immer noch auf fast die Hälfte.Dagegen beschränkte die Leistung von etwa 100 PS die britischen Tanks, die mehr als vier Mal so schwer waren wie der FT, zusammen mit dem weniger ausgeklügelten Fahrwerk auf maximal sechs Stundenkilometer, unabhängig vom Untergrund.Lesen Sie auchDamit waren die britischen Tanks zwar geeignet, die erstarrte Front der Schützengräben in Belgien und Frankreich aufzubrechen. Doch für einen modernen Bewegungskrieg waren sie untauglich.Genau das aber schwebte Patton vor. Seinen ersten Erfolg als junger Offizier hatte er bei einer Militärintervention im Nachbarland Mexiko erzielt. Da mit klassischen Taktiken gegen die Guerillakrieger des Revolutionsführers Pancho Villa wenig auszurichten war, montierte Patton 1916 ein MG auf ein Automobil – und erfand damit den schnellen Schützenpanzer. Die Strafexpedition wurde schnell zum Erfolg.Lesen Sie auchFür den Einsatz an der heftig umkämpften Westfront war ein Auto mit MG allerdings ungeeignet. Der Renault FT dagegen bot mit seinen Panzerplatten von sechs bis 22 Millimeter Stärke immerhin Schutz gegen Splitter und MG-Kugeln. Da er zudem problemlos Stacheldrahtverhaue niederwalzen und die meisten Sperrgräben überwinden konnte, war er die ideale Waffe für Patton.Der Amerikaner entwickelte dazu neue Taktiken. Patton koordinierte von einem fahrenden Panzer herab den Vormarsch seiner Soldaten. Diese Angewohnheit behielt er auch den gesamten Zweiten Weltkrieg über bei: In seinem Sherman war er lieber unterwegs als im Jeep oder gar in seiner Generalslimousine.Denn der Panzer, das war ihm ebenso klar wie auf deutscher Seite etwa Heinz Guderian oder Erwin Rommel, war die entscheidende militärische Innovation des Ersten Weltkriegs. Er brachte die Kämpfe aus der Erstarrung der Fronten wieder in Bewegung.Der britische Militärhistoriker John F. C. Fuller, der an den Planungen der Panzereinsätze 1917 und 1918 beteiligt war, hat den Einsatz des Verbrennungsmotors in einem „kugelsicheren Schild“ als „Wiedergewinnung der Beweglichkeit“ beschrieben: „Ohne den Tank wäre keine Überrumpelung gelungen, es war die Plötzlichkeit des Angriffs, die Panik auslöste … Außerdem verleitete das Gefühl der eigenen Machtlosigkeit … den Infanteristen instinktiv dazu, die Gefahr zu übertreiben … Der Tank war über seinen kampfmäßigen Wert hinaus mehr eine Waffe der psychologischen Kriegführung.“ Jedoch sollten es deutsche und amerikanische Generäle sein, die im Zweiten Weltkrieg die Folgerungen daraus ziehen sollten.Allerdings konnten sich weder Guderian noch Patton zwischen den Kriegen vorstellen, wozu ihre weitgehend parallelen Überlegungen führten. Die neue Art der Kriegsführung auf gewaltigen Flächen sollte noch viel größere Verluste fordern als das extrem zerstörerische, aber doch auf einen relativ schmalen Streifen Land beschränkte Ringen im Stellungskrieg.Dieser Artikel wurde erstmals 2013 veröffentlicht.
Geschichts-Doku : Der Panzer wurde zum Symbol der Weltkriege - WELT
Um das Patt des Stellungskrieges aufzuheben, entwickelten Militärs im Ersten Weltkrieg neuartige Kampffahrzeuge. Ein leichtes Modell aus Frankreich wurde zum Vorbild der meisten Main Battle Tanks.








