Die Ukraine tritt derzeit so selbstbewusst auf wie lange nicht mehr. Die spektakulären Drohnenangriffe tief im russischen Hinterland, Attacken auf strategische Ziele rund um St. Petersburg und Moskau sowie die Tatsache, dass die Front trotz monatelanger russischer Offensiven bislang nicht zusammengebrochen ist, haben in Kiew und vielen westlichen Hauptstädten den Eindruck entstehen lassen, Russland befinde sich zunehmend unter Druck. Das ist sicherlich nicht ganz falsch.
Hinzu kommt die Wahrnehmung, dass Kremlchef Wladimir Putin nach mehr als vier Jahren Krieg weder seine ursprünglichen Kriegsziele erreicht noch die Ukraine zur Kapitulation gezwungen hat. In Teilen Europas wird daraus die Schlussfolgerung gezogen, Moskau sei inzwischen eher an einer Unterbrechung der Kämpfe interessiert als Kiew. Vor diesem Hintergrund gewinnt im Westen ein Szenario an Oberwasser, das noch vor einem Jahr als kaum realistisch galt: ein Einfrieren der Frontlinien im Donbass, verbunden mit westlichen Sicherheitsgarantien für die Ukraine und einer beschleunigten Integration des Landes in die Europäische Union. Doch gerade diese Vorstellung wirft bei näherer Betrachtung eine Reihe grundlegender Fragen auf.








