Wer Wladimir Putin öffentlich Ratschläge zum Ukraine-Krieg erteilt, gehört meist nicht zum Kreis seiner engsten Verbündeten. Umso bemerkenswerter war der Auftritt des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew in Omsk. Vor laufenden Kameras forderte der Staatschef des größten zentralasiatischen Landes den Kremlchef auf, den Krieg in der Ukraine einzufrieren und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
„Vielleicht ist es an der Zeit, diesen Konflikt einzufrieren und zur Istanbul-Formel 2.0 zurückzukehren, denn dort wurden bereits bedeutende Ergebnisse erzielt. Unter Garantien der Großmächte, einschließlich Russlands, könnten wir uns dem lang ersehnten Frieden nähern“, sagte Tokajew. Später wurde der kasachische Präsident noch eindringlicher. „Es ist eine Schande, junge Menschen sterben.“
Ein Tabubruch unter Verbündeten
Es waren bemerkenswerte Momente, die im russischen Omsk für Überraschung sorgten. Denn bislang kamen Forderungen nach einem Einfrieren der Front vor allem aus Kiew oder westeuropäischen Hauptstädten. Russland lehnt eine Waffenruhe entlang der über 1200 Kilometer langen Donbass-Linie seit Monaten kategorisch ab.
Tokajew vermied jedenfalls jegliche Kritik an Putin. Im Gegenteil: Er bezeichnete Russland mehrfach als „Großmacht“ und lobte den Kremlchef für dessen „größte diplomatische Flexibilität“ beim Treffen mit Donald Trump im vergangenen Jahr in Anchorage in Alaska. Tokajews Botschaft war also bewusst höflich formuliert.






