«I am hangry»: Warum wir bei Hunger zappelig und aggressiv werdenDer englische Ausdruck «hangry – hungry and angry» trifft es genau. Dieser Zustand ist für Betroffene und Mitmenschen manchmal schwer zu ertragen. Aber biologisch gesehen steckt ein lebenserhaltender Mechanismus dahinter. Die Kolumne «Hauptsache, gesund».21.03.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenNichts gegen Zuckerschoten, sie sind lecker. Aber nur eine Handvoll zum Mittagessen macht schnell wieder hangry.Annick Ramp / NZZLiegt es an der Fastenzeit? Ich habe das Gefühl, dass derzeit bei mehr Menschen als sonst die Geduld nachlässt. Viele sind ungehaltener, manche werden schneller wütend. Es könnte daran liegen, dass sie weniger essen oder komplett auf manche Mahlzeiten verzichten, sei es aus religiösen Gründen oder um vor dem Sommer noch rechtzeitig abzunehmen. Denn Hunger macht bekanntlich zappelig und reizbar. Hangry eben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Hauptsache, gesund»In dieser Kolumne werfen Autorinnen und Autoren einen persönlichen Blick auf Themen aus Medizin und Gesundheit. Ich kann all die unzufriedenen Hungrigen verstehen. Ich faste zwar nicht, aber im Laufe eines anstrengenden Arbeitstags oder einer langen Besichtigungstour vergesse ich ab und an, regelmässig Kalorien einzuwerfen. Meine Familie weiss, dass eine hungrige Stephanie manchmal keine angenehme Stephanie ist.Hangry sein ist keine typisch menschliche Eigenschaft. Auch Tiere werden abweisend oder teilweise sogar richtig aggressiv, wenn sie länger keine Nahrung bekommen. Das ist biologisch gesehen sinnvoll.Denn Hunger signalisiert dem Körper: Akuter Mangel, such Futter, und zwar zack, zack. Also muss Mann oder Maus sofort an die Vorräte, und zwar vor allen anderen. Die Alternative ist: neues Futter suchen beziehungsweise es bei Artgenossen stehlen. Eine gewisse Portion Aggression hilft bei all diesen Aktivitäten durchaus.Diese Hormone steuern das HungergefühlSatt zu werden, ist eine zentrale Aufgabe. Das Hungergefühl bei ausbleibender Nahrung entsteht daher durch fein regulierte Abstimmungen zwischen Verdauungstrakt und Gehirn. Dieselben Hormone, die Hunger auslösen, steuern auch die damit verbundenen Emotionen.Ist der Magen leer, wird der Botenstoff Ghrelin ans Gehirn geschickt. Der aktiviert die für das Hungergefühl verantwortlichen Nervenzellen. Ghrelin erhöht auch das Aggressionslevel.Bei Hunger wird zweitens weniger vom Hirnbotenstoff Serotonin gebildet. Dieser Mangel löst zum einen Heisshungerattacken aus. Zum anderen steigert er die Impulsivität und die Aggression.Zugleich sinkt drittens der Blutzuckerspiegel und damit auch die Menge an Insulin im Blut. Das Gehirn spürt das und schüttet Adrenalin und Cortisol aus. Die sorgen dafür, dass eingelagerte Kalorienreserven mobilisiert werden. Aber sie versetzen den Körper auch in den Stressmodus.Wie eng Hunger und Aggression miteinander verknüpft sind, zeigte vor einigen Jahren ein sehr unschönes, aber aufschlussreiches Experiment. Je niedriger der Blutzuckerspiegel bei einem Teil eines Paares war, desto mehr Nadeln pikste die Person in eine Voodoo-Puppe, die den Partner oder die Partnerin darstellen sollte. Also so weit war ich noch nie, grosses Indianer-Ehrenwort.Snacks gegen das Hangry-SeinIch habe in den letzten Jahren gelernt und versuche nun, rechtzeitig vor der Hangry-Attacke ein paar Nüsse oder eine Banane zu essen. Manchmal bringt mich ein liebevolles und aufmerksames Familienmitglied mit sanftem Druck dazu. Wir alle erkennen die Hangry-Anzeichen besser. Bei uns selber und auch bei anderen.Vielleicht sind viele Menschen derzeit auch so angespannt wegen der bedrückenden Weltlage. Die können wir nur ertragen. Zumindest kurzfristig gelingt das ein bisschen leichter mit einer saftigen Zimtschnecke.Bereits erschienene Texte unserer Kolumne «Hauptsache, gesund» finden Sie hier.Passend zum Artikel
Hunger = Hangry? Warum wir gereizt werden, wenn der Magen knurrt
Der englische Ausdruck «hangry – hungry and angry» trifft es genau. Dieser Zustand ist für Betroffene und Mitmenschen manchmal schwer zu ertragen. Aber biologisch gesehen steckt ein lebenserhaltender Mechanismus dahinter. Die Kolumne «Hauptsache, gesund».






