KommentarMord an Henry Nowak: Die britische Polizei hat sich ideologisch verwirrt und handelt rassistischWeite Teile der britischen Bevölkerung haben das Vertrauen in die britische Justiz verloren. Nach zahlreichen Vorfällen lässt sich der Vorwurf der Zweiklassenjustiz nicht mehr so leicht zurückweisen.03.06.2026, 18.45 Uhr3 LeseminutenDemonstranten protestieren am 2. Juni 2026 vor einer Polizeistation in Southampton. Einer von ihnen hält ein Foto des 18-jährigen Henry Nowak, der im Dezember 2025 erstochen wurde.Gareth Fuller / APAntirassisten werden nicht müde, zu betonen, dass Rassismus tötet. Doch auch ein ideologisch ausgelegter Antirassismus fordert Opfer. Am Montag veröffentlichte die britische Polizei verstörende Aufnahmen: Der am Boden liegende 18-jährige britische Student Henry Nowak sagt, er sei niedergestochen worden. Wie der 2020 von der amerikanischen Polizei getötete George Floyd sagt er, er könne nicht atmen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch statt ihm zu helfen, legen die Beamten ihm Handschellen an und ziehen ihn über den Boden. Wenig später ist er tot. Die Beamten schenkten den Angaben des Täters offenbar mehr Glauben als den Hilferufen des weissen Opfers. Der 23-jährige Vickrum Digwa, ein Angehöriger der Sikh, hatte Nowak mit einem religiösen Messer tödlich verletzt. Ein solches dürfen Angehörige der Sikh mit sich führen, obwohl sonst in Grossbritannien ein strenges Messerverbot herrscht. Danach führte er die Polizei in die Irre, indem er behauptete, er sei Opfer einer rassistischen Attacke gewesenDas Fehlverhalten der Polizei, die Rassismusvorwürfen blindlings glaubte und tödliche Verletzungen ignorierte, ist mehr als ein tragischer Einzelfall. Auch wenn der Vorfall noch weiter untersucht werden muss, fügt er sich in das Gesamtbild einer britischen Polizei, deren Prioritätenliste durcheinandergeraten ist. Statt Recht und Ordnung durchzusetzen, kämpft sie für Diversity und gegen angeblichen Rassismus. Das Resultat davon ist, dass Menschen je nach Hintergrund unterschiedliche Behandlung erwarten müssen. Das Vertrauen der Briten in ihre Justiz ging in den letzten Jahren dramatisch zurück.Kein Fall Nigel FarageDer Mord ereignete sich im Dezember. Anders als bei George Floyd brauchte es mehrere Monate, bis der Fall in die Mainstream-Medien gelangte. Der britische Oppositionsführer Nigel Farage sah darin einen Beweis, dass die Briten «in einer Zweiklassengesellschaft leben, in der die Rechte und Privilegien weisser Menschen weniger zählen als die ethnischer Minderheiten».Britische Medien würden aus dem Fall Henry Nowak deshalb gerne einen Fall Nigel Farage machen. Doch zu zahlreich sind mittlerweile die Vorfälle, zu erdrückend die Indizien. Selbst prominente Politiker können den Vorwurf der Zweiklassenjustiz nicht mehr einfach von der Hand weisenWährend Menschen, die sich migrationskritisch auf Social Media äussern, mit Strafen und Hausdurchsuchungen rechnen müssen, herrscht anderswo grenzenlose Toleranz.Ein Islamkritiker, der einen Koran verbrannte, wurde kürzlich von einem britischen Gericht erstinstanzlich wegen einer «religiös motivierten» Straftat gebüsst. Der Fundamentalist, der ihn töten wollte, kam dagegen mit einer Bewährungsstrafe davon. Und seit mehr als zwei Jahren ziehen Demonstranten durch Londons Strassen, die die Vernichtung Israels fordern und die Flaggen verbotener Terrorgruppen zeigen – ohne sichtlichen Widerstand der Polizei.Rassengerechtigkeit statt blinde JustitiaDiese Politik kommt von ganz oben. In keinem Land ausser den USA war die Wirkung der George-Floyd-Proteste so gross wie in Grossbritannien. Selbst Polizeibeamte gingen in einem Zeichen der Solidarität auf die Knie. Konzepte aus der linken Identitätspolitik flossen direkt in die Polizeiarbeit.Im sogenannten «Rassen-Aktionsplan» von 2025 heisst es, die Polizei verfolge das Ziel der «Rassengerechtigkeit» (racial equity). Diese bedeute nicht, «alle ‹gleich› zu behandeln oder ‹farbenblind› zu sein», sondern im Gegenteil Lebensumstände und Erfahrungen zu berücksichtigen. In einem offiziellen Dokument der britischen Polizei wird die Gleichbehandlung abgelehnt. Was ist mit der blinden Justitia, die seit der Antike als Symbol für Gerechtigkeit gilt? Die britische Polizei hat sie auf dem Mülleimer der Geschichte entsorgt und betreibt ein antirassistisches «racial profiling».Rassismusängste lähmen die PolizeiPolizeibeamte beschreiben einen Kult der «Diversität und Inklusion», der sich negativ auf ihre Arbeit auswirkt. Viele junge Polizisten hätten mittlerweile solche Angst vor Diskriminierungsvorwürfen, dass sie sich nicht mehr auf ihr Urteilsvermögen und ihren gesunden Menschenverstand verlassen würden. Dabei weiss man schon längst, welche desaströsen Folgen solche lähmenden Ängste auslösen können.Zehntausende weisse britische Mädchen aus der Unterschicht wurden in den letzten Jahrzehnten von meist pakistanischen Vergewaltiger-Gangs missbraucht. Die Behörden schauten jahrelang weg – aus Angst vor Rassismusvorwürfen. Die Untersuchungsberichte schildern schier unglaubliche Gewalt, und der Skandal ist bis heute nicht vollständig aufgearbeitet.Die britische Justiz und die Polizei zeigen auf erschreckende Weise, was passiert, wenn sich staatliche Institutionen dem Zeitgeist und dem linken Aktivismus ergeben. Nur schon der Eindruck einer Ungleichbehandlung zerstört das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat.Passend zum Artikel