KommentarPedro Sánchez versinkt in Korruptionsskandalen, doch dagegen ist Spaniens Regierungschef fast immunSánchez bleibt im Amt, weil niemand stark genug ist, ihn zu stürzen. Seine Partei und die Koalitionspartner sind von ihm abhängig – und die Opposition ist in Sachen Korruption kaum glaubwürdiger.03.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenMuss einmal mehr eine Krise aussitzen: Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez.Francesco Fotia / ReutersIn Spanien wird derzeit gegen immer mehr Personen aus dem Umfeld des Regierungschefs Pedro Sánchez ermittelt. Allein in den letzten zwei Wochen durchsuchten Ermittler die Parteizentrale der Sozialisten und Büros von Ex-Ministerpräsident José Luis Zapatero. Es geht um Schmiergeld-, Sex- und Korruptionsaffären, Vorwürfe der Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation oder – wie im Fall von Sánchez’ Ehefrau und seinem Bruder – um mutmassliche persönliche Bereicherung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch die entscheidende Frage ist längst nicht mehr juristisch, sondern politisch: Warum können all die Vorwürfe dem Ministerpräsidenten nichts anhaben?Die Antwort ist ebenso simpel wie ernüchternd: Über Sánchez’ Zukunft entscheiden seine Partei, Koalitionspartner und die Opposition. Sie alle eint regelmässig die Empörung über die Skandale. Doch solange ihre eigenen Projekte, Mehrheiten und Machtoptionen an Sánchez hängen, stürzen sie ihn nicht. Seine lautesten Kritiker sind deshalb zugleich seine politische Lebensversicherung.Pedro Sánchez weiss das und nutzt es konsequent. Moralisch überzeugt das kaum, machtpolitisch dafür umso mehr.Partei und Partner brauchen PedroIn seiner Partei fehlt eine glaubwürdige Alternative zu Sánchez. Potenzielle Rivalen sind geschwächt, mehrere wichtige Regionalwahlen gingen verloren. Ausserdem hat Sánchez die Partei in den vergangenen Jahren konsequent auf sich zugeschnitten. Wer ihn ablösen wollte, müsste das Machtgefüge der Sozialisten umbauen. Vor allem aber fehlt bisher der entscheidende Auslöser für einen Machtwechsel: Die Ermittlungen treffen sein Umfeld, nicht ihn selbst. Seine Selbstdarstellung als Unschuldiger unter Verdächtigen mag Misstrauen wecken, hält den Ermittlungen bisher aber stand.So kann Sánchez neue Vorwürfe stets als Kampagne einer politisierten Justiz und konservativer Medien darstellen. Weil diese Erzählung nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, schliesst sie die Reihen in der PSOE und erschwert innerparteiliche Kritik.Doch Sánchez’ Machtbasis endet nicht an den Parteigrenzen. Seine Minderheitsregierung ist zwar auf die Stimmen der baskischen PNV sowie der katalanischen ERC und Junts angewiesen. Weder Basken noch Katalanen wollen jedoch riskieren, dass die Konservativen nach der nächsten Wahl gemeinsam mit der Rechtsaussenpartei Vox regieren. Vox träumt von einem starken Zentralstaat mit möglichst geringen Autonomierechten für die Regionen.Vor allem aber haben die Regionalparteien unter Sánchez so viel Einfluss auf die nationale Politik gewonnen wie selten zuvor. Sie hüten sich, den Ministerpräsidenten zu stürzen, der ihnen diese Macht verschafft hat.Neuwahlen sind kein automatischer AuswegPedro Sánchez erntet damit einmal mehr die Früchte der Mehrheiten, die er sich in mühevollen Verhandlungen erarbeitet hat. Denn allein kann die Opposition die Regierung nicht stürzen. Für ein Misstrauensvotum fehlen die nötigen Stimmen im Parlament. Selbst Neuwahlen wären kein sicherer Weg zurück an die Macht. In den jüngsten Umfragen von Mitte Mai kam das rechte Lager zusammen auf rund 41 Prozent der Stimmen, etwa drei Prozent weniger als das linke Lager – selbst ohne Basken und Katalanen.Zwar wurden die Umfragen noch vor den jüngsten Enthüllungen erhoben. Doch im polarisierten Spanien lösen selbst grosse Skandale selten tektonische Verschiebungen aus. Enttäuschte Wähler wechseln meist zu einer anderen Partei im eigenen Lager. Zudem bleibt eine mögliche Regierungsbeteiligung der Rechtsaussen-Partei Vox für viele Wähler abschreckend.Den moralischen Zeigefinger können die Konservativen nicht heben. 2018 verlor der Konservative Mariano Rajoy nach einem Urteil zur illegalen Parteienfinanzierung des PP selbst die Regierungsmacht. Für die Spanier sind Korruptionsaffären deshalb schon fast eine Normalität.Sánchez kann also gelassen bleiben. Er mag geschwächt sein. Doch noch ist niemand stark genug, um aus seiner Schwäche Kapital zu schlagen.Passend zum Artikel
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Sánchez bleibt im Amt, weil niemand stark genug ist, ihn zu stürzen. Seine Partei und die Koalitionspartner sind von ihm abhängig – und die Opposition ist in Sachen Korruption kaum glaubwürdiger.













