Derart geknickt sah man ihn selten. Spaniens Premier Pedro Sánchez hatte sich einen dunklen Anzug angezogen, sein Gesicht wirkte fahl, als er am Donnerstag vergangener Woche in der Zentrale seiner sozialistischen Partei PSOE vor die Presse trat. Mehr als ein halbes Dutzend Mal entschuldigte er sich beim spanischen Volk für Verfehlungen eines seiner engsten Vertrauten, die kurz zuvor durch einen Hunderte Seiten starken Polizeibericht bekannt geworden waren.
Dieser Vertraute war nicht irgendwer, sein Job war in der Partei das, was in Deutschland der Generalsekretär wäre. Der Mann, der in der PSOE die Strippen zog. Und ein Mann, dem Sánchez persönlich verbunden war – so sehr, dass er ihn mit heikelsten Missionen betraute. Zum Beispiel mit den Verhandlungen mit dem katalanischen Separatisten Carles Puigdemont, dessen Unterstützung Sánchez für eine Mehrheit im spanischen Kongress benötigt.
Auch in Parteien, die die Regierung bislang stützen, gibt es Zweifel am Premierminister
Santos Cerdán heißt der Mann. Er war schon an Sánchez’ Seite, bevor dieser 2014 Parteichef der PSOE und 2018 Premier wurde. Nun hat sich Cerdán in reines Gift verwandelt. Seine Ämter ist er ebenso los wie seine Freundschaft mit Sánchez, und der Geruch der Korruption umweht nun die Regierungspartei. Mit einer „politischen Leiche“ verglich die Zeitung ABC Pedro Sánchez. Sogar ein Kolumnist der regierungsfreundlichen Zeitung El País forderte Neuwahlen.













