Sahra Wagenknecht nähert sich der AfD an: «Mit einer Stimme für das BSW wird die Brandmauer abgewählt»Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte die AfD die absolute Mehrheit erreichen. Nun hat das Bündnis Sahra Wagenknecht angeboten, die AfD zu unterstützen. Auch die Tolerierung einer Minderheitsregierung sei denkbar.02.06.2026, 17.00 Uhr4 LeseminutenSahra Wagenknecht spricht sich für einen überparteilichen Ministerpräsidenten aus, der mit wechselnden Mehrheiten regiert.Reinhard Krause / ReutersUm das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) ist es ruhig geworden. Zwar regiert die Partei in Thüringen mit CDU und SPD in der sogenannten Brombeerkoalition mit. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 war das BSW aber gescheitert; in Brandenburg ist die Koalition mit der SPD zerbrochen. Auch bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz spielte es keine Rolle. Inzwischen kämpft die Partei um ihr Überleben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sieht das BSW nun offenbar seine Zukunft in einer möglichen Kooperation mit der AfD. Wie die «Bild»-Zeitung berichtet, hat Sahra Wagenknecht, die Gründerin und Namensgeberin der Partei, die Wahlkämpfer aufgefordert, CDU und SPD nicht zu unterstützen.Ein solcher Schritt würde nicht nur indirekt die AfD stärken. Er würde zugleich Bündnisse, die eine Regierungsbeteiligung der AfD verhindern wollen, schwächen. «Mit einer Stimme für das BSW wird die Brandmauer abgewählt», sagte Wagenknecht denn auch der «Bild»-Zeitung.Wagenknecht offenbar zur Tolerierung einer Minderheitsregierung der AfD bereitZumindest in Sachsen-Anhalt könnte das BSW damit zum Königsmacher für die AfD werden. In den Umfragen liegt die Rechtsaussenpartei derzeit bei 42 Prozent, das BSW bei 4 Prozent. Sollte das BSW noch die 5-Prozent-Hürde überspringen und damit den Einzug in den Landtag schaffen, könnten die beiden Parteien dann je nach Sitzverteilung eine gemeinsame Mehrheit bilden.Sahra Wagenknecht, die inzwischen den Vorsitz des BSW abgegeben hat und der Grundwertekommission der Partei vorsteht, hält offenbar auch die Tolerierung einer Minderheitsregierung der AfD für denkbar, wie «Apollo News» berichtet. Bei der AfD zeigt man sich gegenüber einer Kooperation mit dem BSW ebenfalls offen. «Komplett ausschliessen möchten wir keine Option, die dazu führen könnte, eine tragfähige Regierung zu bilden», zitiert die «Bild»-Zeitung einen Sprecher von Alice Weidel, der Co-Chefin der AfD.Derzeit wird Sachsen-Anhalt von einer Koalition aus CDU, SPD und FDP regiert. Um eine Regierungsbeteiligung der AfD zu verhindern, erwägt der Ministerpräsident Sven Schulze inzwischen auch eine von der Linkspartei tolerierte CDU-Minderheitsregierung. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt.BSW könnte der AfD in Mecklenburg-Vorpommern kaum helfenIn Mecklenburg-Vorpommern ist eine Alleinregierung der AfD derzeit unwahrscheinlich. In den Umfragen kommt die Partei auf 36 Prozent. Selbst mit den Stimmen des BSW, das mit 5 Prozent nur knapp in den Landtag einzöge, wäre keine absolute Mehrheit möglich.Zweitstärkste Kraft ist in dem Bundesland laut Umfragen die SPD mit 27 Prozent. Linkspartei und CDU kämen zusammen auf 23 Prozent. Da die SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bereits eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen hat, wäre eine Dreierkoalition aus SPD, Linkspartei und CDU die einzige realistische Option ohne eine AfD-Beteiligung – oder eine von der SPD geführte Minderheitsregierung, toleriert von Linkspartei und CDU. Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern findet am 20. September statt.Eine Koalition mit der AfD lehnt das BSW bis jetzt abDie AfD und das BSW haben tatsächlich einige Gemeinsamkeiten. Beide Parteien fordern eine deutlich restriktivere Migrationspolitik. Zudem kritisieren sie die militärische Unterstützung der Ukraine und setzen stärker auf diplomatische Lösungen. Beide Parteien pflegen auch eine gewisse Nähe zu Russland.Trotzdem haben bisher sowohl Sahra Wagenknecht als auch der BSW-Co-Vorsitzende Fabio De Masi und der BSW-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Thomas Schulze, eine Koalition mit der AfD abgelehnt. «Die AfD ist für die Senkung von Steuern bei Reichen, ist für das traditionelle Rollenbild der Familie, die AfD ist klar für die Wiedereinführung der Wehrpflicht», sagte Schulze im März 2026 dem MDR. «Das sind alles Themen, die konträr zu unseren sind. Und deshalb brauchen wir uns über eine Koalition mit der AfD gar nicht weiter zu unterhalten.»Die Brandmauer hält jedoch auch Schulze für falsch. Das BSW in Sachsen-Anhalt werde sich «nicht einer allgemeinen Parteienlandschaft anschliessen, die nur dafür wirbt, eine AfD zu verhindern», sagte er. Fabio De Masi hatte bereits gesagt, die Partei wolle Anträge der AfD in der Sache prüfen.Wagenknecht fordert überparteilichen MinisterpräsidentenAuch Wagenknecht sieht die AfD skeptisch. «Eine Partei, die von 30, 40 Prozent gewählt wird, die muss natürlich in Zukunft in Sachsen-Anhalt auch Einfluss haben», sagte sie «Apollo News». Doch mindestens genauso viele Menschen lehnten Ulrich Siegmund, den AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, ab.Wagenknecht sprach sich für eine «Persönlichkeit» aus, die von den Wählern unterschiedlicher Lager akzeptiert sei. Ziel des BSW sei daher ein überparteilicher Ministerpräsident, der mit wechselnden Mehrheiten regiere, ohne Parteien auszugrenzen. Auch eine «Expertenregierung» sei denkbar.Passend zum Artikel