Wer mit wem – das ist eine wichtige Währung auf Asiens größter Technologiemesse, der Computex in Taipeh. Die großen Chipkonzerne schicken ihre Vorstandsvorsitzenden in die taiwanische Hauptstadt, um ihre neuen Produkte und Ideen vorzustellen, und die werben dann in erster Linie damit, wer ihre Produkte schon nutzt. Vertrauensstufe eins: Sie dürfen das Logo der Kunden zeigen. Vertrauensstufe zwei: Der Chef des Kunden lässt eine Videobotschaft abspielen. Das höchste der Gefühle: Der Chef kommt persönlich auf die Bühne, um die enge Partnerschaft zu beweisen.In der Hinsicht konnte Rene Haas, der Vorstandsvorsitzende des britischen Chipkonzerns Arm, am Dienstag sein Publikum beeindrucken: Jensen Huang, der Chef und Gründer von Nvidia, kam als Überraschungsgast zu seinem Vortrag im schicken Le-Meridien-Hotel dazu, und beide priesen noch einmal die gemeinsam entwickelten Prozessoren, mit denen sie die Windows-PCs von Microsoft für das KI-Zeitalter fit machen wollen. Huang hatte das schon am Vortag bekannt gegeben. „Ich mache eine Ankündigung, und dein Aktienkurs schießt in die Höhe“, scherzte Huang nun zu Haas.15 Prozent Kurssprung binnen zwei TagenUm gut 15 Prozent ist der Aktienkurs von Arm allein seit Montagfrüh gestiegen. Seit Anfang des Jahres hat sich der Börsenwert damit mehr als verdreifacht. Der Chipkonzern, der zu 86 Prozent der japanischen Investmentgesellschaft Softbank gehört, wird damit aktuell mit 436 Milliarden Dollar bewertet.Haas könnte damit auch persönlich bald zu einem der ganz großen Profiteure des KI-Booms werden. Laut Unterlagen, die Arm bei der amerikanischen Börsenaufsicht eingereicht hat, will das Unternehmen ihm ein Gehaltspaket zugestehen, das ihm im Idealfall mehr als eine Milliarde Dollar einbringen könnte. Neben großzügigen jährlichen Aktienprämien könnte er einen maximalen Bonus von 800 Millionen Dollar erhalten, wenn er bestimmte „außergewöhnliche Wachstumskennzahlen“ erreicht. Voraussetzung dafür ist, dass der Börsenwert von Arm unter seiner Ägide bis zum Jahr 2029 auf eine Billion Dollar steigt, im Jahr darauf dann auf 1,25 Billionen und bis Ende März 2031 dann auf zwei Billionen Dollar. Die britische Zeitung „The Guardian“ hatte zuerst über das Vorhaben berichtet, über das die Arm-Aktionäre auf der nächsten Hauptversammlung abstimmen sollen.Wettbewerb um höchstklassige Talente„Der Ansatz des Unternehmens bei der Vergütung von Führungskräften soll es Arm ermöglichen, die höchstklassigen Talente aus der globalen Technologiebranche anzuziehen und zu halten“, schreibt Arm in dem Schreiben an die Börsenaufsicht. Das Vergütungspaket solle nach US-Standards wettbewerbsfähig sein und den Standort der wichtigsten Konkurrenten für Führungskräfte und andere Talente widerspiegeln.Unter anderem die kräftigen Kursgewinne der Techkonzerne haben zuletzt die Gehaltspakete einiger Manager in bislang nicht gekannte Höhen getrieben. Viel Aufsehen erregte Elon Musk, der bei Erreichen bestimmter Kursziele von Tesla sogar bis zu einer Billion Dollar erhalten könnte. Aber auch der Facebook-Konzern Meta stellt laut Medienberichten einigen Managern Milliardengehälter in Aussicht.Die guten Geschäfte mit Nvidia und Microsoft sind aber nur ein Grund für die große Investorenbegeisterung für Arm. Einen kräftigen Schub erhielt die Aktie durch Haas’ Ankündigung im März, dass Arm nun Chips nicht mehr nur designe und die Lizenzen dafür an seine Geschäftspartner verkaufe. Vielmehr ist das Unternehmen jetzt selbst in den Verkauf der Prozessoren eingestiegen, die es sich vom taiwanischen Auftragshersteller TSMC produzieren lässt. Nachdem Haas für dieses erste eigene Produkt schon bei der Vorstellung im März erste namhafte Abnehmer wie Meta, Open AI und SAP präsentieren konnte, legte er am Dienstag noch einmal nach: Auch der amerikanische Rechenzentrenbauer Oracle und der chinesische Tiktok-Eigner Bytedance wollten die Zentralprozessoren bald nutzen.„Die Nachfrage ist phantastisch“Das vor zwei Monaten ausgegebene Ziel, bis zum Ende des Jahres 15 Milliarden Dollar Umsatz mit dem Verkauf der eigenen Chips zu machen, könne man womöglich schon früher erreichen. „Die Nachfrage ist stärker als erwartet“, sagte Haas und verwies vor allem auf die Rechenzentren für Künstliche Intelligenz, die derzeit in der ganzen Welt entstehen. „Die Nachfrage ist phantastisch.“ Die Investoren haben großes Vertrauen in seine Wachstumsversprechen. Mit der aktuellen Marktkapitalisierung bewerten sie Arm mit dem 475-Fachen seines Gewinns. Das sind selbst für einen Technologiekonzern viele Vorschusslorbeeren.Auch Masayoshi Son, die Investorenlegende hinter Softbank, weiß, was er an Haas hat. Als er im Jahr 2016 die Arm Holding übernahm, war sie noch 32 Milliarden Dollar wert, hat sich also seither im Wert mehr als verzehnfacht. Im April hat er den Amerikaner zum Vorstandsvorsitzenden der Softbank International Group ernannt, in der die ausländischen Beteiligungen koordiniert werden sollen. Japanische Medien spekulierten da schon darauf, dass der 68 Jahre alte Son Haas alsbald zu seinem Nachfolger an der Softbank-Spitze machen könnte. Dafür müsste ihm dann aber wohl ein noch besseres Gehaltspaket angeboten werden.