Haben Sie gelesen? Visma-Lease a Bike hat abstimmen lassen. Die Fans der Equipe von Jonas Vingegaard durften entscheiden, in welchem Trikot das Radteam die Tour de France fährt, die in diesem Jahr in Barcelona startet. Mehr als 100.000 Stimmen kamen zusammen. Eine schöne Reichweite. Bingo! Eine Menge potentieller Käufer. Gewonnen hat die dunkle Trikot-Version mit dem Namen „The Architect“.Wabenmuster mit Anleihen von Antoni Gaudí, der Sagrada Família – ein Design, das sich an dem legendären Baumeister und seiner nach 144 Jahren noch immer unvollendeten Kathedrale orientiert, sprich: an Barcelona und seiner Formenwelt. Die helle Variante des Trikots unterlag mit 48 Prozent der Stimmen nur knapp, bekam als Trostpreis aber den Zuschlag für das offizielle Ruhetagstrikot.Wer als Visma-Fan mithalten will, braucht jetzt also zwei Trikots. Und wenn man künftig irgendwo unterwegs einen Visma-Anhänger im hellen Trikot im Café sitzen sieht, ist klar: Bitte nicht stören! Ruhetag!

Damit hat ein Radteam, genauer gesagt dessen Marketingabteilung, etwas umgesetzt, was im Fußball längst zur Perfektion gereift ist: Heimtrikot, Auswärtstrikot, drittes Trikot, viertes Trikot, Sondertrikot, Jubiläumstrikot, Authentic-Version, Replica-Version, Player’s Edition. Kasse machen mit Trikots. Das können jetzt auch die Radler. Dazu muss ich sagen: Ich bin selbst passionierter Rennradfahrer. Das macht mich für Trikotfragen anfällig.Brauche ich ein aktuelles Visma-Teamtrikot? Und auch das Ruhetagstrikot, wo ich an Ruhetagen doch meist die beste Form zeige? Oder doch lieber das Trikot des Teams UAE, sprich der Vereinigten Arabischen Emirate, schließlich fährt dort Tadej Pogačar, der beste Mann im Peloton. Aber UAE? Ich als rollende Litfaßsäule in Sachen Sportswashing? Vielleicht Red Bull? Verleiht Flügel. Habe ich versucht, bekommt mir nicht, mir wird schlecht davon. Kurz gesagt: Es ist kompliziert mit den Trikots.Da fällt mir ein: Als die Kinder klein waren, fuhren wir gern nach Italien. Mit drei blonden Jungs ist man dort kein Störfall, sondern eine Attraktion. Wir fuhren in die Toskana und machten regelmäßig Ausflüge nach Pisa – weniger wegen des schiefen Turms als der Stände drumherum. Sie verkauften Fußballtrikots. Gefälschte, ja. Aber ist verjährt. Man bekam sie für kleines Geld. Milan, Inter, Juventus, Barcelona, Real, Italien, Brasilien, Frankreich, Deutschland, je nachdem, was das Kinderherz gerade begehrte. Die Kleinen trugen diese Trikots Tag und Nacht, und zwei Wochen lang liefen nicht drei deutsche Jungs durch Forte dei Marmi, sondern ein internationales Starensemble im Kleinformat.Ich weiß nicht, ob man an diesen Ständen in Pisa heute noch dieses verlockende Angebot findet. Kauft man noch im Fake-Discount? Eher nicht. Ich schätze, heute kauft man im Fanshop, in dem es aussieht wie beim Juwelier. Man kauft das Original. Das bekommt man nicht für den Gegenwert von zwei Tassen Cappuccino, sondern für 100 Euro aufwärts. Damit laufen dann erwachsene Männer in ihrer Freizeit herum.Ihre Botschaft: Fly Emirates! Qatar Airways! Ein rätselhaftes Phänomen. Beim FC Barcelona kostet die Player’s Edition 165 Euro. Was das Visma-Trikot kosten wird, ist noch nicht raus. Ich tippe auf irgendwas zwischen 99,95 und 149,90 Euro. Das Ruhetagstrikot geht extra. Der Cappuccino auch.