Planbar war das natürlich nicht, dass die launige, kleine Satire-Revue um einen in Not geratenen Pottwal, die der Allround-Künstler Heiner Bomhard am vergangenen Wochenende im Deutschen Theater uraufführte, so direkt an die realen Riesenmeeressäuger-Dramen dieser Tage andocken kann. Ein bisschen Finderglück aber darf eine clever ausgefuchste Stückentwicklung schon haben. Gerade auch, wenn sie selbst diese Aktualität so gedämpft in die eigene Präsentation einflechtet, wie es der „Gesang des Pottwals“ nun tut.

Aber von Anfang an: Bomhards Walgesang, für den das Deutsche Theater eigens eine kleine, hölzerne Open-Air-Bühne in seinen Hinterhof gebaut hat, ist kein billiges Timmy-Kabarett.

Theater

Siri, sag mir ein Konzept für „Die Physiker“ am Deutschen Theater. Verwende zwei Baukästen.

Wohl aber so etwas wie der lockere Wiederbelebungsversuch eines riesigen, gestrandeten Kunstkörpers, der so ziemlich alles sein kann, was man am Theater hasst und liebt: von der plötzlich entdeckten Partitur einer nie gespielten Fischoper eines Meisterkomponisten über die Allmachtsfantasien eines großkopferten Regisseurs, der diese mit allem Überbietungspipapo (und echtem Wal, natürlich) aufführen will, bis hin zu den revolutionären Keimzellen der Malocher hinter der Bühne und dem ganzen, schummrigen Auf und Ab des Theaters überhaupt samt der Politik in all seinen Hohlräumen.