PfadnavigationHomeRegionalesHamburgMusical„Witzigkeit kennt keine Grenzen“Veröffentlicht am 12.06.2025Lesedauer: 3 MinutenDer Moment der Wahrheit. Heinz Wäscher (Nik Breidenbach, l.) hat fertig, Peter Schlönzke (Philip Rakoczy als Hase) übernimmt vor den Augen des FernsehballettsQuelle: Dennis MundkowskiDas Musical „Kein Pardon“ – Hape Kerkelings satirische Abrechnung mit der Fernsehwelt der Siebziger und Achtzigerjahre – feiert am First Stage Theater mit den Hauptdarstellern Nik Breidenbach und Philip Rakoczy in einer höchst unterhaltsamen Version von Regisseurin Franziska Kuropka Premiere.Im unmöglichsten Moment reißt Peter Schlönzke (Philip Rakoczy) sich den Kopf seines lustigen Glückshasenkostüms vom Haupt und erklärt in der Fernseh-Unterhaltungsshow vor laufenden Kameras, dass er das Schnäuzchen voll hat vom verlogenen Getue des Showmasters, Publikumslieblings und Gebissträgers Heinz Wäscher (Nik Breidenbach). Der verliert daraufhin seinen Job und schlägt sich als Alleinunterhalter auf Familienfeiern und bei der Eröffnung von Supermärkten durch. „Kein Pardon“ – vom Film zum Musical Die Szene aus dem Kinofilm „Kein Pardon“ von 1993 mit Showmaster Heinz Schenk alias Heinz Wäscher und Hape Kerkeling als Schlönzke wirkt auch 33 Jahre später im gleichnamigen Musical von Thomas Hermanns (Buch und Liedtexte) und den Komponisten Achim Hagemann und Thomas Zaufke (2011 uraufgeführt) noch erschütternd. Zumal Schlönzke in der Show „Witzigkeit kennt keine Grenzen“ als Nachfolger von Wäscher engagiert wird – bis er ein Jahr später selbst wegen schlechter Quoten rausfliegt. Was Kerkeling damals aus der Mitte der bundesrepublikanischen Gesellschaft und der Mitte des Landes heraus (Heinz Schenk spricht hessisch, Peter Schlönzke hört man den Ruhrpott weniger an als seiner Familie) auf die Schippe nahm, wird für die älteren Zuschauer des Musicals im First Stage Theater in Altona zu einer komisch-nostalgischen Reise und für die Jüngeren zu einer unterhaltsamen Geschichtsstunde. Musical-Profi und Schmidt-Theater-Star Nik Breidenbach spielt mit 32 Absolventen der Stage School, die kleine Bühne ist wie in diesem Haus üblich sehr gut gefüllt. Die lebendigen Choreografien von Sven Niemeyer, die nicht nur das Fernsehballett, sondern auch den Zeitgeist hübsch nachbilden, müssen sehr exakt getanzt werden, damit die Darsteller einander nicht in die Quere kommen. Breidenbach in Bestform ist ein EreignisBreidenbach präsentiert sich an diesem Abend in Bestform, schlagert und dramatisiert sich als Heinz Wäscher tapfer coregatabsleugnend durch Erfolg und Abstieg – bis er in seiner Zweitrolle als alternde Schlagerdiva Uschi Blum (eines der vielen alter egos Kerkelings) bei Nachfolger Schlönzke einen tollen Travestie-Auftritt hinlegt. Philip Rakoczy kann Breidenbach das Wasser reichen. Einigen Absolventen der Stage School gelingt es in der punktgenauen Regie von Kuropka ihr schauspielerisches wie komisches Talent zu demonstrieren. Herausragend gelingt das neben Rakoczy auch Ilka Kottkamp als Tontechnikerin Ulla, die sich schon mit Schlönzke anfreundet, als er noch Kabelträger ist. Weiter glänzen Timo Stark als Wiener Regisseur Bertram und Munja Meier als Peters Mutter Hilde, wobei letztere schauspielerisch und gesanglich einen Tick zu weit aufdreht, was ein leichtes Ungleichgewicht in die harmonischen Familienszenen bringt. Wundervoll ist die Ausstattung des Musicals mit 26 Röhrenfernseher-Bildschirmen, über die Fernsehbilder von Helmut Kohl über Rudi Carell bis zu Klausjürgen Wussow als Professor Brinkmann in der „Schwarzwaldklinik“ flimmern, Bilder von Senta Berger, dem Krümelmonster aus der „Sesamstraße“, Fußballtrainer Otto Rehhagel sowie Hanns Joachim Friedrichs, bis 1991 das Gesicht der „Tagesthemen“. Inaktuelle SchlagerparadeDie Songs zur Live-Band unter Leitung von Nicolas Mischke nehmen Darsteller wie Besucher mit auf eine 140-minütige Reise durch den guten, alten deutschen Schlager, von „Bottrop Beach“ über „Biene Maja“ bis zu „Kein Pardon“ und den Abschluss-Kerkeling-Hit „Das ganze Leben ist ein Quiz“. Termine: First Stage Theater, Thedestraße 15, bis 19. Juli