PfadnavigationHomeRegionalesHamburgPremiereDrei Liebespaare und ein TodesfallVeröffentlicht am 04.09.2025Lesedauer: 3 MinutenImprovisationen der Schüler sind nicht immer gern gesehen – diese aber dochQuelle: Dennis MundkowskiDas Altonaer First Stage Theater zeigt mit einem engagierten Profi-Ensemble eine berührende Neuinszenierung des Musical-Klassikers „Fame“ in der Regie von Erik Petersen.Der Weg zum Ruhm ist hart, noch härter aber sind: Die Aufnahmeprüfung in die High School of Performing Arts in Manhattan, die vier Schuljahre und die Abschlussprüfung. 97 von 1500 Bewerbern bekommen im Musical „Fame“ von David de Silva – nach dem Kinofilm von Alan Parker aus dem Jahr 1980 – einen Ausbildungsplatz und mit ihm die Chance auf eine Künstlerkarriere. Die jüngste Hamburger „Fame“-Inszenierung ist seit Mittwoch im First Stage Theater in Altona zu erleben. Dabei spielen ausgerechnet in „Fame“ keine Schüler der Stage School, deren Heimat diese Bühne ist, sondern ausschließlich Absolventen und andere Profis. Fantastisch getanzte SpitzenchoreografieNeben einigen Darstellern sind vor allem Regisseur Erik Petersen für eine berührende, stringent erzählte und glaubwürdige Show sowie Choreografin Sabine Arthold für so erfindungs- wie abwechslungsreiche Tänze zu rühmen, die perfekt für die im Vergleich mit anderen Theatern überschaubare Bühnenfläche eingerichtet sind. Auch die vierköpfige Live-Band unter Leitung von Nicolas Mischke macht einen erstklassigen Job.Der Weg, auf dem die Schüler im Musical nicht nur zu Tänzern, Musikern oder Schauspielern werden, sondern vor allem erwachsen, wird in den Geschichten von drei höchst unterschiedlichen, unwahrscheinlichen Liebespaaren in zwei Akten und 14 Songs erzählt. Hinzu kommen die vorprogrammierten Reibereien mit den mehr oder weniger akademischen Lehrkräften, die immer wieder eskalieren, bis sie sich schließlich meist in gegenseitigem Wohlgefallen auflösen. Schief geht die Geschichte nur für Carmen Diaz (sehr schön immer einen Tick zu aufgedreht: Victoria Kerbl), die an ihrer Sucht nach Ruhm und Drogen früh zu Grunde geht, weil sie auf einen windigen Agenten aus Hollywood hereinfällt und anschließend die Kurve nicht mehr kriegt. Auf der Bühne werden die meisten der tragikomischen Geschichten im Vergleich zum Film verschlankt. Babak Malekzadeh beweist sein komisches Talent In Altona gibt es harte Schnitte zwischen den Szenen. Erneut glänzt hier – wie zuletzt in „Kein Pardon“ von Hape Kerkeling Ilka Kottkamp, diesmal als naive Schauspiel-Schülerin Serena, die als Julia vom ersten Schultag an nach ihrem Romeo sucht. Den findet sie schließlich in Nick Piazza (überzeugend nervös: Christopher Dederichs), der diese Rolle von Joe Vegas übernimmt. Babak Malekzadeh ist zwar als Romeo im Stück im Stück eine komplette Fehlbesetzung, in „Fame“ aber ein Volltreffer, der sein komisches Talent als Joe voll ausspielen kann. Leichte Differenzen mit Schauspiellehrer Mister Meyers (professionell gefühlsbetont: Stefan Reil) löst letzterer schließlich einfühlsam und einsichtig. Ansonsten sind da noch die erfahrenen Hauptrollen-Musicaldarstellerinnen Kerstin Ibald als Miss Sherman, die ein wunderbares Duett mit Tanzlehrerin Miss Bell (Ann-Kathrin Amborn), das zu den Höhepunkten des Abends zählt. Ansonsten ficht Sherman einen Strauß mit dem ebenbürtigen Newcomer Jeslord Akuoko als Analphabet Tyrone Jackson aus. An dessen Seite überzeugt Rose Vandrey in der Rolle der Iris Kelly tänzer- wie schauspielerisch. Stark ist auch der Gospelausbruch von Daniela Tweesmann als Mabel Washington. Er beweist, dass die musikalischen Qualitäten des Werkes nicht auf den Oscar-prämierten Song „Fame“ beschränkt sind. Auch Hits wie „I Want To Make Magic“ oder „Bring On Tomorrow“ sind regelrechte Ohrwürmer. Neben den namentlich genannten Darstellern ergänzt ein engagiertes Ensemble die Showtruppe.Viele Lieder auf Deutsch, manche Hits auf EnglischInteressanterweise werden in der aktuellen deutschen Inszenierung in Altona viele Songs auf Deutsch gesungen, einige hingegen verbleiben im englischen Original. Aber das stört keinen großen Geist, sondern wirkt so organisch wie ein Wechsel der Sprache im Radio, wenn nach den Beatles ein Lied von Udo Lindenberg erklingt. Der Weg zu neuem Ruhm mit „Fame“ ist, so wird an diesem Abend deutlich, so beschwerlich wie die Ausbildung in New York. Das Regieteam besteht die Prüfung glänzend. „Fame“, First Stage Theater, bis 12. Oktober