PfadnavigationHomeRegionalesHamburgPremiere„Dantons Tod“ langweilt zu TodeVeröffentlicht am 12.09.2025Lesedauer: 3 MinutenDanton (Anatol Käbisch) und Camille Desmoulins (Nina Carolin) werden zum Tode durch die Guillotine verurteiltQuelle: Sinje Hasheider/SINJE HASHEIDERDer Auftakt der ersten Saison im Ernst-Deutsch-Theater unter der Intendanz von Daniel Schütter und Ayla Yeginer wurde mit Spannung erwartet. Sie hielt nicht lange an, obwohl ein Meisterwerk von Georg Büchner auf dem Programm stand.Warum hat Regisseurin Kathrin Mayr zum Spielzeitauftakt am Ernst Deutsch Theater (EDT) „Dantons Tod“ von Georg Büchner inszeniert? Auch nach der Premiere weiß das niemand außer Mayr. So gab es nach dem Generationswechsel in der Theaterleitung – Isabella Vértes-Schütter übergab nach 30 Jahren als Intendantin das Theater an ihren Sohn Daniel Schütter, der es gemeinsam mit Co-Intendantin Ayla Yeginer leitet – einen holprigen Start in die neue Saison. Erstmals standen auch fünf Mitglieder des neuen, festen EDT-Ensembles auf der Bühne und konnten nur zum Teil überzeugen.Abolitionistische und feministische Büchner-ErweiterungRegisseurin Mayr ergänzte den Text von Georg Büchner um zwei emanzipatorische, historische Texte aus der Entstehungszeit des Dramas. Eine Rede zur Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien. Und eine Rede der Revolutionärin und Frauenrechtlerin Olympe de Gouges: „Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“. Zwei unzweifelhaft wichtige Texte, die allerdings kaum etwas mit dem Stück zu tun haben und die nahezu handlungsfreie Inszenierung noch weiter in die Länge zogen.Ferner gab es weitere Woke-Elemente, die das Stück verschlimmbesserten. Camille Desmoulins, Revolutionskumpel von Danton und Schulkamerad von Robespierre, wurde in einer Hosenrolle von Nina Carolin gespielt, die ihre Sache ordentlich machte. Julie, Dantons Gattin und die Grisette Marion verkörperte in einer Doppelrockrolle ein schwarzer Darsteller, der sich K nennt. K kann auf eine Reihe von Auftritten an Hamburger Theatern zurückblicken und spielte als Julie mäßig vor sich hin.Schwacher Danton, starker RobespierreEine Fehlbesetzung war bedauerlicherweise Anatol Käbisch als Danton. Käbisch jammerte oder schrie gern mal, andere Ausdrücke waren gefühlt kaum vorhanden, zudem erwies er sich als nicht sonderlich textsicher. Danton als großer Anführer und Redner der Revolution kam daher an diesem Abend nicht vor. Im Grunde war Käbischs Danton schon so lebensüberdrüssig und revolutionsfern, dass es bis zum Tod durch Langeweile in Mayrs Inszenierung nur ein kleiner Schritt gewesen wäre. Im Publikum ließ sich das gut nachfühlen. Letztlich fällt am Ende des Abends – er endet mit einer rein akustischen Hinrichtung – doch noch das Beil. Aaron Brömmelhaup gelang der St. Just keinen Deut besser als Käbisch der Revolutionsführer. Er tänzelte misanthropisch durch die Gegend, statt im Hintergrund die Strippen gegen Danton zu ziehen. Richtig gut spielte Ines Nieri als Desmoulins Gattin Lucile und vorzüglich war an diesem Abend Stefan Schießleder als Robespierre, der einzige der sechs Darsteller, der nicht zum neuen Ensemble des Theaters zählt. So flogen die Sympathien dem Widersacher und Mörder von Danton zu, dem es gelingt, den Erfinder des Wohlfahrtsausschusses zu dessen Opfer zu machen.Notlösung im Theater: Augen zu und durchDie Ausstattung der Bühne von Hannah Petersen war etwa so schlüssig wie die Regie. Eine Staffel von roten Rahmen suggerierte eine Tiefe von Räumen in unterschiedlichen Ebenen. Die Kostüme waren grell und bunt, die Frisuren übertrieben getürmt, die ganze Truppe affektiert ausstaffiert statt kostümiert. Das Musikkonzept von Clemens Mägde bleibt dunkel: wenn Musik erklingt, stört sie.Allerdings liebt Kathrin Mayr offenbar Georg Büchers Sprache und ließ den Text in aller Ausführlichkeit so gut wie möglich vortragen. So ergab sich als Notlösung im Theater: Augen zu und durch. Als Hörspiel war der Abend ganz passabel.Termine: bis 18. September, 11. bis 18. Oktober, 28. April bis 3. Mai 2026