PfadnavigationHomeRegionalesHamburgSt. Pauli TheaterStart mit FreudenschussVeröffentlicht am 09.09.2025Lesedauer: 5 MinutenSorgen bald neben der Davidwache auf dem Kiez für Ordnung: Patrick Abozen, Sven Fricke, Maria Ketikidou, Saskia Fischer, Farina Flebbe und Enrique Fiß vom „Großstadtrevier“Quelle: Jürgen Joost/Juergen JoostDas Team vom „Großstadtrevier“ wagt neben der Davidwache den Schritt vom Dreh zum Bühnenstück. Katja Riemann stoppt in einem großen Solo das Altern der Frauen. Franz Wittenbrink erweckt im Hansa Theatersaal „Das weiße Rößl“.Irgendwie fühlte es sich völlig falsch und zugleich goldrichtig an, als die Darsteller der NDR-Fernsehserie „Großstadtrevier“ auf der Bühne des St. Pauli Theaters über die Unterschiede zwischen Bühnen- und Fernsehproduktionen philosophierten und was das wohl für sie persönlich bedeutet, wenn sie Abend für Abend Auge in Auge mit dem Publikum live abliefern müssen, wofür sie beim Dreh mehrere Versuche haben. Manche aus der aktuellen Besetzung, allen voran Patrick Abozen, können ja durchaus Erfahrungen und Erfolge als Theaterschauspieler vorweisen. Andere, wie das aktuell wohl prominenteste Gesicht der Serie, Maria Ketikidou, und auch Saskia Fischer, sind eindeutig als Film- und Fernsehdarstellerinnen bekannt. Damit ist bald Schluss. Denn von der Voraufführung am 8. Oktober an steht die sechsköpfige Truppe in „Ein Stück Großstadtrevier“ von Fischer auf dem Spielplan der alten Hamburger Bühne direkt neben der Davidwache. Die Premiere findet einen Tag später statt. Katja Riemann wird zu SeraphinaOffenbar haben die Polizistendarsteller Spaß miteinander, wie der Auftritt bei der Gala im St. Pauli Theater zeigte, das dürfte dem Regisseur Guntbert Warns und dem Co-Regisseur Ulrich Waller die Arbeit erleichtern. Und letztlich können die meisten Filmdarsteller den Job ja auch auf der Bühne – so wie Katja Riemann, die mit dem Monolog „Di-Vi-Si-On“ vom Renaissance Theater in Berlin ans St. Pauli Theater kommt. Geschrieben hat Riemann das Stück gemeinsam mit ihrer Tochter Paula Romy, die auch Regie führte. Bei der Kostprobe auf der Gala hatte der Filmstar die Lacher*innen auf ihrer Seite, ging es doch um die den Alterungsprozess und seine körperlich gelegentlich als unschön empfundenen Folgen für Frau und Mann. Im Stück hat die Wissenschaftlerin Seraphina ein Serum entwickelt, dass den Alterungsprozess bei Frauen stoppt und ihnen Schwangerschaften bis zum Alter von 79 Jahren ermöglicht… im Frühjahr 2026 soll es seine Hamburg-Premiere feiern. Durch die Gala führte schlagfertig und ohne überflüssiges Geschnacke die Moderatorin und Musikerin Katie Freudenschuss.„Im weißen Rössl“ als One-man-showTraditionell wurden die Kostproben aus Produktionen der beginnenden Saison durch die Auftritte zweier Kabarettisten ergänzt: Arnulf Rating hat vom Durchblättern der Titelzeilen der „Bild“-Zeitung zeitgemäß auf Projektionen von Nachrichten aus dem Internet umgestellt, wobei es nicht immer mehr oder minder seriöse Medien, sondern durchaus satirische Darstellungen sein dürfen – insbesondere des amerikanischen und des russischen Präsidenten, die er als Steilvorlagen für die auf die Spitze getriebene Verzweiflung auf hohem Niveau nutzt. Der zweite alte weiße Mann, der auf der Bühne sicher durch die aktuellen politischen Erosionen wandelte und dabei den Gipfel der Lakonie erklomm, war Matthias Deutschmann, der sich zum Schluss seiner Predigt in einen Schlagabtausch von Bibelzitaten steigerte, die er sich selbst um die Ohren haute. Einer der Höhepunkte des Abends war die Vorstellung der Operette „Im weißen Rössl“ von Hans Müller und Erik Charell durch den singenden Pianisten Franz Wittenbrink, der im Schweinsgalopp durch die Story und die Hits des Stückes führte, wobei er nicht nur als Erzähler tätig war, sondern auch alle anderen Rollen in perfekt imitierten Dialekten (Salzburger, Hamburger, Berliner, Wiener) übernahm. Großartig. Das war fast besser, als das Stück in voller inszenierter Pracht. Das „Weiße Rössl“ wird seine Premiere am 20. März kommenden Jahres im Hansa Theatersaal erleben, mit einem vollen Ensemble. Unter anderem singspielen Victoria Fleer, Michael Prelle, Michael Rotschopf, Stephan Schad, Anneke Schwabe und Holger Dexne.„Das letzte Band“ von Beckett mit Christian RedlZu den neuen Theaterinszenierungen zählt in der neuen Saison das „Das letzte Band“ von Samuel Beckett, das am St. Pauli Theater zuletzt vor 20 Jahren von Otto Sander gespielt wurde, diesmal inszeniert und ausgestattet vom Starfotografen Jim Rakete, gespielt von Christian Redl. Die Premiere ist für den 12. Februar 2026 geplant. Zur Einstimmung las Redl mit seiner Charakterstimme aus dem Tagebuch Becketts von 1936, in der er von Oktober bis Anfang Dezember 1936 seine Erlebnisse in Hamburg schildert. „Geheimnisse“ lautet der Titel eines neuen Stücks von Sebastian Blanc. Gespielt von Sebastian Bezzel und Götz Otto, wird seine Deutsche Erstaufführung am 21. Februar in der Regie von Ulrich Waller über die Bühne des St. Pauli Theaters gehen. Weiter geplant sind „Die Freundschaft“ nach dem Roman von Connie Palmen in der Regie von Dania Hohmann (Januar 2026) sowie „Blind“ von Lot Vekemans. Nadja Petri und Gustav Peter Wöhler spielen das Vater-Tochter-Drama, denn die beiden haben einander nicht viel zu sagen – bis der Vater droht, zu erblinden und seine Tochter bittet, ihn zu pflegen (Premiere: 9. April). Der nach den genannten Premierenterminen noch löchrig wie ein Schweizer Käse wirkende Spielplan wird mit Wiederaufnahmen von Erfolgsproduktionen der vergangenen Jahre aufgefüllt. So ist „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill noch einmal Mitte November und Anfang Dezember zu erleben. „Das perfekte Geheimnis“ und „Nebenan“ stehen wie „1h22 vor dem Ende“ und „Die Carmen von St. Pauli“ erneut im Programm. Und auch „Cabaret“ mit Tim Fischer kehrt zurück, allerdings in den Hansa Theatersaal. Weil dem Musical, der „Dreigroschenoper“ und der „Carmen“ vor und nach der Pause ohne Fischer viel Raum gegeben wurde, uferte die Gala zu etwas uninspirierter Livemusik eines Orchesters auf der Bühne ein wenig unglücklich aus. Denn als Schlager ohne Kontext taugen die Hits aus den Stücken nur bedingt. Das volle Programm: st.pauli-theater.de
St. Pauli Theater: Start mit Freudenschuss - WELT
Das Team vom „Großstadtrevier“ wagt neben der Davidwache den Schritt vom Dreh zum Bühnenstück. Katja Riemann stoppt in einem großen Solo das Altern der Frauen. Franz Wittenbrink erweckt im Hansa Theatersaal „Das weiße Rößl“.







