Tschechisches Gericht : Früherer Neonazi Liebich wird nach Deutschland ausgeliefert01.06.2026, 15:10Lesezeit: 2 Min.Marla-Svenja Liebich führte früher als Sven Liebich eine Neonazi-Gruppe an. Nach einer Verurteilung wegen Volksverhetzung floh Liebich in die Tschechische Republik – und wird nun ausgeliefert.Der langjährige Rechtsextremist Sven Liebich, der aufgrund eines geänderten Geschlechtseintrags inzwischen Marla-Svenja Liebich heißt, soll nach Deutschland ausgeliefert werden. Das entschied am Montag das Landgericht im tschechischen Pilsen. Liebich kann gegen die Entscheidung Beschwerde einreichen, die Entscheidung ist damit noch nicht rechtskräftig. Liebich sitzt seit Anfang April in der Tschechischen Republik in Haft. Liebich war in das Nachbarland geflohen, um einer Haftstrafe in Deutschland zu entgehen.In Deutschland hatte das Amtsgericht Halle Sven Liebich im Juli 2023 wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von anderthalb Jahren ohne Bewährung verurteilt. Der Fall erlangte einige Aufmerksamkeit, da Anfang 2025 bekannt wurde, dass der frühere Anführer der verbotenen neonazistischen Gruppierung „Blood and Honour“ seinen Geschlechtseintrag von männlich auf weiblich und den Vornamen in Marla-Svenja hatte ändern lassen.Festnahme nahe der deutsch-tschechischen GrenzeAuf diese Weise versuchte Liebich nach der Verurteilung, die Behörden mit dem geänderten Geschlechtseintrag auch in den sozialen Medien öffentlich vorzuführen. Unter anderem forderte Liebich „als bekennende Jüdin“ koschere Kost in der Haft und lud zum Haftantritt als „große JVA-Einzugsparty“ mit Sekt. Dazu kam es dann aber nicht, da Liebich untertauchte.In der Tschechischen Republik wurde Liebich im April wenige Kilometer hinter der deutschen Grenze in der Ortschaft Schönbach aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen. Die Festnahme war das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit der tschechischen Behörden und der Ermittler aus Sachsen-Anhalt, die Liebich nach Informationen der F.A.Z. schon vor einiger Zeit auf die Spur gekommen waren, obwohl Liebich sich sehr konspirativ verhielt und sich zudem äußerlich stark verändert haben soll. Nach einem Bericht der „Mitteldeutschen Zeitung“ trug Liebich bei der Festnahme Männerkleidung und hatte einen kahl geschorenen Kopf.Liebich war von der tschechischen Polizei zunächst in Gewahrsam genommen worden. Die Auslieferung nach Deutschland lehnte Liebich ab, weshalb das Landgericht Pilsen über den Antrag der Staatsanwaltschaft Halle entscheiden musste. Am ersten Verhandlungstag im Mai bekräftigte Liebich in Pilsen, dem Antrag nicht zuzustimmen, „weil ich im Gefängnis getötet würde“. Liebich habe die Befürchtung, in Deutschland in ein Gefängnis für Männer gebracht zu werden. Dies sei menschenverachtend und diskriminierend. Es drohe Mobbing durch andere Gefangene, so Liebich. Liebich sollte die Haft in Deutschland im Frauengefängnis der JVA Chemnitz antreten.Aufgrund der Flucht haben sich die Aussichten Liebichs, schon bald nach einem Haftantritt in den offenen Vollzug zu gelangen, deutlich verschlechtert.