Die Entscheidung über die Auslieferung des langjährigen Rechtsextremisten Sven Liebich, der aufgrund eines geänderten Geschlechtseintrags inzwischen Marla-Svenja Liebich heißt, ist vertagt. Das Landgericht im tschechischen Pilsen, das an diesem Montag über die Auslieferung nach Deutschland entscheiden sollte, setzte den 1. Juni für eine Urteilsverkündung fest. Liebich hatte am Montag vor Gericht unter anderem Befürchtungen über die eigene Sicherheit in einem deutschen Gefängnis geäußert. Liebich sitzt seit Anfang April in tschechischer Haft.In Deutschland hatte das Amtsgericht Halle Sven Liebich im Juli 2023 wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von anderthalb Jahren ohne Bewährung verurteilt. Sofort antreten musste der frühere Anführer der verbotenen neonazistischen Gruppierung „Blood and Honour“ die Strafe aber nicht. Als es so weit war, im August 2025, floh Liebich.Provokationen in den sozialen MedienAnfang 2025 war bekannt geworden, dass Liebich seinen Geschlechtseintrag von männlich auf weiblich und den Vornamen in Marla-Svenja hatte ändern lassen. Liebich stilisiert sich in den sozialen Medien seitdem zu einer Widerstandsfigur und provoziert in alle Richtungen. Liebich postete etwa auf der Plattform X: „Ich habe diesen Weg nicht selbst gewählt oder geplant. Es sorgen andere dafür. Ich wollte einfach in Ruhe mein Leben als Frau und Mutter leben. Dies war mir nicht vergönnt.“Auf diese Weise versuchte Liebich nach der Verurteilung, die Behörden mit dem geänderten Geschlechtseintrag auch in den sozialen Medien öffentlich vorzuführen. Der Fall sorgte für bundesweites Aufsehen. Unter anderem forderte Liebich „als bekennende Jüdin“ koschere Kost in der Haft und lud zum Haftantritt als „große JVA-Einzugsparty“ mit Sekt. Dazu kam es dann aber nicht, da Liebich untertauchte.In der Tschechischen Republik wurde Liebich im April wenige Kilometer hinter der deutschen Grenze in der Ortschaft Schönbach aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen. Die Festnahme war das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit der tschechischen Behörden und der Ermittler aus Sachsen-Anhalt, die Liebich nach Informationen der F.A.Z. schon vor einiger Zeit auf die Spur gekommen waren, obwohl Liebich sich sehr konspirativ verhielt und sich zudem äußerlich stark verändert haben soll. Nach einem Bericht der „Mitteldeutschen Zeitung“ trug Liebich bei der Festnahme Männerkleidung und hatte einen kahl geschorenen Kopf.Liebich war von der tschechischen Polizei zunächst in Gewahrsam genommen worden. Die Auslieferung nach Deutschland lehnte Liebich ab, weshalb das Landgericht Pilsen über den Antrag der Staatsanwaltschaft Halle entscheiden musste. Am Montag bekräftigte Liebich in Pilsen, dem Antrag nicht zuzustimmen, „weil ich im Gefängnis getötet würde“. Liebich habe die Befürchtung, in Deutschland in ein Gefängnis für Männer gebracht zu werden. Dies sei menschenverachtend und diskriminierend. Es drohe Mobbing durch andere Gefangene, so Liebich. Liebich sollte die Haft in Deutschland im Frauengefängnis der JVA Chemnitz antreten.Aufgrund der Flucht haben sich die Aussichten Liebichs, schon bald nach einem Haftantritt in den offenen Vollzug zu gelangen, deutlich verschlechtert.