Die Manus-Saga31.05.2026, 15.20 Uhr8 LeseminutenErfolg ist gefährlich in China. Xiao Hong war auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, so erfolgreich wie kaum ein Startup-Unternehmer in China, und das mit Anfang 30. Zusammen mit dem gleichaltrigen Ji Yichao, «Peak», hatte er Manus gegründet. Ein KI-Agent, der eigenständig Flüge buchen, E-Mails sortieren, Webseiten bauen kann. Vor einem Jahr stellten sie die App der Welt vor, es war ein Durchbruch, die Zukunft der KI – made in China. In ihrem Heimatland wurden sie dafür als Nationalhelden gefeiert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch dann verlegten sie den Firmensitz nach Singapur und galten plötzlich als Landesverräter. Schwerreiche Verräter. Denn die amerikanische Firma Meta wollte Manus kaufen. Im Dezember ging der Deal über den Tisch für 2 Milliarden Dollar, im Rekordtempo.Innert Kürze schalteten sich Chinas Behörden ein. Sie wollten prüfen, ob die Transaktion gegen chinesische Gesetze verstossen hatte. Im März wurden Xiao Hong und Peak bei der mächtigen Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission in Peking zu einem Gespräch geladen. Darauf hiess es, wie die Financial Times berichtete, Xiao und Peak dürften das Land nicht mehr verlassen. Seither: Funkstille.Die Manus-Saga ist ein Lehrstück über ein neues Dilemma der chinesischen Regierung: Wie umgehen damit, wenn sich chinesische Spitzen-Startups an ausländische Investoren verkaufen wollen? Das Geld der Amerikaner ist willkommen – aber was, wenn Wissen abfliesst, das in China mühsam aufgebaut wurde? Das KI-Startup Deepseek sucht laut Medienberichten nach neuen Investoren. (noch ein Beispiel?) Chinesische Gründer beobachten genau, was mit Manus passiert, weil sich daran auch ihr Schicksal entscheidet.Zwei Wunderkinder tun sich zusammenXiao Hong, der Manus-Gründer, ist ein typischer Computer-Geek. Über ihn heisst es, dass er aus einfachen Verhältnissen stamme, einer Kleinstadt in der Provinz Jiangxi im Süden Chinas. Auf einem alten Computer soll er sich als Kind selbst das Programmieren beigebracht haben. Er studiert Software Engineering, entwickelte schon auf dem Campus Apps und gründete 2015 nach dem Bachelor direkt sein erstes Unternehmen, Nightingale Technology, in einer kleinen Mietwohnung in Wuhan. Er programmierte Mini-Anwendungen für die gerade populär werdende Super-Social-App WeChat.Dann lernt Xiao Hong Peak kennen. Peak hat vieles gemeinsam mit Xiao Hong, auch er ist ein Wunderkind, der bereits als Teenager einen populären Mobile-Browser entwickelt. Auch er ist Jungunternehmer, beide werden von derselben Risikokapitalgesellschaft unterstützt, die die beiden dann auch zusammenbringt. Aber Peak stammt aus Peking, aus privilegierten Verhältnissen, er hat als Kind kurz in den USA gelebt, weil sein Vater dort eine Stelle als Gastwissenschafter angenommen hatte.Zusammen gründen die beiden 2022 die Firma «Beijing Butterfly Effect». Im selben Jahr hat KI mit dem grossen Sprachmodell Chat-GPT seinen globalen Durchbruch, und auf KI konzentrieren sich die beiden ab sofort. 2023 bringen sie die Browser-Erweiterung Monica auf den Markt, das verschiedene grosse Sprachmodelle integriert. ByteDance will es für 30 Millionen Dollar übernehmen, aber Xiao Hong lehnt ab. Im März 2025 veröffentlichen sie den KI-Agenten Manus.Das Ankündigungsvideo schlägt ein, es hat heute über 3 Millionen Views – viel für ein Werbevideo auf Youtube. Der 32-jährige Peak spricht schnell und akzentfrei Englisch, er wirkt locker, seine Begeisterung für das, was er der Welt vorstellt, echt.Man nimmt Peak ernst. Und was er verspricht, weckt Neugierde. Denn Manus ist etwas Neues. Es ist kein Chatbot, sondern der erste richtige KI-Agent.Der erste autonome KI-AgentWenn man Manus etwa darum bittet, eine günstige Zugfahrt von Zürich nach Paris zu finden, besucht er eigenständig die passenden Webseiten, gibt Start- und Zielbahnhof ein, kann Dinge anklicken. Wenn es keine Schranken gäbe, die Bots abfangen, könnte er Tickets sogar selbst kaufen. Und er ist auch noch lange nicht verlässlich genug, um ihm freie Hand mit Kreditkartendaten zu geben.Heute gibt es verschiedene Programme, mit denen KI autonom das Internet nutzen kann. Open Claw oder Claude Code kann man sogar auf den eigenen Computer Zugriff gewähren. Vor einem Jahr war Manus aber ein Unikat. Die Gründer haben gar kein eigenes KI-Modell trainiert. Sie haben aber geschafft, ein Programm zu bauen, das mehrere KI-Modelle koordiniert, um die Wünsche der Nutzer erfüllen: Im Hintergrund von Manus laufen Modelle von Anthropic oder Alibaba. Mit diesem Trick übertraf Manus nach eigenen Angaben alle Konkurrenz bei autonomen Aufgaben um Längen.Anfangs braucht es eine Einladung, um die Fähigkeiten von Manus selbst zu testen. Der Firma fehlt schlicht die Computerleistung. Die Exklusivität befeuert den Hype nur noch weiter. Nur wenige Wochen nach Deepseek hat es ein zweites Startup aus China geschafft, die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu ziehen.Den Weltmarkt im BlickAufmerksam werden auch Investoren: Ende April 2025 erhält Butterfly Effect 75 Millionen Dollar an Risikokapital – bei einer Bewertung von 500 Millionen. Das meiste Geld kommt von der amerikanischen Firma Benchmark. Das irritiert, vor allem in den USA.In China feiert man die neuen Star-Unternehmer. Das nächste Deepseek sei geboren – die Gründer gehören zum Stolz der Nation. Die Geldspritze von aussen ist ein Leistungsausweis: Chinesische KI, weltweit führend.In den USA hingegen nennt der republikanische Senator John Cornyn Benchmarks Einstieg bei Manus eine «Subvention für unseren grössten Gegner in Sachen KI».I am not saying Benchmark partners are Chinese assets...But they are def assets to China— delian (@zebulgar) May 2, 2025
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