Russland verstärkt den Druck auf Armenien, das am 7. Juni ein neues Parlament wählt. Das Moskauer Außenministerium teilte am Samstag mit, den Botschafter in Eriwan „zu Konsultationen“ zurückgerufen zu haben. „Schritte der armenischen Führung zur Annäherung an die Europäische Union“ schädigten die Eurasische Wirtschaftsunion.Darin ist Armenien Russland, Belarus, Kasachstan und Kirgistan verbunden, vertieft aber Beziehungen zu den USA und zur EU, der es laut einem Gesetz von 2025 beitreten will. Mit Blick darauf sprachen die eurasischen Partner Armeniens am Freitag von „wesentlichen Risiken für die wirtschaftliche Sicherheit“ ihrer Staaten. Der Kreml veröffentlichte die gemeinsame Erklärung während eines Gipfels im kasachischen Astana. Armenien war dort durch einen Vizeregierungschef vertreten, Ministerpräsident Nikol Paschinjan nicht angereist. Die Erklärung fordert Eriwan auf, rasch ein Referendum über einen EU-Beitritt oder einen Verbleib in der Eurasischen Wirtschaftsunion abzuhalten. Das ist Putins Position, die Paschinjan ablehnt.Putin erneuerte in Astana seine am 9. Mai geäußerte Drohung mit einem ukrainischen Szenario für Armenien. „Die Krise in der Ukraine hat einst mit Versuchen begonnen, die Ukraine an die EU anzuschließen“, sagte er im Bruch mit seinem eigenen Narrativ, nie gegen einen EU-Beitritt der Ukraine, immer nur gegen eine NATO-Mitgliedschaft gewesen zu sein. Die Proteste in Kiew hatten sich Ende 2013 daran entzündet, dass der damalige Präsident unter Moskaus Einfluss ein Assoziierungsabkommen mit der EU nicht unterzeichnete. Dass Armenien mit der EU schon auf Grundlage eines Partnerschaftsabkommens von 2017 zusammenarbeitet, das 2021 in Kraft trat, wurde von Moskau lange nicht problematisiert. Jüngst hat Russland die Einfuhr armenischer Waren wie Kognak, Mineralwasser, Blumen, Gemüse und Früchte verboten und droht zudem damit, Treibstoff- und Gaslieferungen zu stoppen, sollte Eriwan nicht den EU-Kurs beenden. Zudem laufen in sozialen Medien mehrere Einflussoperationen für prorussische Gegner Paschinjans.