Zu den Lektionen aus der Vergangenheit zählt Carl von Clausewitz’ Diktum vom Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, des weiteren eine Erkenntnis des preußischen Generalfeldmarschalls Helmuth von Moltke – „Kein Plan überlebt die erste Feindberührung“ – und Christopher Clarks Analyse des Ersten Weltkriegs als Ergebnis des Schlafwandelns der Großmächte. Krieg muss nicht gewollt sein. Es reicht, wenn er in Kauf genommen wird.
Der Krieg von 1914 war auch das Resultat eines mit grotesken Vorstellungen von Ehre, Treue, Wahrhaftigkeit und Mannhaftigkeit aufgeladenen Politikstils. In der Julikrise jenes Jahrhundertsommers eskalierten die politischen Emotionen: in der blinden, bedingungslosen Unterstützung der Deutschen für die Doppelmonarchie (Nibelungentreue) und der Franzosen für Russland; im sinnlos harten Wiener Ultimatum an Serbien; in der unnötigen Mobilmachung des Zaren als Demonstration seiner Kriegsbereitschaft.
Keine der Großmächte hat den Krieg gewollt. Alle haben dazu beigetragen, dass er begann. Das Ergebnis: mehr als 15 Millionen Tote und mindestens 20 Millionen Verletzte.
Ganz zu schweigen von einer Nachkriegsordnung, die eine deutsche Revanche geradezu programmierte. Nach dieser Revanche, die fatal missriet, lag Europa 1945 endgültig am Boden. Die Macht des Kontinents war gebrochen, und die Kriegserfahrung gleich zweier Generationen immunisierte die Zeitgenossen gegen jeden Gedanken an eine Wiederholung.








