PfadnavigationHomePolitikAuslandArtikeltyp:MeinungAnruf beim US-PräsidentenDieses Telefonat offenbart, wie Trump Entscheidungen fälltVon Dasha BurnsStand: 12:34 UhrLesedauer: 3 MinutenDasha Burns verantwortet bei „Politico“ die Berichterstattung über das Weiße HausQuelle: Politico; Generative Illustration/Infografik WELT;US-Präsident Donald Trump hat überraschend ein Dekret zur Regulierung Künstlicher Intelligenz gestoppt. Am Telefon fragte ihn „Politico“-Korrespondentin Dasha Burns nach den Gründen – und erhielt einen seltenen Einblick in dessen Denkweise.Mit Anrufen beim US-Präsidenten ist das so eine Sache. Ich überlege mir genau, wann ich seine Nummer wähle. Schließlich will man ihn ja auch nicht verärgern, nicht in den Wahnsinn treiben, den richtigen Moment erwischen. Es gibt Tage, da rufen ihn zwanzig verschiedene Reporter an. Und dann erzählt Donald Trump manchmal dem einen dies, dem anderen das. Vor allem bei außenpolitischen Themen, etwa der wichtigen Iran-Frage, macht der Präsident dann während der kurzen Telefonate Kehrtwenden. Mein Eindruck ist, dass er diese Reporter-Telefonate dann dafür nutzt, um mit teils gegensätzlichen Botschaften die Welt im Unklaren zu lassen. Auch deshalb bin ich recht zurückhaltend mit solchen Anrufen. Lesen Sie auchAber in dieser Woche schien mir der richtige Zeitpunkt gekommen, ihn anzurufen. Trump hatte überraschend ein Dekret zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz gestoppt. Eigentlich wollte er das unterschrieben, um der Branche strengere Regeln aufzuerlegen. Dann der plötzliche Rückzieher, auf den nur eine kurze Erklärung folgte: Trump wolle nichts tun, um den Vorsprung vor China zu gefährden. Aber wie steht er nun zu KI? Sieht er sie als Gefahr? Glaubt er, dass es Regeln braucht – oder nicht? Das wollte ich genau wissen, also habe ich ihn angerufen.„Hi, Dasha“Manchmal geht Trump nicht ans Telefon. Manchmal klingelt es lange, bis er abnimmt. Diesmal ging er gleich ran, nach zweimaligem Klingeln: „Hi, Dasha.“ Und dann hat Trump erstmal weit ausgeholt. Die KI-Politik sei ihm wirklich wichtig, und als es um neue Regeln ging, hätten ihm viele unterschiedliche Berater sehr unterschiedliche Ratschläge gegeben: von „zieh es durch“ bis „lass es lieber“. Am Ende habe er aus der Branche ziemliche Bedenken vernommen, etwa vom Großinvestor David Sacks, der als „KI-Zar“ bekannt ist und die staatliche Regulierung von KI völlig ablehnt. Nach so vielen Bedenken habe er sich entschieden, dass er nicht wolle, dass das Weiße Haus den Fortschritt behindert. Es sei nicht der richtige Moment für strikte Regeln. Lesen Sie auchUnd dann erzählte mir Trump plötzlich von seinem Onkel John. Er war Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT), einer absoluten Spitzen-Uni. John war ein renommierter Wissenschaftler, Elektroingenieur und Physiker, der vor allem in der Krebsforschung erfolgreich war und den ersten Megavolt-Generator für die Krebstherapie entwickelte.Der Präsident erzählte mir das alles am Telefon, in liebevollem Ton, geriet minutenlang über seinen Onkel ins Schwärmen. Trump sagte, er habe sich jetzt, vor der geplanten Unterzeichnung des Dekrets, in die Lage von Onkel John versetzt: Was der wohl denken würde, wenn durch solch ein Dekret wissenschaftliche Durchbrüche gefährdet oder verhindert würden? Hat also Trumps Onkel, der 1985 nach langer Krankheit verstarb, posthum dieses KI-Dekret „verhindert“? Dies zumindest war die Geschichte, die mir der US-Präsident in dieser Woche erzählt hat. Schauen wir mal, wie lange Trump dieser Linie folgt.Dasha Burns ist Playbook Chief Correspondent und White House Bureau Chief bei der WELT-Partnerpublikation „Politico“.Das Axel Springer Global Reporters Network ist eine markenübergreifende Initiative, die Scoops, investigative Recherchen, Interviews, Meinungsstücke und Analysen globaler Relevanz veröffentlicht. Journalisten aller Axel-Springer-Marken – darunter „Politico“, Business Insider, WELT, „Bild“, Onet und Fakt – kooperieren bei großen Geschichten für ein internationales Publikum. Die Berichterstattung erstreckt sich über alle Plattformen von Axel Springer: online, Print, TV und Audio. Zusammen erreichen diese Veröffentlichungen Hunderte Millionen Menschen weltweit.
Anruf beim US-Präsidenten: Dieses Telefonat offenbart, wie Trump Entscheidungen fällt - WELT
US-Präsident Donald Trump hat überraschend ein Dekret zur Regulierung Künstlicher Intelligenz gestoppt. Am Telefon fragte ihn „Politico“-Korrespondentin Dasha Burns nach den Gründen – und erhielt einen seltenen Einblick in dessen Denkweise.













