GastkommentarOlivier MarkWarum Westschweizer Winzer eine Importbeschränkung und einen Unterstützungsfonds verlangenZwei Drittel der in der Schweiz konsumierten Weine kommen aus dem Ausland. Ohne Anpassungen werden nur wenige Winzer übrig bleiben, denn Unternehmergeist allein reicht nicht aus.30.05.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDer Weinbau ist vorwiegend eine Sache der Westschweizer, auch wenn Deutschschweizer Winzer hervorragende Weine entwickelt haben, die regional sehr geschätzt werden und allgemein mehr Anerkennung verdienen. Sie repräsentieren jedoch nur einen Bruchteil der einheimischen Produktion und sind ein Nischenmarkt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wir dürfen nicht vergessen, dass zwei Drittel der in unserem Land konsumierten Weine aus dem Ausland kommen, was niemand in der Branche infrage stellt. Die Konkurrenz macht den Markt dynamisch, und die Vielfalt ist konstitutiv für die Weinkultur.Die Rebe: Pionierin der LiberalisierungIn der Schweiz zu produzieren, bleibt eine strukturelle Herausforderung, welche nirgends ohne minimalen Schutz des Marktes angenommen werden kann. Ich kenne keine einzige Ausnahme von dieser Feststellung. Weder die grossen Ackerbaukulturen noch die Milchproduktion noch irgendeine andere Landwirtschaftsform sind ohne Regulierung der Grenzen wettbewerbsfähig.Diesbezüglich ist die Rebe die Pionierin der Liberalisierung: Dieser Markt wurde 2006 geöffnet. Man setzte auf den Ruf der Schweizer Weine, auf die Treue der Kunden, auf Qualitätssteigerung und auf Quotenreduktion bei der Produktion. Diese kühne Wette eröffnete dem Import Vorteile.Der Weinkonsum ist so stark zurückgegangen, dass die Quoten keinen Sinn mehr ergeben. Für den Weisswein weniger als ein Kilo Trauben pro Quadratmeter zu produzieren, ist zu wenig, um wirtschaftlich in der Schweiz überleben zu können.Im Vergleich beträgt die Quote in der Champagne 1,6 Kilo Trauben. Die Winzer verlangen einfach, dass ihre Produkte zu einem angemessenen Preis zu gerechten Marktbedingungen verkauft werden können. Seit letztem Jahr bieten die Grossverteiler ausländischen Wein zu 2 Franken 50 pro Flasche an, was ein wirtschaftlicher Missbrauch und kein Ansporn für Qualität und für massvollen Konsum ist. Der Beweis, dass nicht nur die Romands nicht achtsam waren: Niemand hat die Konsequenzen einer Liberalisierung ohne Sicherheitsnetz vorausschauend geprüft.In den letzten drei Jahren hat sich der Rückgang des Konsums beschleunigt. Der starke Franken verschlimmert die Situation. Die Branche leidet und reagiert. Unsere Winzer müssen ein grosses Opfer bringen: Vom Kanton Waadt initiiert, werden 300 Hektaren und damit 8 Prozent der gesamten Anbaufläche für Reben aufgelöst.Die Winzer diversifizieren ihre Arbeit in den Weinkellern. Sie werden von verschiedenen Verbänden, dem Kanton und den Schulen unterstützt. Parallel verlangt die Branche einen Mechanismus zur Regulierung des Imports und die Bildung eines Fonds, geäufnet aus allen in der Schweiz verkauften Weinen. Das ist die Kombination, die es ermöglicht, dass die Weinberge erhalten bleiben. Davon hängen nicht nur die Winzer, sondern auch ganze Regionen wirtschaftlich ab.Opfer des FreihandelsWir schätzen die Kultur der direkten Debatte in der Deutschschweiz, sie ist vorteilhaft für eine gesunde Wirtschaft. Die richtige Frage lautet heute aber: Wie weit sind wir bereit zu gehen, um ganze Teile unserer Wirtschaft auf dem Altar des Freihandels zu opfern? Wie die gesamte Landwirtschaft verdienen auch unsere Winzer Respekt und gerechte Rahmen im Wettbewerb.Der Unternehmergeist allein reicht nicht, um dem Volumen des Mercosur oder dem wirtschaftlichen Massstab der europäischen Grossproduzenten entgegenzuwirken. Ohne angepasste Mechanismen bleiben nur wenige von öffentlichen Geldern oder reichen Investoren unterstützte Winzer übrig. Der Arc lémanique droht sein Gesicht zu verlieren, und die ganze regionale Wirtschaft bekommt dies zu spüren.Olivier Mark ist Berater und Präsident der Interprofessionellen Vereinigung des Waadtländer Weins (CIVV).
Schweizer Weinbau: Winzer fordern Schutz und Förderung
Schweizer Winzer: wie Import und Freihandel die Branche belasten






