Manche Unternehmen haben ihren Wert im Dotcom-Crash von 2000 bis 2003 mehr als verdoppelt. Einige davon sind jetzt vielversprechend, weil die Bewertungen günstig sind und die Geschäftsmodelle Tech-fern sowie konjunkturresistent.30.05.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenNicht wegzuwischen: Airbus A321 Neo der Fluggesellschaft Scoot am Changi Airport in Singapur im Juni 2025.Edgar Su / ReutersDies ist ein Artikel aus dem digitalen Finanzmagazin «The Market NZZ».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Für den Tech-Investor Ed Schneider ist das Kursrally der Chipaktien allzu extrem geworden. Bis Mitte Mai hat sein Hedge-Fund Quan das Engagement bei den besonders heissen Speicherchip-Herstellern reduziert und ist bei einem KI-Infrastruktur-Zulieferer short gegangen.«KI-Infrastruktur-Aktien hatten einen riesigen Lauf», sagt Schneider. «Diese Aktien können jederzeit steil nach unten drehen.» Denn den Ausgaben der Hyperscaler wie Amazon, Microsoft, Google und Facebook für Rechenzentren und Chips stehe noch keine Nachfrage von Kunden gegenüber, um diese zu refinanzieren.«Das letzte Mal, dass wir so einen Enthusiasmus am Markt hatten, war der durch das Internet angetriebene Bullenmarkt von 1998 bis Anfang 2000», konstatiert der in Genf lebende Amerikaner. «Es ist sinnlos, zu rätseln, ob wir uns eher im Jahr 1998 oder 1999 befinden, aber es gibt einige praktische Richtlinien zu befolgen.»Anleger sollten bedenken, dass das Halbleitergeschäft durch starke Auf- und Abschwünge geprägt ist. Ein guter Zeitpunkt zum Verkauf von Chipaktien ist gekommen, wenn das Wachstumstempo des Gewinns zu sinken beginnt. «Wer auf tatsächlich schrumpfende Gewinne wartet, kommt zu spät.» Das gelte auch für die Hyperscaler. Aber die Aktien von Speicherchipherstellern dienten oft als erstes Alarmsignal für einen Abschwung, sagt Schneider.Aktien, die einem KI-Crash trotzenFalls der KI-Rückschlag kommt, sollten Anleger keinesfalls alle Aktien verkaufen. Das wäre eine allzu einseitige Positionierung angesichts der Unvorhersagbarkeit von Konjunktur und Märkten. Umsichtig erscheint es dagegen schon jetzt, ein allzu grosses Übergewicht von KI-Gewinnern zu reduzieren und hier Profite mitzunehmen, wie es schon der Tech-Branchenkenner Schneider getan hat.Alternativen zu den gefeierten Chipherstellern bieten wachstumsstarke und renditekräftige Firmen aus Tech-fernen Branchen. Zur Ideenfindung lohnt sich ein Blick auf Unternehmen, die dem heftigen Börsenkrach von 2000 bis 2003 widerstanden haben. Auch wenn die Telekommunikations-, Medien- und Technologieblase vor einem guten Vierteljahrhundert ihre eigenen Besonderheiten hatte und sich deutlich vom derzeitigen KI-Boom unterschied.Der Blick auf die Gewinner der Jahre 2000 bis 2003 im heutigen DAX 40 ergibt zusätzlich zu den Top Ten oben noch Adidas (22 Prozent Kursgewinn), BMW (19 Prozent), Deutsche Börse (16 Prozent), Airbus (11 Prozent), Hannover Rück (10 Prozent) und E.On (7 Prozent) als Titel mit positiver Kursentwicklung nach dem Platzen der Internet-Spekulationsblase.Viele dieser Aktien bringen gute Voraussetzungen mit, um auch in den kommenden Jahren Wert für Anleger zu schaffen. Allerdings muss dafür das Geschäftsmodell intakt sein. Bei den deutschen Autoherstellern herrschen daran derzeit Zweifel. Auch Puma und Beiersdorf kämpfen mit unternehmenseigenen Problemen. Beim Sportartikelhersteller erwarten die Analysten für 2026 einen Verlust, für die Turnaround-Wette sind Risikofreude und Geduld nötig. Der Konsumgüterhersteller Beiersdorf wiederum bietet derzeit mehr offene Fragen als Kursphantasie. Beim Lagerlogistikkonzern Jungheinrich gab es seit 2025 zwei unerwartete Managerabgänge und Berichte über Zwist in der Eigentümerfamilie.Daher schaffen es diese Titel nicht in die Auswahl der Aktien, die ihre Resistenz gegen einen Tech-Crash bewiesen haben und derzeit Chancen bieten.Die vollständige Auswahl von zehn crashresistenten, attraktiven Aktien finden Sie bei «The Market NZZ».Erweitern Sie Ihr NZZ-Abonnement um «The Market NZZ»Als NZZ-Kunde erhalten Sie «The Market NZZ» für 29.60 Euro statt 37 Euro im Monat. Testen Sie jetzt das flexible Angebot. Monatlich kündbar.Zum rabattierten Angebot für NZZ-AbonnentenAdidas: ungeliebt und günstig, jedenfalls an der BörseMit der enttäuschenden Jahresprognose hatte der Adidas-CEO Björn Gulden den Kurs Anfang März abstürzen lassen: eine Übung in Tiefstapelei, wie «The Market NZZ» seinerzeit vermutete. Ende April übertraf der Sportartikelhersteller mit 6,6 Milliarden Euro Umsatz im ersten Quartal die Analystenerwartungen (6,3 Milliarden Euro) und schlug diese auch beim Betriebsgewinn (705 Millionen Euro). 2026 und 2027 trauen die Analysten den Herzogenaurachern zu, den Jahresüberschuss jeweils um fast 20 Prozent zu steigern.Auf dem Geschäft lasten die hohe Inflation und die deshalb geringere Kauflaune der Kunden. Die Umfrage der Universität Michigan zeigt, dass die amerikanische Konsumentenstimmung auf ein Rekordtief gestürzt ist. Das spricht gegen einen baldigen Höhenflug der Aktie.Mittelfristig betrachtet ist die zweitgrösste Sportartikelmarke der Welt nach Nike jedoch durchaus aussichtsreich, denn die Konsumflaute hat die Bewertung erheblich gedrückt. Während die KI-Hoffnungsträger teuer sind, ist Adidas an der Börse billig und unbeliebt («cheap but unloved»), wie der Berenberg-Analyst Nick Anderson im März in einer Analyse schrieb.Airbus: auf Jahre ausgebuchtAm 19. Februar bezeichnete «The Market NZZ» die Airbus-Aktien wegen des andauernden Lieferengpasses bei Flugzeugturbinen als unattraktiv. Seitdem ist der Kurs zeitweilig um mehr als 15 Prozent gefallen. Die Probleme der Zulieferer dauern an. Dennoch trauen die Analysten dem Konzern für die kommenden Jahre ein zweistelliges Wachstum zu.Airbus hat Bestellungen für 9037 Zivilflugzeuge im Buch. Selbst wenn Kunden Orders stornieren sollten, bliebe der Konzern auf Jahre hinaus beschäftigt. Mittelfristig dürften die Triebwerkhersteller wieder grössere Stückzahlen liefern. Das macht die Aktien zu einer sinnvollen Investition für Anleger, die einen KI-Crash fürchten.Continental: günstiger Reifenhersteller mit KatalysatorDurch die Abspaltung von Aumovio hat Continental sich auf das schwankungsärmere Reifengeschäft konzentriert. Denn abgefahrene Pneus werden notgedrungen auch dann ersetzt, wenn die Wirtschaft lahmt. Die Kunststoff- und Kautschuksparte Contitech soll noch vor Jahresende verkauft werden, Private-Equity-Gesellschaften gelten als interessiert.Im ersten Quartal stieg der bereinigte Ebit um 6 Prozent auf 522 Millionen Euro, die Marge kletterte um 1 Prozentpunkt auf 14,4 Prozent. Continental sei mit einem Preisabschlag von 30 Prozent zu anderen Reifenherstellern günstig, und der Contitech-Verkauf könnte eine Sonderdividende finanzieren und eine Aufwertung auslösen, urteilen die UBS-Analysten. «The Market NZZ» hält Continental für einen konjunkturresistenten Dividendenzahler (Ausschüttungsrendite: 4,4 Prozent).Deutsche Börse: eingebaute KrisenresistenzDie Deutsche Börse ist einer der Favoriten von «The Market NZZ» für 2026. Die Krisenresistenz liegt im Geschäftsmodell: Wenn nervöse Anleger viel handeln und absichern, ist das für einen Börsenbetreiber grundsätzlich gut.Der Gewinn pro Aktie soll von 2026 bis 2029 jährlich um mehr als 9 Prozent steigen, schätzen die bei Bloomberg erfassten Analysten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 ist günstig für einen wachstumsstarken Oligopolisten (KGV, zum für 2026 geschätzten Gewinn). Kürzlich hat der Qualitätsaktieninvestor Christopher Hohn mit seinem Hedge-Fund TCI 5,2 Prozent der Anteile erworben, wie am 15. Mai bekanntwurde. Der Kurs ist nach einer Konsolidierung auf Zwölfmonatssicht noch 10 Prozent im Minus, auf Sechsmonatssicht jedoch mehr als 15 Prozent im Plus. Das Rally dürfte mittelfristig noch viel weiter gehen.Drägerwerk: Margenpotenzial von sehr niedriger Basis ausAuf Indexebene (MSCI Europe) sind die Gewinnmargen in Europa seit der Pandemie auf dem höchsten Stand seit 25 Jahren, das zeigen Daten von Morgan Stanley. Es ist fraglich, ob die Unternehmen dieses hohe Niveau dauerhaft halten können.Gewinnmarge des MSCI EuropeDer Hersteller von Sicherheits- und Medizintechnik Drägerwerk hat ein ganz anderes Problem. Die Medizintechniksparte schafft nur 2,9 Prozent Ebit-Marge. Die Fondsmanager Jens Ehrhardt (DJE Kapital) und Christian Gebert (Ehrke & Lübberstedt) setzen darauf, dass das Lübecker Familienunternehmen zumindest ein Stück weit zu den Branchenrivalen aufschliesst, die ein Vielfaches an Marge erzielen. «The Market NZZ» hält Drägerwerk deshalb und wegen der niedrigen Bewertung für aussichtsreich.Antizyklisches Investieren in Lübeck hat sich schon einmal gelohnt: Im Dotcom-Crash hat Drägerwerk seinen Kurs verfünffacht.
Diese deutschen Aktien hängen nicht vom KI-Boom ab und sind attraktiv
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